Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 40 (6.10.1849)
- Date
- 1849-10-06
- Page
- Spalte 631-632 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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631 Studien. Kurze biographische Skizzen. 63V Da man nun, schließt Eichhorn weiter, von den sub a genannten, nach A-zug der 5 B.Mos. und der Psalmen, si eben und die sieb en sub b genannten sämmtlich, zu der Klaffe der „dreizehn prophetischen Bücher" rechnen muß; da das> Buch Hiob, welches ohnehin noch Niemand als ein sehr spätes und etwa zu Josefus Zeit noch nicht in den Kanon aufgenommenes, angefochten hat, ohne Bedenken auch zu diesen prophetischen Büchern gerechnet werden kann; so sind wir genöthigt aus den so sich ergebenden 15 Büchern 13 zu machen, indem wir Ruth und Klagt, mit Richter und Ierem. verbinden, und behalten für die vier Hymnen- und Lehr- Bücher: Psalmen, Sprüche, Kohelet und das Hohe Lied. — So Eichhorn» Oed er hat ebenfalls unsre Stelle selbstständig geprüft und ist zu ganz anderen Resultaten gekommen. Ich kenne seine Schrift nicht, ersehe aber aus de Wette, daß er „fälschlich Esther, Esra und Nehemia und die Chronik ausgeschloffen wissen will." Er ist dazu jedenfalls von vorgefaßten Ansichten über den Kanon aus gekommen und klammert sich (wie ich aus de Wette schließe) an das uqxvs an, welches er „Anfang, Regierungsantritt" übersetzt; also „alle Bücher von Artaxerxes' Anfang an sind nicht kanonisch"; dadurch ist Esther ausgeschlossen, welches bei Josefus unter Artaxerxes spielt; auch Esra Und Nehemia, denn diese gehen (nach Josefus Rechnung) bis a n Artaxerxes, sind also -— nach u nsern Begriffen wohl erst unter Artaxerxes geschrieben; warum aber auch die Chronik? ohne Zweifel, weil diese nach Oeders Ansicht (die freilich nicht falsch, aber dem Josefus ganz und gar fremd ist) auch erst unter Artaxerxes geschrieben ist. Man sieht, wie hier in die Beurtheklung des Kanons des Josefus, ganz fremdartige Begriffe und Momente Hinemgetragen sind. — Stellen wir nun nach dem oben festgesetzten Plane ad 4) die bisher gewonnenen Resultate als Kanon Jose ff zusammen, so ist derselbe —- den Penkat. haben Alle —: a) nach Eichhorn, dem sich de Wette und And. anschließen, die vier: Ps., Sprüche, Koh., H. 0. Die dreiz eh u: Jos., Nicht, und Ruth, Sam., Kön., Ehr. , Esra und Netz. , Esther, Jes., Ierem. mit Klägl., Ezech., Dan., XU, Hiob. — b) Nach Prideaux" die vier: Ps., Hiob, Spr., Hoh. Lied mit Kohel. Die dreizehn: Wie Eichhorn, nur Ierem. und Klagt, getrennt. e) Nach Oeder^: die vier Ps., Prov., H. L., Koh. Die dreizehn: -ft =6; *rt=4; Hiob, Daniel, Ruth oder Kraglieder (eins von diesen verbunden). Die Uebrigen ausgeschlossen. (Fortsetzung folgt.) 17) Bei Havercamp angegeben, die zwei Zählungen daselbst sind gleich. 18) Nach Muthmaßung; es kann aber nicht irgend wesentlich anders sein. Kurze biographische Skizzen aus der Gegenwart. Es ist bereits vielfach die Klage gehört worden, daß wir Israeliten des Sinnes für geschichtliche Anschauung entbehren, daß wir in Bezug auf Sonderung von Zeiten und Räume noch die Naiveta't eines gewissen Urzustandes haben, veranlaßt durch den Talmudismus und durch die Haggadr, die noch immer den israelitischen Geist beherrschen. Die Richtigkeit oder Grundlosigkeit dieser Klage möge dahin gestellt sein, ein Apologet der Juden oder des Judenthums möge die Prüfung dieses harten Vorwurfs vornehmen; aber eine unbestreitbare Thatsache ist es, daß das jüdische Schristthum in dem ganzen Zeitraum von 1800Jahren lange nicht so viele Geschichtswerke (— selbst wenn man die erbärmlichsten Chroniken mitrechnet —), als sie Werke über crp nobn producirt, woraus freilich hervorzugehen scheint, daß den Juden D'T wichtiger war als die geschichtliche Wissenschaft. Auch in diesem Punkte sucht nun die neue Zeit die alte zu sühnerr, in den verschiedensten Richtungen wird das geschichtliche Bewußtsein geweckt und belebt und dr die Biographie einen Thei l! der Geschichte bildet, so ist es billig, auch dieser einige Auf- : merksamkeit zu schenken. Da jedoch diese Skizzen aus der Gegenwart entnommen sind,, so halte ich es für paffend, blos dürre Skizzen und Data zu geben und alle panegyrischen Spuren, alle lobenden oder tadelnden Beschreibungen fern zu halten. Die Männer der Gegenwart aber, welche durch That und Schrift innerhalb des Judenthums für dasselbe gewirkt, werden hierbei höflichst ersucht, durch Mittheilungen über sich selbst die Verbreitung falscher Daten oder die Mangelhaftigkeit kn Aufzählung der Schriften und Handlungen verhüten zu wollen. Ich beginne mit diesen Skizzen, wie sie sich darbieten. I. Dr. M. Letteris. L. geboren im 1. 1804. Sem Vater Gerson, k. k. prkv. Buchdrucker in Zolkiew in Galizien, stammt von einer Familie in Amsterdam, deren Ahn, eqtiq eine Buchdruckerei alldort befaß, welche unter dem Schutze König Sobiesky's von Polen , nach Zolkiew überffedelte und somit als die erste hebräische Buchdruckerei in Galizien betrachtet werden kann. M. L. wurde von seinem orthodoxen Vater ausschließlich, wie gewöhnlich, dem Talmudstudium gewidmet. Im Bibelstudium aber, namentlich km historischen Theil desselben, unterrichtete G. selbst feinen Sohn, und legte somit den Grundstein zu dem künftigen literarischen Triebe seines Sohnes. — Merkwürdig bleibt es, wie L. seine Erholungsstunden, in einem Alter von 8—10 Jahren zubrachte, nämlich mit der anziehenden Lektüre des eines in episch-dramatischer Form abgefaßten historischen Romans, dessen Hauptpersonen Joses, seine Brüder und zwei egyprische Magier sind. Dieses wahrhaft poetische Werk, dessen Inhalt L. bereits aus einer schlechten Verdeutschung bekannt war,