Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-09-29 · Heft 39 (29.9.1849) · p. Seite 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 39 (29.9.1849)
Date
1849-09-29
Page
Seite 175 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2360092-2360580-2360620--6905-3535275
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

175 für Me Rückkehr des Landesfürsten, und die israel. KirchenbehSrde hat ein Dankgebet verfaßt, das die tramigeKatastrophe der letzten Zeit abspiegelt. U nga rn. Pesth, 6. .Septbr. Au demselben Tag, an wel-- chenn wir die Ankunft des Armeeoberkommandanten begrüßten, würden- 16 der wohlhabendsten jüdischen Bürger Altofens gefänglich eingezogen. Der Hergang.der Sache ist folgender. Wer Altofen mit seinen 200 jüdischen Familien kennt, dem leuchtete gleich von Anbeginn an die Schwierigkeit ein, die ihnen auferlegte! Kriegssteuer mit ihrem thatsächlichen Besitz in Einklang zu bringen. Seit mehren Jahren hat die hohe und niedere Geldaristokratie den jenseitigen Ghetto verlassen; wer nur irgend dm. hiesigen Zins erschwingen konnte, siedcLte nach dem frisch auflebenden Pesth über, um sich an der mächtigen Handelsthätigkeit der ersten Stadt Ungarns zu betheiligcn; nur das hausirende Proletariat und der sich kaum über dasselbe erhebende, von ihm seine Nahrung ziehende Mittelstand, hatte keine Wahl und blieb an den Wohnstätten seiner Ahnen zurück. Nehmen sie^diesen Leuten ihre gesammtebeweglicheHabe, nehmen sie auch noch ihre unbeweglichen Güter dazu, und sie sind noch nicht im Stande, die Kriegssteuer zu tilgen. Indem nun die in Altofen wohnenden Christen dieses Misverhältniß zwischen Soll und Haben ihrer jüdischen Mitbürger am Klarsten erkannten, so hielten sie es alsbald für ihre Pflicht, dem Armeeoberkommandautm eine richtigere Ansicht von der Finanzl.Gge ihrer israelitischen Nachbarn zu verschaffen, als es offenbar die gewesen sein muß, welche die Bestimmu ng der Kriegsstmer veranlaßt hat. Pesth und Altofen gleichmäßig besteuern, hieße dem ohnmächtig hinsterbenden Greis eine gleiche Last aufbürden, wie dem seiner Kraftfülle sich erfreuenden Manne. Dem zufolge ward eine entsprechende Adresse abgefaßt, und nachdem sie mit einer genügenden Anzahl von Unterschriften versehen war, einem Komitatsbeamten übergeben. Mochte es nun geflissentlich oder zufällig geschehen, der Termin der ersten Noknzahlung war lange verstrichen, FZM. Kempen hatte vergebens mit humaner Langmuth der Ueberreichung der in Rede stehenden Adresse entgegengefthen, als die Aulunft Haynaus jedes weitere Hinausschueben der laut Kundmachung angedrohten Strafe unmöglich machte. Frankreich. Perms, im September. * Durch ein Dekret des Presidenten der Republik vom 7. Aug., ist dem Kon- Dem-wieder erschienenen L’Univers Israelite entnoni men. D. E. sistorium bon Metz die Erlaubniß ertheilt, zwei Grundstücke im Werthe von 35,000 Fr. zum Nutzen jüd. Schuten zu akgueriren. — Nach dem Art. ,8 und 17 der organischen Gesetze vom 25. Mai 1844, wird die Erneuerung der zur Hälfte aus Laien bestehenden Central- und Departemental-Konststoricn im Laufe dieses Monats stattfinden. Der Austritt von 4 Mitgliedern aus dem Centralkonsistorimn wird durch Loosung erfolgen, und die Wahlen werden wahrscheinlich im Monat Oktober vor sich gehen. — Der Konsti tuti o uel sagt: Wir.theilen hier die Details mit, die wir als genau bezeichnen können, über die Arbeiten der mit Prüfung des Gesetzeseutwnrfs über den öffentlichen Unterricht niedergesetzten Kommission. Das OluTkouseil besteht aus 26 Mitgliedern, der Minister als Präsident, drei von den Kollegien ernannte Erz- und ein Bischof, ein protestantischer Geistlicher, ein Mitglied vom israelitischen C e n tr a l-K o n sistorium :c." Sollten sich diese Nachrichten bestätigen, so wurde derlobenswerthe Schritt des Centtal-Konfistoriums, um das Vergessen wieder gut zu machen, dessen Gegenstand unser Kultus tut gedachten Gesetzentwurf gewesen , mit großen Erfolg gekrönt. Es wäre aber zu wünschen, daß, anstatt unbestimmt ein Mitglied dieser Administratien zu bezeichnen, das Gesetz hier ausdrücklich sagte: Der Obcrrabbiner des Central-Konsistoriums der Juden. Kein Laie besitzt in der That ein solches Ansehen, um würdig das religiöse Element im Schooße des Konseilö vertreten zu können. — Die am Ende des Jahres 1845 vorgenommene Zählung jüd.. Einwohner in Frankreich ergicbt folgende Ziffer: Die Konsistorial-Cirkonskription von Straßburg 23,531 — — — Colmar 16,871 — — — Nancy 10,479 — — — Metz 8,071 — — — Marseille 3,958 — — — Bordcnur 3,500 — — — St. Esprit 2,500 — — — Paris 17,000 Im Ganzen 85,910 Diese Bevölkerung bewohnt die Departements des Nieder- und Oberrheins, der Obern Saone> der Mosel, der Mcurth, des Wasgaus , der Meuse, des Doubs, der Cote-d'Or, der Obern Marne, der Marne, der Seme, der Seine-Oise, der niedern Seine, des Nord, des Pas von Calais, der niedern Loire, der Charentedes Ministern, der Gironde, der Creuse, des Puy de Dome, der Landes, der niedern Pyrenäen, der obern Pyrenäen, der Garonne, des Ariege, der Drome, des Voucluse, des Gard, des Var, des Herold, der Loire, der Jsere, der Bouches, der Rhone, der Corsika. Man sieht demnach r daß unter 80 Departements 50 von Juden gar nicht bewohnt sind, und es selbst uuter den 36 bewohnten mehrere giebt, welche nur sehr wenige Juden enthalten; in Corsika z. B. finden sich nur 4 Juden, welche in Bastia ansässig sind. Die streng katholische Vendee, hat gar keine Juden, und in der Bretagne, eine ans 5 Departements bestehende Provinz, sind nur in 2 Städten, in Brest und Nantes Juden vorhanden. Die franz. Juden sind in 350 Ortschaften ansässig, von denen der Mederrhein allein 118 zählt. Die größten Gemeinden find: Paris mit 15,000;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.