Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1849)
- Date
- 1849-09-29
- Page
- Seite 176 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Bordeaux * 3000; Metz 2121.; Straßburg 2009; : Mühlhausen 1224; Marseille 1153; Nauey 1109; Samt-Esprit 101.2;. Hegenheim (Oberrhem) 930; Colmar 896; Bischheim (Niederrhein) 841; Hagenau (Nicderrhein) 826; Wintzenheim (Oberrheiu) 817; Lyon 797. — Inmitten der schweren Prüfungen, die die Welt seit den Februarbegebenheiten heimsuchten, hat die hier bestehende „Talmud-Gesellschaft" (rmri dV) keinen Augenblick ihre Arbeiten unterbrochen. Als alles moralische Leben mitten in seinem Laufe gehemmt zu werden, und im gesellschaftlichen Körper unterzugehen schien, hat sie ihr heiliges Werk ungehindert fortgesetzt. In ihrem Studium an das Ende des Traktat Sabbat angelangt, vereinigte sich die ,,Talmud-Gesellschaft^ am 14. August, nach altem Brauch, zu einem Banquct, zu welcher religiösen und wissenschaftlichen Feier sie die Oberrabbiner der Central- und Departe'mental-Kvnsistorien eingeladen. Hoffen wir, daß dieses Institut sowohl durch die Anzahl seiner Mitglieder wie durch die fromme Ergebung derselben, nach und nach sich befestigen, wodurch sie der pariser Judengemeinde den göttlichen Segen bringen wird, der den frommen Arbeitern an den'Weinberg des Allmächtigen von jeher zugesichert worden. — Das Central-Konsistorium hatte einen schmerzlichen Verlust zu beklagen; Raphael der Aelterc, eines ihrer hervorragendsten Mitglieder, ist in Folge einer langwierigen Krankheit, die anfangs keinen solchen traurigen Ausgang befürchten ließ, am 16. August mit dem Tode abgegangen. Repräsentant der jüd. Cireonskription von Bordeaux, wurde Hr. Raphael am 12. Juli 1834 für sein Amt gewählt, an die Stelle desHrn. Rodrigues des Aeltcrn, und sein Mandat fand drei neue Bestätigungen durch die Neuwahlen von 1838, 1841 und 1845. Er war ein gebildeter, bescheidener und versöhnender Beamter, dessen Handlungen alle das Gepräge aufrichtiger Anhänglichkeit an seinen-Glauben, feuriger Liebe zu seinen Glaubensgenossen' an der Stirne trugen. Sein Tod läßt eine, traurige Leere zurück, sowohl im Schooße des Konsistoriums als der pariser Zudengemeinde. Auf dem Grabe des Verstorbenen Raph. haben die Empfindungen der Israeliten der Hauptstadt würdige Dolmetscher gefunden an den HH.Großrabb. Ennery und Isidor und F ra n ck, Vieeprasident des Konsistoriums, welche dem Andenken des Gerechten den Tribut unserer Verehrung und unserer Betrübniß abgetragen. Hr. Raphael war 57 Jahre alt, er war Dienstältester in der hohen Verwaltung uusers Kultus. — Die Preisvertheilung in den jüd. Schulen fand am 30. Ang. unter dem Präsidium des. Maire des 7. Bezirkes statt. — Die durch den Hrn. Oberrabbiner zu Gunsten der. Choleraopfer in Paris veranstaltete Sammlung, hat circa 7000 Fr. ergeben, die Familie Rothschild betheiligte sich mit 2500 Fr. Die eine Hälfte dieser Summe wurde zur Unterstützung für unbemittelte Kranke verwendet, und die andere Hälfte ist zur jährlichen Vertheitung an die Waisen bestimmt. Ein solches durch den würdigen Hrn. *) Unter dieser Ziffer sind auch diejenigen begriffen, die in den nahen Ortschaften von Bordeaux ansässig sind. Rabbiner-'erlangtes Resultat' beweist wiederum, wie selbst solche traurige Geschicke und Zufälle, welche eben die Menschen plagen, nie beim Israeliten die Menschenliebe, schwächen können, welche von jeher einer der schönsten Edelsteine seiner unsterblichen Krone gewesen. — Beim Friedenskongreß, der in Paris abgehatten wird, fanden sich die Juden durch den rühmlich bekannten Hrn. Avigdor ans Rice vertreten. Er vertheidigte mit Eifer uufc patriotischer Begeisterung die Sache jener italienischen Freiheit , deren die zu unserer Religion sich bekennenden Italiener bis jetzt so wenig theilhaftig gewesen. Die Geschichte bietet aber so zahlreiche und traurige Blätter dar , um der Nachwelt zu zeigen, wie wenig gewisse Völker geleistete Dienste, die Ergebenheit und sogar das vergossene Blut des Juden zu würdigen wissen. Es ist nicht lange her, daß unsere Brüder, theilnehmend an der Expeditionsarmee nach Rom, mitgekämpft und ihr Leben geopfert haben, um an die Tiberuser eine Regierungsform wieder herzustellen, unter welcher unsere Glaubensgenossen immer die grausamste Behandlung zu erdulden hatten. Der Tod eines französischen Inden, der für Wiedereinsetzung des Pabstes gefallen ist, sollte nicht genügen, die Erbsünde des Ghetto auszurotten, und allen römischen Juden das Glück bürgerlicher und politischer Gleichheit zuzusichcm?—- Großbritannien. London, im Sptbr.* Der fromme und unermüdliche Pilger, der so oft dm Juden des heiligen Landes seine Protektion und Unterstützung brachte, Sir Mo ses Mon tefi or e, hat sich neulich wieder in jene entfernte Gegend begeben, wo seine Gegenwart durch Tausende feinet* Brüder als Trost, Hoffnung und Segen begrüßt wurde. "Den 26. Juni hat er Beyrut verlassen, um sich von dort nach Damaskus zu begeben, und gedenkt von dort am 8. Juli abzureisen, um Sephat zu besuchen. Seine Reise in Palästina wird unstreitig großen Einfluß üben auf die Verbesserung der Stellung der Juden, die dort immer noch eine prekäre ist. —- Es ist bekannt, daß der honorable Salomons, Alderman von London, an die Stelle des verschiedenen Patison, als Partammtskandidat für die Eite aufgetreten. — Der gelehrte Orientalist, Dr. Löwe, hat in der numismatischen Gesellschaft in London ein merkwürdiges Werk vorgetesen, das de>, Titel führt: Observativns ön a irnique cuiic goid coin, issued by Al-Aamir Beakheam Allah, Abu Ali Manzour ben Mustali, tenlh caliph of Lite lalimite dynasty. — Der Druck dieses Memoire's ist bereits bekannt. — *) Nach dem Onivers Israelifce. Briefkasten. Hrn. P. in L-—k: Eine Fortsetzung wäre mir erwünscht, doch kann ich keine Porto-Freiheit gewähren, da ein jüdisches Blatt ohnehin um seine Existenz zu kämpfen hat. Was für den einzelnen leicht erschwinglich, wird für eine Redaktion eine materielle Last. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.