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Der Orient · 1849-10-06 · Heft 40 (6.10.1849) · p. Seite 179

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 40 (6.10.1849)
Date
1849-10-06
Page
Seite 179 (sequence 5)
Language
German
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179 entwickelt. . Die Waffen aber, mit denen man kämpft, sind —- wie ich Ihnen schon das vorige Mal geschrieben — auf der einen. Seite Eigensinn , auf der andern Hartnäckigkeit, hier krasse Ignoranz, drüben schnöde Arroganz, hier blöder Dunkel und Ehrgeiz, drüben blinde Modesücht und eingebildete Ucberlegenheit an 'Intelligenz und Wissen. — Es wäre zn wünschen, daß die Regierungen sich der bevorstehenden Wahlen annehmen und dieselben durch eigene Kommissarien wollten leiten lassen. Wir hoffen sogar, daß dies geschehen wird. — Aus Posen habe ich Ihnen weiter Nichts mitzutheiten, als-daß imdortigen Brudervereinstempel am vorletzten Sabbat (ffüD)^) der Reformgenossenschafts- Prediger von Schneidemühl eine Gastrolle gegeben, d. h. eine Ga'stpredigt abgehalten hat, die ihm ziemlichen Beifall geärndtet haben soll. — ' - j- In L i ssa sind die Gemeinde-Wirren noch verwirrter geworden, als sie es je gewesen. Hier giebt es eben so wenig einen prinzipiellen Kampf, als in den! Gemeinden des Netzdistrikts, von denen vorher die Rede gewesen. Es heißt zwar, man streitet um die heiligen Interessen der Gemeinde, in der That aber gebraucht mail die Gemeinde nur als' Vorwand, um sich hinter demselben desto. ungestörter persönlich angreifen, persönlich, injuriren zu können. — Seit anderthalb Jahren sist das Li ssa er Wochenblatt zum Federkampfplatz der! jüdischen 'Parteien geworden, und wahrlich! es ist ekelhaft zu sehen, wie man sich hier gegenseitig mit Koth bewirft, gegenseitig mit verunreinigtem Wasser bespritzt, i ttm zu zeigen, daß mau einer Partei angehört und im Staude ist, einen schlechten Aufsatz zu schreiben. — Sie fmlcu. in L. eine gewisse Partei, oder richtiger eine gewisse Fraktion, die sich Allem opponirt und gegen Alles protestirt, was nicht ihrem eigenen Schooße entwachsen; mit dem Gifte ihrer Zanksucht begeifert diese Clique Alles, was ihr selbst gerade nicht in den Kram paßt, mit der rafsiuirtesten Schlauheit unterwühlt dieseMaulwurfSbrnt jedes Bischen Boden, worauf Airdere den Saa-; men des Fortschrittes zu werfen für gut befunden. Und wie können Sie irgend etwas Gutes erwarten, wo solches Unkraut wuchert? — Erlassen Sie es mir, mich heute in die Details' einzulaffen; es könnte Ihre Lestr ermüden und mich zu sehr angreifen. Beides will ich; verhüten, das Erstere aus Achtung vor Ihrem Publikum, das Andere aus Besorguiß für mein Gemüth.; W o l l st e i 11 hat Eines seiner tüchtigsten Gemeindemitglieder eiugebüßU Am 3. d. M. ist daselbst der Kaufmann. Friedmann während einer Session des Stadtverordnetenkollegiums, dessen Mitglied er gewesen, eines plötzlichen Todes gestorben. Friede seiner Asche. — Ueber veruuglückte Reformbestrebungell in einzelnen Gemeinden des Posen er Bezirks, wie desjenigen , in welchem^ ich' mich früher aufgthalten, sollen Sie nächstens ausführliche Berichte erhalten.' -^-W— 5) Wir sind sonst gegen alle und jede Wahlbeschränkung und haben aus diesem Grunde auch an den Wahlen des 17. Juli nicht Theil genommen. Allein die Wahlen , um die es sich hier handelt, Müssen beaufsichtigt und sogar beschränkt werden, wenn aus ihnen überhaupt was Ordentliches werden soll. — Vieljährige Erfahrung berechtigt uns zu dieser Aeußerung, die wir bereit find, vor Jedermann zu verantworten. ' ' '.~ ' " '' ' Der Dorfgeher. Von Leopold Kompert. (Fortsetzung.) Minuten lange ruhte Channa's Auge auf. dem Gastk „Seid Ihr ein so guter Jud'," begann sie, „und wünscht sp was,, so verdient Ihr auch, was ich für Euch thun will." , „Kommt her, man Sohn," sprach sie mit wunderbarer Regung, „ich will Euch auf einen Augenblick so heilen und will mir vorstellen, Ihr seid mein Elije. Dagegen kann Gott Nichts haben, daß man einem fremden Menschen Segen gibt. Kommt her, ich will Euch segnen!" Das Haupt gebeugt, die Hände seiner Mutter darauf, empfing Emanuel ihren Segen. Und Benjamm's Gesang schallte noch lange in den Sabbath des Ghetto's hinaus, als der heimgeührte Sohn noch vor dem Hause seines Vaters stand, ein Nachtgebet auf den Lippen, wie noch keines zu den Sternen des Himmels gestiegen! > Nachschrift zu obigem Brief. Nur noch diese Rache laß mich hier weilen, Clara, ich gehöre dann Dir, Deinem Glauben und Himmel für die Ewigkeit an. Nur noch diese eine Nacht! Ich habe nun Alles erlangt, weßwegen ich Deiner Augen Licht auf so lange Zeit mich entzogen, ich habe meine Eltern, Geschwister und Heimat gesehen; ich habe den Segen meiner Mutter empfangen riud könnte nun ziehen und thue 8s doch nicht. Nur noch diese eine Nacht. Ich fühle, mein Bleiben in der Heimat hängt mit Fäden zusammen, die ich längst abgeschnitten glaubte, ich habe hier noch etwas zu Verrichten, wovon ich mir keine Rechenschaft oblegen kann. -J Meine Eltern will ich Dir schildern, aber nicht kn diesem Briefe, er müßte erröthen darüber, daß ich eine Welt, von Poesie, auf zwei oder drei Blattseiten bringen will. Dazü brauche ich Zeit. Lebewohl. Kern Schatten von Furcht oder Sorge gleite über das Antlitz meines Lebensengels. Wie viel ich Dir und Deinem Vater schulde, weiß ich nur zu gut. ' Daß ich diesen Brief schreibe, ist ein ganz mittelalterlich ritterliches Wagniß, für das mir die Dame meines Herzews den zärtlichsten Preis mmhängen sollte, es ist ein Abenteuer rr la Lindwurm oder Drachen. Ich schreibe ihn nämlich mit-, ten unter schlafenden Bettlern, und eine ausgelasierre Fliege hat nur über irgend einer Nase etwas schwerfälliger zu werdest, so ist der Lindwurm erwacht und speit Gift gegen mich^ Ent^ weihe ich nicht den Sabbath? Und doch, schon wegen der acht' und zehn Häuser', die mich von^meinen Eltern trennen, sollte ich ihn nicht profaniren. Ich bin wie ausgetauscht. Unmöglich können wir unseren „Gast" auch am folgenden Lag, der der eigentliche Sabbath ist, aus dem Ghetto ziehen lassen. Wie wollte Emanuel das auch anstellen? War er unsichtbar, um aus der Schlafstube, sein Gepäck auf.dem Rücken, den Wanderstab in der Hand, mitten aus dem drohenden

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