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Der Orient · 1849-09-29 · 39 (29.9.1849) · p. Spalte 621-622

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
39 (29.9.1849)
Date
1849-09-29
Page
Spalte 621-622 (sequence 7)
Language
German
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622 Studien. Literarische Miscellen 621 tionaldichtung. Die Angelpunkte der Dichtungen jener Erwarrungszeit sind theils glühendster und bitterster Haß gegen Babel, als die Zwingherrm der Juden, Haß und Spott gegen die tyrannischen Herrscher aus dem Chaldäervolke, tbeils frohe Aussichten und Hoffnungen auf eine glänzende Zukunft der Juden, wo die Chaldäer und überhaupt die Heiden als Knechte der Juden dem Volke Jehovas einverleibt und zu dessen Religion der Wahrheit sich bekehren werden , und diese Doppelfarden, in erhabenen Bildern der Prophetie vorgetragen, sind die bezeichnenden Merkmale jener außerheimathlichen nationalen Poesie. Zwar war die große jüdische Masse in der Zerstreuung für diese Gefühle der nationalen Erhebung abgestumpft; die Heimath aufgebend und vergessend, gab sich der große Troß sogar der Sprache Babels hin; allein der Adel und die Größe eines Volkes war von ewigen Zeiten her immer nur durch einen auserwählteren Theil reprcisentirt, und ein solcher war es auch bei den Juden in ihrem Exil. Es treten nun folgende Dichter auf: 1. Der erste Dichter über Babel (540). a. Unter der Überschrift ttWü d. h. Spruch über Babel, besitzen wir noch (3>ef, 13, 2—J4, 23) eine ausgezeichnete kleine Dichtung eines unbenannten Dichters, den wir in Bezug auf noch andere Dichtungen jener Periode, die ebenfalls „Spruch über Babel" überschrieben sind, den „ersten Seher über Babel" nennen, weil er uns als der erste dieser Dichter erscheint. Die Dichtung fällt in die Zeit als Cyrus mit seinem, die vereinigte Macht der Meder und Perser repräsentirendm, aus vielen unterworfenen Völkern bestehendem Heere von den Bergen von Elymais, nämlich von dem Gebirge zwischen Gyndes und Tigris, gegen die Residenz Babylon heranrückte. Die Schrecken dieser Kunde in Babel, da der Hochmuth der Perser und der wildherzige und uncivilisirte Zustand seiner Volker, namentlich der Meder, die das Leben ihrer Feinde sich mit Geld, das bei ihnen keinen Werth hatte, nicht abkaufen ließen, veranlaßte die Fremden und Ausj lander, welche in dieser großen Handelsstadt verweilten, zu; fliehen, weil von dem anrückenden Feind keine Schonung zu erwarten stand, und unter diesen Eindrücken, die gänzliche \ Zerstörung der Hauptstadt voraussetzend, schrieb der Dichter seinen Seherspruch. Aber der Dichter, in seinem glühenden ) Hasse gegen die Zwingherrn der Juden, hatte mehr Babylon? angewünscht als über dasselbe nach Abschluß seines Spru-! ches wirklich gekommen ist; denn Babel wurde von Cyz rus nicht zu einem schauerlichen Ruinenhaufen gemacht, da j er nicht nur die Wohnungen, sondern sogar Pforten und i Mauern unversehrt ließ und erst Dacius Hystaspis die Pforj Len zerstörte. Eben so erwies es sich als Dichtung und nicht als Wahrheit, was der Dichter mit geißelndem Spotte über das traurige Ende des Rabonned (25—42) sagt, während Cyrus ihn doch gütig ausnahm, ihn als Statthalter nach i Karamcrnien schickte, wo er in stiller Ruhe seine letzten Tage verlebte. b. Was den Inhalt dieser Dichtung anlangt, so hat er die oben erwähnten, zwei Eigenthümlichkeiten der Dichtungen jener Periode. Zuerst (v/1^21) werden die Schrecken der bevorstehenden Eroberung Babels, gleichsam «als Gerichtstag Gottes, in ergreifenden Bildern geschildert, die Juden zur Unterstützung des anrückenden Cvrus aufgefordert und malerisch die Verödung Babel's vorhersagend beschrieben^ Dann (22—24) werden die National-Hoffnungen dargestellt, indem Deportirte nicht nur vom Sklavenstande als Btfreiete werden heimkehren können, sondern sogar als Herren die Bedrücker beherrschen und zum Monotheismus herüberführen und in dieser prophetischen Zeit der Ruhe, welche der Dichtet Voraussicht und als mit der Eroberung beginnend sich denkt, läßt er das jüdische Volk ein beißendes Spottlid (25—4!) auf Radon ned, den letzten chaldaischen Herrscher über Babylon anstlmmcn, woraus dann noch einige allgemeine Sehersprüche über Babel (42—44) folgen. 11. Der zweite Dichter der Erlösung (540)* Etwas spater als der vorangegangene Dichter trat ein anderer mit einem tOD „Spruch über Babel" auf, wovon'ein kleines Fragment (Jes. Kap. 21, ii—10) noch erhalten ist. Die Perser hatten die Gebirge von Elymais bereits verlassen und waren in die große Wüste/die nach Osten an Susiana grenzt, gekommen, woher sie auf die Hauptstadt des Chaldäerreichs zueilen. Der Dichter ist bei dieser Gelegenheit nicht theilnahmlos; ec fordert die bei Gelagen schwelgenden chaldäischen Magnaten auf, sich noch, einmal zu ermannen und eine Feldschlacht zu wagen, und diesem Aufrufe leisteten die Chaldäer auch Folge und wagten noch eine FeLdschlacht, in der sie aber unterlagen, und unter diesen Eindrücken schreibt er seinen Seherspruch nieder, den Untergang des Chalda'erreiches verkündend. Schon in dem kurzen Fragment zeigen sich beim Dichter drei Momente, nämlich Ankündigung einer bevorstehenden Verwüstung der Stadt und der eigenen Schrecken über die Ungewißheit des Schicksals der Juden, Aufforderung zum Kampf und endlich die erwartete Ruhe und Erlösung der Exulanten, und diese Momente mögen vom Dichter weiter ausgeführt gewesen sem. Aphorismen. 18. Zm Midrasch Rabba zu Vajilra fot. 131, col. L heißt e§: WD nms n? wozu J'de Mosche n'tPÖ N1W1D HfiCfD ^Dn pl "]n6d Nnpj wo dvidh in? piüöD ppnDU (vergl. oben S. 333). Das ppntDU bezieht sich nur auf den ersten Theil, denn Metatron Sar Hapcmim kann nicht durch ppnüü (nataricum, davon nolaria das Mbreviren betreffend) , sondern durch ron zu n&nD gebildet werden. Schalere Schriftsteller haben zuweilen beide Begriffe miteinander verwechselt, vergl. hierüber die Schrift meines Bruders Abr. Lewysohn DDrtfD mpn §. 38, S. 68. — Uebec die Verwechselung des und $ siehe oben S. 301; ich füge hier noch hinzu nitfUD und WUND Berach. 57 a. —

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