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Der Orient · 1849-09-29 · 39 (29.9.1849) · p. Spalte 613-614

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
39 (29.9.1849)
Date
1849-09-29
Page
Spalte 613-614 (sequence 3)
Language
German
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614 Stadien. Historische Notizen über die Juden in Kurland 613 vorgetragen worden ist und was sich aus der S teile selbst darüber ergiebt. »4 1. De Wette sagt: (Einl. in d. A. L. §. 10. S. 10 der 5. Aufl.) „die.von Josefus her bei den Christen, nie aber wohl bei den palästinischen, kaum bei den griechischen Juden übliche Zahl zwei und zwanzig ist dem Alphabete nachgekünstelt" u. s. w. Ganz entgegengesetzt behauptet Eichhorn (Einl. §. 6; Bd. L S. 46 4. Ausg.). „So wie die Griechen ihren Homer — nach der Zahl der griechischen Buchstaben — so theilten auch die Juden Ln den altern Zeiten ihre heiligen Schriften — in 22 Bücher ein. Aber bald nach Chr. Geb. rückten die Juden theils aus Grillenfängerei * Lheils um es dem griechischen in der Konsonantenzahl gleich zu machen noch zwei Jod in ihr Alphabet, und seitdem rechnete man auch 24 Bücher." — Diese entgegengesetzten Meinungen sind von den Verfassern nicht weiter motivirt. Fürst (LI. siehe ob. Anm. 2) geht einen neuen und mittleren Weg, er sucht zu beweisen, daß die Zahl 22 der jüdisch-hellenistischen Richtung, die sich später in dem Christenthum aufgelöst, 24 aber der judäisch-nationalen angehöre. Ich kann aber den Beweis, den F. für diese Behauptung aufstellt, durchaus nicht für voll gelten lassen. Er geht nämlich von dem Satze aus, daß die beiden genannten Richtungen verschiedene Benennungen der heil. Bücher gehabt hätten; die Hellenisten nach dem Inhalt (Genesis, Exodus rc.) die Judäer nach den Anfangsworten.o Es kann zugegeben werden, daß wir in dieser Verschiedenheit der Namen zwei Richtungen vor uns haben, es liegt das auch ganz nahe 7— denn was sollten des Hebräischen Unkundige mit dem Namen rWNiD rc. anfangen? — aber nun schließt Fürst weiter: da die dem Hellenismus entstammenden Kirchenväter die hellenistischen Namen haben, zugleich aber auch die Zahl 22, die Juden aber die andern Namen und die Zahl 24, so muß oder wird auch die erstere Zahl der hellenistischen, diese der judäisch-nationalen Richtung angehören. — Wo ist aber da der Zusammenhang? Zweierlei Namen mußten sich bei Hellenisten und Juden bilden, aber warum auch zwei Zählungen? Fürst meint so argummtiren zu können: die Hellenisten haben darum 22, weil sie sich an die Buchstabensymbolik halten, die Juden 24, weil sie andere Symbole dafür fanden. — Aber können die Juden auf die so nahe liegende Buchstabensymbolik nicht ebensogut gekommen sein als die Hellenisten? Wo haben wir ferner einen Beweis dafür, daß die Juden immer 24 Bücher gezählt haben? Die Zeugnisse dafür (zuerst Baba Batra fol. 13) sind jung; die jüdische Symbolik für 24 (die Stel- *) „Sie hielten es für etwas Großes und Wichtiges, wenn selbst in ihrem Alphabet der Name Jehova mittelst dreier Jod [namlicfj «ni] zu finden wäre, durch welche ihn die späteren Juden auszudrücken pflegen". (Anmerk. Eichhorns.) Woher er dies geschöpft, habe ich bis jetzt nicht finden können. 9) Es kann zu dem Bekannten noch hinzugefügt werden, daß Origen es für die Bücher der Kön. ovctfiii8%£% dttßid (m ibom) als jüdische Namen angiebt; Hieron y m u s hat Melachim. len stehen bei Fürst'; es sind späte Midraschim) noch jünger. Wie nun, wenn wir die Sache umkehrten und annähmen: 22 gehöre ursprünglich der jüdischen Richtung nach den 22 hebräischen Buchstaben; 24 der hellenistischen nach der Zahl der griechischen? Will man für d ie s e Hypothese einen Beweis? Hieronymus sagt im prol. galeat. das hebr. Alphabet hat 22 Buchstaben, daher haben sie (die Juden — F. klammert freilich „hellen." vor Juden ein* — 22 Bücher; Einige aber zählen 24, „welche in der Zahl der 24 Greise in der Apokalypse (4, 4. 10) angedeutet sind"" 3<.; wo ist wohl da das Jüdische und wo das Hellenistisch- Christliche? Der unbefangene Leser wird aber einsehen, daß Kirchenväter einer- und Lalmud und Midraschim andererseits für Josefus Zeit wenig beweisen, daß mithin aus allem bisherigen noch kein haltbarer Beweis dafür zu schöpfen ist, welcher Richtung die 22 und welcher die 24 eigentlich angeboren; ja nicht einmal dafür, daß wir hier überhaupt zwei Richtungen vor uns haben. Kehren wir also zu Josefus zurück. Fürst sagt: „So sehen wir diese Zählung von 22 h. Büchern durch die ganze jüdisch-hellenistische Richtung (Septuaginta, Philo,* 11 Josef) und bei allen ihren Epigonen (Melito, Origims u.)",. er wirft also Josefus ohne Weiteres zu den Hellenisten. Wir werden später die Frage, welcher Richtung Josefus angehöre, so erschöpfend wie hier möglich behandeln , denn es hängt die ganze dogmatische oder Dogmengeschichtliche Brauchbarkeit und Bedeutung dieses Schriftstellers davon ab, und brechen hier ab; man wird gesehen haben, daß die Frage nach dem Werhättniß der 22 zu den 24 noch nicht spruchreif ist. (Fortsetzung folgt.) Historische Notizen, die Juden itt Kurland betreffend. Mitgetheilt von R. I. Wunderbar. (Schluß.) Es wird hier auch füglich am Platze sein, einige Individuen nicht israelitischer Konfession, welche auf das ') pcft ist hier offenbar in Widerspruch mit seiner eigenen Annahme. „Sie zählen 22 Bücher, das erste nennen sie Beresith wir Genesis rc." sagt Hieron., wer nennt es SSmfUl)? nach F.'s eigner Annahme die Judäer, wer zählt also 22 Bücher? — 10) Diese Worte haben die älteren Jsagogiker weggelaffcn, die Späteren schrieben Einer den Andern aus und sahen im Hieran, nicht nach, daher hat sich Niemand an diese Worte gestoßen. 11) Daß die LXX zwei und zwanzig Bücher habe ist durchaus nicht zu erweisen, man kann 2t, 26 und 26 zähleq, 22 aber am wenigsten; Phrlo hat gar keine Zahlangabe. S. Anm. 13» 39

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