Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 38 (22.9.1849)
- Date
- 1849-09-22
- Page
- Spalte 603-604 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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604 603 Studien. Historische Notizen über die Juden in Kurland. ~ Dieses vorang «schickt dürfte uns. folgende Mischna keine zu göoße Schwierigkeit darvieten. Nr. 6. „Sprach Rabbi Zehuda,^ wenn diesem also tfi" nämlich die Mischna Nr. 1 durch ihre Aufnahme der Meinungen ^12^ die Lehre ,,^-1 by imy DIN Nrp ttbtL', und die Mischna Nr. 2 durch , ihre Recipinmg der trumi p Lehre Tmn nn aN m HNT DNtf yfcy geben will) „wozu wurderr ausgenommen die Worte eines Einzelnen gegenüber denen der Menge, um sie ungültig zu machen?" (In Nr. 3--nämlich lesen wir nach den Worten Schammais und Hillets folgendes! '-01:3 ^soiT ntoEwn nj/ra mai 'W i«op n’pn: nr n:ra t*h) nt ■QiDTüfr Dura rrym ubwmw bnnnn m o-oan ispt nTDn m d'^dis uww. Zn dieser Mischna (Nr. 3) also sind die Aussprüche Schammai's und HiUel's ^2^ ausgenommen, wie in Nr. 1, ferner, da doch die. Dv>TVl eine ganz andere Lehre von Schemaja und Abtalion vernommen hatten, als Schammai — <-nach ftiner Aussage — und Hillel — nach seiner Aussage — ^welche Letztere ja ebenfalls '>1''^ .waren, so wird doch Schammai sowohl als Hillel den z^ e i Gardiim ge- -igenüber <da diese auch Zeitgenossen Schammai's und Hlllel's wahren) blos als Q^nDn p2 angesehen, welche Lehre hätten wir wohl daraus zu ziehen? Antwort! folgende Lehre - Nutzen. .»Wenn jemand (späterhin) sagen sollte: ich habe diese Tradition,.vernommen , so wird man ihm entgegnen können, du hast^den Ausspruch dieses oder jenes Mannes gehört." (d h. hätte der Redakteur der Mischna die Aussage HiUel's und Schammai's nicht ausgenommen., so könnte es leicht verkommen, daß in späterer Zeit jemand mit der Behauptung auftreten möchte, er hätte eine Tradition von Hillel sns pr) mpon HK O’QlNttf, ein Anderer wiederum könnte behaupten, eine Tradition von Schammai zu haben ■ntpün TIN D^DID T2p , diese würden einen Anhang bekommen, und es dürfte sich leicht ein bilden, so daß die Halacha nach einem von diesen entschieden werden möchte, während doch Schammai und HiUel sich hinlänglich widerlegt sahen, ihre Aussprüche also als d^lDU angesehen werden mußten, wie in Nr. i; auch sind sie ja von den W widerlegt worden, ihre Worte also als Tim n2“? DOnon «&u betrachten sind; aber durch die Aufnahme in die Mischna ist die llnglltigkeit für immer ausgesprochen worden. Es ist also hieraus auch die dritte ethische Lehre zu .ziehen: daß selbst eine widerlegte und verworfene Lehre nicht ganz der Vergessenheit übergeben werden darf (wenn sie nämlich von einem großen Mann herrührt); ihre Aufbewahrung hat, wenn auch keinen positiven, so doch den negativen NuHen, daß diese Irrlehre nicht von neuem als giltige auftauchen -können wird. — In jeder der betreffenden drei Mischna's also ist eine Rechtfertigung für die Verfahcungsw eise desMischna- Redakt., wie auch eine allgemeine Lehre enthalten. Rosenberg. Rabb. Dr. Levy. Historische Notizen, die Juden in Kurland betreffend: Mitgetheilt von R. I. Wunderbar. (Fortsetzung.) 6. Ahron Ho rwitz, welcher Rabbiner zu Hale«» poth in Kurland, so wie auch zu Skud war. DerselbeMar in Lithauen geboren, lebte aber eme Zeit lang in KönjgsHvg, und frequentirte auch die Jeschiba zu Prag. Er^gait loHt,1, , . 1 ■' j*fij35 i->3.v und bretc als nicht unbedeutende Autorität. So korrespo^ i bieten mit chm m religwsen Angelegenheiten der Rabbiner MM Königsberg, zu Danzig und .viele andere mehr.^ (verglich,ie>- von ihm herausgegebenen tewSn niM»D2 O'Wnn S. 7’;%bf‘ 16.) Die erste Ausgabe der Moses Mendelssohn'schen Bibel, so wie die bekannte Pksach-Haggada mit dem Kommentar pTft rV2 und viele andere OTOV sind mit seiner Approbation, die als Autorität galt, versehen, und ist dieselbe den gedachten Werken vorgedruckt worden — Außer seiner ^hiduschim, welche er nebst einem Anhänge, welcher diverse Diskussionen über Ehescheidung enthält, zu Frankfurt herausgaib, hat er Nichts veröffentlicht) doch soll er mehre Novellas über verschiedene Talmud-Traktate hinterlassen haben. In späterer Zeit wurde er von Hasenpoth -aus nach Berlin als Rabbinats-Assessor berufen, welches Amt er bis zu seinem Lebensende bekleidete Er starb daselbst im I. 1778 (rTbpn) Bemerkenswerth ist die in seinen gedachten Chiduschim vorkommende Notiz, wo ^es sich darum handelt, wie der Name, einer zu Hasenpoth die Scheidung nehmende Frau, welche Adelhaide (Tv6dn) hieß, im Heoräischen.l2.i zu schreiben sei; da nick nes Wissens dieser Name als. jüdischer nirgends in m1?^ vorkommt. — fc, 7. Simon SStumenfeCb t, genannt Simon Sofer, geb. zu Mitau 1760 und daselbst gestorben 1826, zeichnete sich als Talmudist sowohl, als auch vorzüglich wegen seiner seltenen Kunst im Feinschreiben auS. Er besaß die Fertigkeit, in allen möglichen Sprachen in so kleinen Schriftzügm zu schreiben, daß man sie nur mittelst eines Vergrößerungsglases zu lesen im Stande war; so schrieb er einst auf ein Stückchen Papier von der Größe eines Quadratzolles, 9 Mat das „Vaterunser" in lateinisch«r Sprache; ja er war im Stande auf eine mittelmäßige WeLinpapierkante, etwa auf' den Raum eines Haares, lesbare Buchstaben und Wörter zu schreiben. Ferner verstand er auch so ziemlich die Zeichenkunst, und war im Stande die Gcundzüge einer Person ohne Schwierigkeit mit Bleifeder zu skizziren^, welche er dann mit Versen und Sentenzen zu überziehen und auf diese Weise die wunderbarsten Schrift- Silhouetten zu liefern pflegte. Er durchreiste zu diesem..-Zwecke fast ganz Europa und hatte das Glück, selbst von gekrönten Häuptern berücksichtigt und belohnt zu werden» Für feine Majestät den hochseligen ruff.