Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 41 (13.10.1849)
- Date
- 1849-10-13
- Page
- Spalte 653-654 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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653 Kritiken. Kurze Übersichten. Drechsler. Herxheimer. 654 Schrift derjenigen theologischen Richtung an, die das A. L. als Summe göttlicher Weisheit und Offenbarung gläubig hin- .nimmt und mit welcher ein anderer Standpunkt gar nicht zu rechten befugt ist/ und wir dürfen uns bei diesem Stand- . punkte gar nicht wundern ■, daß der gla'Mge Ausleger .so viel .der göttlichen Weisheit in den 5 Kapiteln gefunden, zumal selbst vom rein menschlichen Standpunkte der salomonischen Weisheit, Tiefe und Originalität zugesprochen werden muß. Kahnis sagt: „die salomonische Richtung steht da, wie die Sokratik in der griechischen Welt" und Hr. St. bemerkt dazu: „aber dieser orientalische, israelitische Sokrates muß doch ganz anders noch verstanden werden. Nicht von Nichtwissen, sondern von der Erkenntniß des Heiligen (Spr. 30, 3) gehet er aus." Klenker in seinen salomonischen Denkwürdigkeiten sagt: „Jenes Urcheil des delphischen Apolls, wonach Sokrates für den Weisesten der Sterblichen erklärt sein soll, findet ehlr Glauben, als das Urcheil des Gottes der Götter, der dem Weisen seines Volkes einen Verstand ohne seines Glichen weder den Königen vor und nach ihm zuerkannt, ob dieses gleich von höherer Bedeutung ist." Oetinger sagt über die Sprüche: „Die Sprüche Salomonis sind viel j tiefer als die Natursittenlohre des Sokrates, sind mit den! Originalien und ursprünglichen Lebenskräften tingirt/ und kennen und schätzen die Logend nicht nur nach den Folgen, sondern nach der Verbindung mit der allgegenwärtigen Weisheit als dem Original aller Tugend"» Hamann sagt von ihnen: „Die Spiele ihr^s Witzes sind gleich den Namenszügen, die beim ersten Schnitte der Rinden kaum ins Auge fallen und mit den Jahren der Bäume auswachstn, daß Jeder, der vorüber läuft, sie lesen kann." Ale Muster der Weisheit wurden sie auch oft angepriesen. Jakob!. von England in seiner Institutia regia a>d Henricuni liaeiedem empfahl sie dringend und Baco bemühete sich, eine große Anzahl auszulegen. Unser Ausleger Hr. St. geht zwar auch von dieser Hochachtung aus, aber er betrachtet sie nebenbei als Texte, woran er eine gläubige Mo-rallehre knüpft, obgleich auch für das philologische Element so Manches daraus lernen ist. 21] D er Prophet Jesaja. Uebersetzt und erklärt vo-n Dr. Moritz Drechsler. Erster Theil. Die ersten zwölf Kapitel enthaltend. Stuttgart, 1845, 8. Sam. Gl. Liesching. (S. ovo.) Diesen ersten großen Band über 12 Kap« des Jesaja zeige ich nur deshalb hier an, weil er soeben nochmals versandt wurde; er ist aber an sich, gegen die tresflichen Bearbeitungen, die wir bereits haben, ganz we.rthlos, da der Ausleger in der hebräischen Philologie — er scheint die besten Arbeiten gar nicht zu haben — noch sehr zurück ist. 22) Die vier und zwanzig Bücher der Bibel im hebräischen Texte mit worttreuer Uebevsetzung, fortlaufender Erklärung und homiletisch benutzbaren Andeutungen, herausgegeben von Dr. Sal-omon Herxheimer, berzogl. Landcsradbiner zu Tnh.-Bernburg. Vierter Vd. Hagiog'raphen (IV. 776 S.fl Berlin, -1843. Lewen fische Verlagsbuchhandlung. (Pr. 3 Thlr. 1ö Sgr.) (Auf dem Titelbllatte fehlt die Angabe, welche Bücher der Lehrer Elk°i.n übersetzt und kommientirt hat, obgleich der Hr. D«r. Herxheimer in der Vorrede S» IV daraus hinweist.) Unter den rühmlichen Bestrebungen jüdischer Gelehrten der Neuzeit um die Literatur des Jüdenthums, nehmen die Uebersetzungen und Erklärungen der heiligim Schrift eine ehrenvolle Stelle ein.. Zwar haben die Biuristen zu Anfang unsres Jahrhunderts dieses Feld bereits neu angebaut; über im Verlaufe der Zeis hat sich die Kenntniß der rabbinischtn Literatur so sehr uutter dem Volke vermindert, daß diese Biurim schon wieder! aufhören, volkstümliche Literatur zu sein. Es stellte sich nunmehr das Bedürfniß heraus, auch die Erklärungen in deutscher Sprache beizugeben, uud vorzüglich durch ganz wortgetreue Ueberfetzung den Wortsinn Zu erhalten, ohne dem Gesammcinhalte «Gewalt anzuthun; denn während früher die freie Ueberfetzung sich auf den Biur als auf einen streuen Anwalt stützen konnte, so würde ein solcher, wenn er zu weikläusig wäre, gewöhnlich unbeachtet bleiben, außerdem daß er in hebräischer Sprache und Schrift für Viele ünverständ-lich geworden ist. Beim Gebrauche der Bibel in der Schule kommt noch die beschränkte Zeit hinzu, welche jetzt diesem Unterrichtsgegenstandk' zugetheilt wird, wobei es dem Lehrer selten Möglich wird, weitläufige Erklärungen nachzusehen, wenn er sich vorher nicht vorbereitet Hatz 'diesem Nachtheile ist nun im vorliegenden Werke abgeholfen. — Da nun trotz aller Zerwürfnisse im Judenthume, man sich wohl darin einigen muß, daß die Bibel ewig das höchste Palladium desselben bleibt; und daß wir Lehrer die heilige Pflicht haben, der Jugend diese lautere Rrligionsquelle immer zugänglicher zu machen, um den schrankenlosen Jndifferentismus, so lange die Jugend noch unsrer Leitung anvertraut ist, wo möglich einen Damm entgegen zu setzen; so haben daher die Verfasser für diese schätzbare Gabe sich besonders wieder um die Jugend verdient gemacht, und sollten wohlmeinende Eltern, sowie Lehrer, deren Gehalt für eine solche Ausgabe nicht zu gering ist, sich ein solches Bibelwerk anzu schaffen nicht unterlassen. — Das Werk verewigt in der Erklärung Mit einer lobenswerten Kürze, bei schwierigen Stellen auch mehrere Ansichten zur Auswahl und ist überall eine dem Wortsinn treue Ueberfetzung erstrebt. Referent, dessen«. Amtstätigkeit ihm dw Zeit nicht gönnt, ein so voluminöses Werk ganz durchzusehm, und der es nur gelegentlich zur Haiud nehmen kann, muß es sich daher verfügen, ins Specielle «nnzugehen; jedoch wird jeder Einblick erkennen lassen, daß die Verfasser fleißig die vorzüglichsten jüdischer: Kommentatoren benutzten, und auch die Forschungen berühmter christlicher Exegeten angeführt haben. Eine wertvolle Zugabe sind die kurzen Einleitungen zu jedem besonder:!» Buche, über dessen Zweck, Verfasser rc. Die Einleitung zu .den Pfalmen enthält Belehrungen über