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Der Orient · 1849-10-06 · 40 (6.10.1849) · p. Spalte 633-634

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
40 (6.10.1849)
Date
1849-10-06
Page
Spalte 633-634 (sequence 5)
Language
German
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633 Studien. Biographie des Dr. M. Lettens 634 da sie im Kreise der Frauen am Sabbattage oft von seiner Mutter vorgelesen wurde, gewann im hebräischen Original für ihn nur neuen Reiz, und es wurde unzählige Mal wiederholt gelesen. Eine ähnliche ununterbrochene Unterhaltungslektüre bildete Benseeb's "VON rP2, Lindaus Naturlehre und Naturgeschichte Cn^ HYm bv Y^D und endlich Lausend und eine Nacht in einer jüdisch-deutschen Verdolmetschung. Kaum war L. vom ermüdenden Joche des Talmudstudiums in der Schule (Y}n) befreit, was aber erst in den spätesten Abendstunden geschah, soflüchtete er sich in die Regionen der Dichtung, ohne einmal den Namen Poesie zu kennen, und die Bibel und die erwähnten Bücher, zu denen sich noch spater ein Heft des pp&tD gesellte, wurden wieder vorgenommen. Es erwachte auch bald die Lust der Selbstproduktion, und ein Abendlied, in Form eines Wettgesanges, Y&V welches L. zierlich abschrieb und Hon. Krochmal, dem bekannten Gelehrten, der damals in Zolkiew wohnte, zum Urtheil vorlegte, war das erste Produkt. Die Schlußstrophe lautete: , hfin / 'H'N 3|l&0 : “ij?n p« — 2-vV?)Vn , tycN ’n?]! 1g‘2 2'^ *p2Tl Dieses Gedicht schrieb L. in seinem 13. Jahre, und von jener Zeit an trat er in einen Briefwechsel mit einigen Gelehrten Galiziens. — L. mußte damals noch, von seinem Vater sehr strenge zum Studium des Dübn ungehalten, auf eine freiere mannigfaltige Bildung des Geistes verzichten. Die deutsche Sprache selbst mußte verstohlen und geheim erlernt werden, tlnb damit hatte es wieder eine eigene Bcwandniß, die das geistige Leben in Polen genugsam charakterisier. L. hatte zu jener Zeit nach und nach Mendelssohn's Phädon, Rettung der Juden und zum Theil auch den Jerusalem aus der hebräischen Übersetzung derselben kennen gelernt, nun wurden diese Werke im deutschen Original die ersten Lesebücher des wißbegierigen L. und der Salto moitale gelangz das Verständniß dieser zum Theil abstrakten Gegenstände bot keine große Schwierigkeiten dar. L.'s Vater widersetzte sich den modernen Studien und dem Erlernen fremder Sprachen, als er deren geheime Fortschritte bei seinem Sohne nach und nach wahrnahm, mit hartnäckiger Strenge, und als er ihn einmal sogar überraschte, wie er mit einem Arzte in einer Konversation in französischer Sprache begriffen war, da entlud sich ein Sturm von Verwünschungen gegen den anti-talmudischen Dämon, der sein unglückliches Kind vom Wege des Heils zu dem neumodischen Kram verlockte z und einige, nach strengerDurchsuchung aufgefundene Bücher, worunter Dohms bürgerliche Verbesserung der Juden und Les letteres persanes mußten den Scheiterhaufen besteigen, auf dm Ausspruch gestützt: b#+ — Bei all dem nahm die Wißbegierde L.'s täglich zu, und vom t^YI^H!YO wurden, selbst im Winter, geheime Ausflüge gemacht, um nur unangefochten den Durst nach Neuem befriedigen zu können. In jener Zeit, es war im Jahre 1820—22 wurde zwischen L. und Abraham Goldberg in Brody eine wöchentliche Korrespondenz in hebräischer Sprache geführt. Mit Anmuth, Eleganz und Jugendfeuer wurden da die wichtigsten Interessen eines aufgeklärten Lebens besprochen, und mit einer Leichtigkeit im antiken hebr. Idiom ausgedrückt. Diese Korrespondenz war die Basis der künftigen schriftstellerischen Laufbahn L.'s. Mehrere dieser Briefe sind theils im a"n iDtrDYD mit I".i unterzeichnet (nicht für Goldenberg, Herausgeber der d"D, zu deuten), theils mit der Unterschrift und 3".1N, in den von L. spater herausgegebenen im Druck erschienen. — Im % 1822 unternahm L, eine Reise nach Wien, wo er die persönliche Bekanntschaft S. I. Kohn's machte, der ihn sehr liebte, und der ihn schon früher eingeladen, an die von ihm redigirten □,>p$ri ^Yß? sich als Mitarbeiter anzuschließen, mit den schmeichelhaften Ausdrücken: „Vsffl , MD V^il '2! NN' , yt>ü) piD PpBO "!2d>'l1 blb , NN2P71 lüüwd NNQN □nman , D’iznnn njn M21DNN2 , ]Din dpt D'pnp l'lli-ba ul? J’K : Noch in demselben Jahre erschienen die hebr. Gedichte L.'s betitelt welche sein Vater, welcher mach und nach von elterlicher Eitelkeit geschmeichelt, des Sohnes literarischem Treiben nicht mehr unerbittet zusah, in seiner eigenen Buchdruckerei edirte, welche bald darauf eine zweite, mit einigen erotischen Gedichten vermehrte Ausgabe erlebten. Die günstigsten Urtheile eines David Fried!an der in Berlin, Abr. de C ol o gna, der zu jener Zeit Großrabbiner m Paris war, S. 3. Koh n, S. L. Rapaport und einiger Italien. Gelehrten veranlaßen eine zweite Sammlung N^dr, die im I. 1824 ebendas, erschienen, und die auch Beifall erhielten. L.'s hebr. Gedichte fanden in Galizien und Rußland.mchrere Nachahmer, unter welchen ein Hr. Isaak Fischmann aus Lemberg zu nennen ist, der ein Bändchen Poesien herausgegeben, wo man fast auf jeder Seite Reminiszenzen und ganzen Stellen aus L.'s Gedichten begegnet. — Im I. 1825 gab L. seine Zeitschrift nYDiin * heraus. Da aber der freisinnige F. L. Mises, der die in Jost's „Geschichte der Israeliten" inserirte Geschichte der Karäer schrieb, und später ein größeres hebr. Werk n£Nin HNJp herausgab, auch in der rTVD^ einen scharfen Aufsatz über den Mangel an humanen Wissenschaften unter den slavischen Juden einrucken. ließ, so veranlaßte er eine Erbitterung unter den Lesern, die das Eingehen dieses Zeitblattes zur Folge hatte. — Nach dieser Zeitepoche wendete L. den größten Theil feinen: literarischen Bestrebungen *) Worin sich Aufsätze von D. Friedländer, N. Krochmal, M. Letteris, A. Goldberg, S. I. Kohn, I. S. Byck, Günzburg u. A. befinden.

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