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Der Orient · 1849-10-13 · 41 (13.10.1849) · p. Spalte 643-644

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
41 (13.10.1849)
Date
1849-10-13
Page
Spalte 643-644 (sequence 2)
Language
German
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643 Stadien. Der Bibelkanon des Fl. Josefus. 641 außer.'Acht mfc Ädoptirm das zweite der VVN ihm aMestell- - ten Kriterien, welches vollkommen ausreicht. Wir begründen und formuliren dies noch einmal also: Josefus sagt „Bei den Juden hätten nur Propheten Geschichte geschrieben" (oder wie es Kap. 6 heißt: -/Hohepriester und Propheten waren damit beauftragt") und zwar „sei Lies bis auf Artaxerxes geschehen, bis dahin reiche eine Kettr, oder Reihenfolge, von Propheten; das später Ausgezeichnete, genauer: die Geschichte der Zeit nach Artaxerxes, habe nicht dieselbe Glaubwürdigkeit, weil es nicht von Propheten geschrieben fei." Folglich kann die Geschichte von der Schöpfung an bis Artaxerxes nur aus prophetischen Quellen geschöpft werden; es müssen dem Josefus also alle Bücher, denen er für die bezeichnete 'Geschichtsperiode folgt, für prophetische, d. h. kanonische gegolten haben. Wir haben also nur zu sehen, ob Josefus ein biblisches Buch benutzt, d. h. aus ihm geschichtliche oder ähnliche Daten aufnimmt und ob er die Lhatsache in die Zeit bis Artaxerxes fetzt, so haben wir einen Beweis dafür, daß er dasselbe als kanonisch betrachtet hat. — Aber vielleicht, wie Oed er annimmt, nur bis an Artaxerxes, so daß das .Buch Esther zu den „nicht ebenso glaubwürdigen" gehören würdeDas Wort iann allerdings „Anfang, Regierungsantritt" bedeuten; aber es ergiebt sich gleich dagegen das Bedenken, daß Josefus, hätte er so scharf vor Artaxerxes her abschneiden wollen, gewiß nicht ein in diesem Zusammenhang so zweideutiges Wort gewählt haben würde. Sodann: woher hat denn Josefus diese Zeitangabe für den Abschluß des Kanons, worüber man früher so viele Hypothesen ausgestellt hat, und von einer Person oder einem Kollegium., welche dies gethan, und einem Jahre in dem es geschehen, hat Josefus nichts gewußt, sonst würde er sicherlich darüber belichten und die genauere und bestimmtere Angabe der unbestimmteren „bis Artaxerxes" vorgezogen haben; wie dies Eichhorn schon richtig bemerkt. Er kann also, um eine Zeitbestimmung anzugeben, nur zu dem Mittel gegriffen haben» daß er nachsah, welches Buch im Kanon das jüngste sei. Die Kritik unsrer Zeit, die echte wie die Hyperkritik, ist dem Josefus fremd; die Bücher waren ihm, nach dem allgemeimeinen Bewußtsein jener Zeit, wie vieler folgender Jahrhunderte, in d e r Zeit geschrieben, in der die in ihnen vor- Lommende Geschichte spielt; er sagt ja ausdrücklich zweimal in unserer Stelle: die Propheten hatten za avzovg „die Geschichte ihrer Zeit" ausgeschrieben; folglich ist ihm 24) Nur um der Vollständigkeit nichts zu vergeben, lassen wir uns auf diese Oeder'sche Ansicht nochmals ein; der Standpunkt, von dem er offenbar ausgegangen sein muß, jene Annahmen von einer Schließung des Kanons, Eintragung in denselben und Kriterien der Kanonicität sind-sonst längst verlassen. — An seinem Orte werden sich -außerdem noch specielle Beweise Lasur ergeben, daß dem Josefus ein Buch Esther kanonisch war. — 25) Man vergesse übrigens nicht, daß das ganze Wort zweifelhafter Echtheit ist. — das Buch Esther , Lessen smiE'nN er gleich Artaxerxes fetzt, zur Zeit des Artaxerxes geschrieben und ob die neuere Kritik damit zufrieden ist, ist ebenso gkeichgiltig als ob WhWtVi wirklich Artaxerxes ist. Die Geschichte Esra^s und Nehemias aber, auch noch den Tod des Letzteren, setzt er unter Xerxrs,^ aus der Zeir nach Artaxerxes fand er in dm biblischen Urkunden nichts mehr, folglich mußte er das Aufhören prophetischer Geschichtschreibung unter Artaxerxes setzen. Es ergiebt sich gerade hieraus ganz evident, daß er das Buch Esther noch zum Kanon gerechnet; eben aus ihm hat er die Angabe über die Zeit des Kanonschluffes genommen, hätte er es ausgeschlossen und Esra - Nehemia als das jüngste Buch der heil. Schr. betrachtet, so würde er offenbar „bis zum Tode des Xerxes" gesetzt habm. Mit Order anzunehmen und diese Annahme dem Josefus unterzuschieben: das Buch Esra Neh. fei nun erst unter Artaxerxes und das 'Buch Esther nach Jenem geschrieben, das ist, wie früher bereits angedeutet und hiev nachgewiesen worden, ganz unstatthaft. Unser Satz: was Josefus von Adam an bis zur Geschichte Esther's inclus. erzählt, das ist nach seiner Ansicht aus kanonischen Büchern geschöpft, steht also in seiner ganzen Ausdehnung fest und kann uns für die historischen Bücher der Bibel hinlänglich sichern; für die andern sind wir auf Andeutungen und Berechnungen angewiesen, müssen uns jedoch bemühen, für die Rechnung wo möglich festere Grundlagen zu finden als die Eichhorn'schen. Ganz besonders aber dürfen wir, nach dem was oben auseinandergesetzt worden, uns durchaus nicht begnüngen (wie dies die Früheren offenbar gethan), die Marginalien der Havercamp'schen Ausgabe durchzublätlern um zu sehen, welche Bücher und Kapitel der Bibel dort als Quellen angegeben sind, sondern wir müssen selbst genau lesen und vergleichen, um zu finden, ob Josefus den Quellen treulich folgt; dann werden wir wissen, ob er bloß Parallelstellen zu den kanonischen Büchern liefert oder Excerp te aus diese n. Für die ältesten Bücher der Bibel könnte dies überflüssig scheinen, weil es anderweitig vollkommen feststeht, daß diese schon lauge vor Josefus Zeit in der heutigen Gestalt im Kanon standen; aber auch hier wollen die Abweichungen, Zusätze, Auslassungen u. s. w. des Josefus darum bemerkt sein, weil wir danach beurtheilen müssen, was von den Abweichungen rc. in den späteren Büchern zu halten sei.; wir müssen uns danach ein Urtheil darüber bilden, wie Joftfuö überhaupt die biblischen Urkunden in feiner Erzählung benutzt hat und ob uns etwaige Abänderungen, Einschiebsel oder Weglassungen einen Anlaß geben dürfen mit Grund zu vermuthen, daß Josefus hier eine Akanomsche Quelle vor sich gehabt. Nur den Pentateuch (enthalten in den vier ersten 26) Dies steht ganz deutlich am Schluffe von Ant. XI. Kap. 5. Das sechste Kapitel fängt dann mit Artaxerxes an und bringt die Geschichte von Esther.

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