Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1849)
- Date
- 1849-10-20
- Page
- Seite 185 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien «nL Kritike n Zehnter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Tblr. Manabonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchdand- Uwgen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Jahrgang. Don dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das LitcraturblaN mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. ß 42. Leipzig, den 20. Oktober 1849« Inhalt. Bitte an die israelitischen Gemeinden Deutschlands. — Deutschlands vereinigte Staaten. Aus Mahren. Mährische Briefe. IN. Lissa. Steuerverweigerung Opposition. Verhattdüß zwischen Juden und Christen. — Der Dorfgeher, Eine Ghetto-Novelle von Leop. K o mp er t. (Forts.) — LB. d. Or. Bitte an die israelitischen Gemeinden Deutschlands. Der-Strom unglückseliger Ereignisse, der sich in Folge des polnischen Aufstandes mit dem Lenze v. I. über die deutschen und jüdischen Bewohner des Großherzogthums Posen ergoß, hat uns hinabgeriffen in Noch und Verderben. — Und in welchen Theil des deutschen Vaterlandes sollte nicht die Kunde von den namenlosen argen Drangsolen, von denen namentlich die Juden am meisten betroffen waren, getragen worden sein? — Sie waren ein SpielbaU der rohen Rebellen, willkürlich verübte man an ihnen Plünderung und Raub, auf niederträchtige Weise beschimpfte und entheiligte man ihre Heiligthümer; entehrte und mordete man ihre Kinder, selbst Greise sielen der Wuth der Unmenschen anheim und fanden einen qualvollen Tod. — Wahrlich uns fehlt es an Worten dies unerhörte Treiben in seinen wahren Farben zu zeichnen, in seinem ganzen Umfange zu beschreiben! — Am meisten litt aber unser sonst so friedliches Städtchen, welches am 29. April v. I. dem Racheschwert preisgegeben war. — In Folge dieses schrecklichen Kampfes, hauptsächlich durch die Beschießung, ging die Stadt in Flammen auf, welche den größten Tbeil derselben, zerstörten, so daß nur noch wenige Häuser stehen geblieben sind. — Niemanden war es vergönnt, seine Habseligkeiten, den gewaltigen verheerenden Flammen zu entziehen, noch viel weniger dieselben vorher aus der Stadt zu entfernen, um sie außerhalb derselben in Sicherheit zu bringen, weil solche von Seiten der Insurgenten bei sehr strenger Strafe untersagt, und die Ausgänge der Stadt überall bewacht worden waren. — Durch die wundervolle Fügung Gottes ist indeß kein Leben umfcrer Glaubensgenossen der hiesigen Stadt verloren gegangen, allein desto größerem Elend sind wir anheim gefallen, und zgvar mehr als alle Uebrigen, welche von ähnlichen Schicksalen heimgesucht worden sind, indem uns nichts weiter geblieben ft, als unser Leben. Unser Bethaus liegt nun auch sammt den heiligen Geräthen in Trümmern und Asche; ebenso unser Elementarschulhaus. — Doch da in hiesiger Gegend endlich Ruhe und Ordnung wieder zurückgekehrt, so hüben die Unterzeichneten Vorsteher inmitten des größten Elends es für eine Nothweiidigkeit erkannt, ihre zerrüttete Heerde wieder um sich zu sammeln, und zur Abhaltung unseres gemeinsamen Gottesdienstes den Bau zu einer neuen Synagoge so bald wie möglich zu beginnen, den Grund zu legen und mit Gottes Hilfe bald zu vollenden. — Bei der totalen Verarmung unserer Gemeinde, so wie bei der sehr niedrigen Summe, welche uns im Betrage von 200 Thlr. aus der Feuer-Societäts-Kaffe für die uns verloren gegangenen Gebäude gewährt wird, sind wir außer Stande unser schönes Vorhaben in Ausführung zu bringen — ungeachtet dessen wollen wir dennoch muthlg ans Werk gehen, denn wir sind überzeugt, die Brüder unseres Volkes nah und fern, werden uns gerne ihre helfende Hand 42