Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 40 (6.10.1849)
- Date
- 1849-10-06
- Page
- Spalte 627-628 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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627 Studien» Der Bibelkanon des Fl. Iosefus. 628 mud und besonders in dem daselbst sich befindlichen Traktate des Maimuni"!!! — Kindliche Einfalt! Auf historischem und archäologischem Gebiete zeigt sich Hr. Fr. eben als solch ein gediegener, unfehlbarer Kenner. So beweist er S. 101—2 aus Hesekiel 31, 8 und 32, 30: „daß die Beschneidung bei den Egyptern eine uralte Sitte sek, und daß Abraham, wie es scheint, von daher feine Kenntniß dieser Operation erhalten habe;" — an und für sich beweist diese Stelle wohl eher das Gegenlheil von dem, was bewiesen werden sollte; dann aber verräth, wie es scheint, der Schluß von Hesekiel (an 600 Jahr vor der gew. I.), Herodot (500 I.), Diodor (100 Z.), Iosefus und Philo auf Abraham (an 2000 Jahr!) eine bedeutende Leichtfertigkeit im Schließen. Das Zeugniß von Origines aber, worauf besonderes Gewicht gelegt wird: „der, als ein Gelehrter und in Egypten selbst Geborener als authentisch gilt" — hat für uns um so weniger Geltung, als dieser Kirchenvater aus dem dritten Jahrhundert — der ja auch der Beschneidung die Kraft des Exorcismus beilegt — wohl verschnitten, aber nicht beschnitten war. Von der säubern Art, wie Hr. Fr. schließt, liegen uns noch bessere d. h. schlechtere Beweise vor. 1. 154. „Uebrigens mußte dieses Laster — Paederastie — sich unter den Juden verbreitet haben, weil Moses die Todesstrafe darauf setzte". — 1. 156. „Und deshalb ging nun. auch Moses Sorge dahin, daß diese Unzucht (Sodomie) nicht in seinem Wolke Wurzel fasse, und die strenge Strafe laßt vermachen, daß dieses Laster unter den. Israeliten viel Eingang fand." — Warum schließt Hr. Fr. nicht auch S. 157, wo er mit vielem prunkenden Gelehrtenkram erzählt: daß in Griechenland, die Bildsäule, die umgefallen war und einen Menschen erschlagen hatte, in das Meer geworfen wurde, — daß diese Mordfiecht bei den griechischen Bildsäulen „viel Eingang gefunden" und sehr „verbreitet gewesen?" — Von Moses ist Lüge und Falschheit verboten, besonders aber bei den Juden das Laster der Verläumdung streng bestraft, und gerade deshalb auch weniger kultivirt worden, wie bei den deutschen Gelehrten, die namentlich den Luden gegenüber, sich ungestraft Alles erlauben dürfen. — h 209 finden wir wieder den geistreichen Schluß: „So erhellt doch so viel daraus, daß der Aussatz unter den Israeliten, als sie aus Egypten zogen, sehr verbreitet gewesen, da Moses so sorgfältige und strenge Gesetze gegen diese Krankheit gab." U. 152. „Da in den ältesten und neuesten Zeiten die Selbstbefleck'ung unter den Juden sehr eingerissen war, was sich aus den vielen und strengen Gesetzen, die in den rabbinischen und talmudischen Schriften gegen die Onanie gegeben werden, entnehmen laßt." — II. 167. „Uebrigens mußte das Entmannen bei den Israeliten nicht selten vorgekömmen sein, weil sich Moses veranlaßt sah, das erwähnte Gesetz dagegen zu geben." Nach dieser geistreichen und ehrlichen Art Schlüffe zu sabriciren, könnte man eben so gut, das sehr häufige Vorkommen der Pest in Oesterreich z. B. daraus folgern: da in Oesterreich die Kontumaz-Anstalten sehr streng sind, in der Türkei dagegen nicht. — Daß hierbei von keinem gewöhnlichen Sichfahrenlaffen bei Hrn. Fr., der, nach Arc manches deutschen Gelehrtentum nur seinen Citatenkram an den Mann zu bringen, sich weiter nicht viel daraus macht, ob feinem Mbenmenschen Kränkung und offenbarer Nachtheil daraus erwächst — die Rede sein kann, sondern daß wirklich Bosheit und Gefinnungsschlechtigkeit zu Grunde liegt, erweist schon die Wahl seiner Gewährsmänner. Z. B. I. 194. „Diestr Jehova war ihr Nationalgott". •— Ghyllany: die Menschenopfer der alten Hebräer. — Dieses berühmte in seiner Art einzige Werk wird auch 1. 208 citirt, „daß die Israeliten mit dem Aussatz behaftet gewesen." Einen vollständigen Beweis aber,, wie der Judenhaß blind und urtheilsunfähig macht, den Hr. vielleicht mit Nutzen bei einer etwaigen neuen Auflage „meiner allgemeinen Diagnostik der psychischen Krankheiten", oder „meiner Theorie der psych. Krankheiten" anführen kannte — liefert folgende Stelle. II. 126. „nach Einiger Ansicht soll die Beschneidung als Ersatzmittel für das ursprüngliche Menschenopfer gelten, welche Ansicht auf historischem Wege folgendermaßen von» Ghyllany entwickelt wird. 129. „In sehr vielen Gemeinden wird die abgeschnitterw Vorhaut verbrannt und dieses Verbrennen deutet offenbar auf ein .Opfer." (!) „Ferner führt auf die alten Menscheuopfer und auf den Genuß des Mmschenblutes bei diesen Opfern der überall übliche Gebrauch zurück, den Mund voll Wein zu nehmen und dem Kinde das Blut aus der Wunde zu saugen." — Für Ghyllany, den deutschen Philosophen und modernen Kritiker, ist diese Art der Beweisführung sehr passend. Obzwar ihn einige Ueberlegung, wie ton Sktea: und Meister einer eigentlichen, wissenschaftlichen Kritik, Spinoza, trotz seines kritischen Zermalmens des alten und politisch vorsichtigen Schonens des neuen Testamentes, und seiner genauen Kenntniß des Judenthums von den Menschenopfern nichts weiß, die Unwahrheit seiner Behauptung hätte dartt)un können; so braucht ja so ein moderner Kritiker nicht zu überlegen und nur das Gefasel seines Gottichs recht laut und breit auszuposaunen. Es dürste ihn gar dem gewünschten Ziele entweder Redakteur einer vselgelesenen Zeitung oder Professor der Philosophie an einer deutschen Universität zu werden, näher bringen. (Fortsetzung folgt.) Ueber den Bibelkanon des Fl. Iosefus. Erst» Artikel. (Fortsetzung.) ad 2. Die obige Frage ist aber auch vorläufig die unwesentlichste, die Hauptsache ist: welche Bücher hat Iosefus in seinem Kanon, welche sind sein e 22 Bücher?