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Der Orient · 1849-09-22 · Heft 38 (22.9.1849) · p. Seite 171

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 38 (22.9.1849)
Date
1849-09-22
Page
Seite 171 (sequence 5)
Language
German
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Die Judenverfolgung durch Hayn au. Ucbec btc neuerliche Judenverfolgung des Generals Haygau haben die österreichischen Zeitungen selbst ihre Entrüstung ausgesprochen und selbst die schwarzgelben „Lloyd" und ,,Preffe" wurden roll) darüber. Daß die französischen und englischen, Blätter nicht dazu schweigen, kann man sich leicht denken; die meisten sprechen dem Sinne nach, wie folgt: Der kaiserliche Oberbefehlshaber, Daran Haynaü, der doch angeblich im Namen des Rechtes und des Gesetzes die magyarische Nation bekriegt, hat durch einen Erlaß vom 19. Juli die Judengemeinden von Altofen und Pesth, gegen alles Recht und Gesetz, zum besonder« Opfer seiner sprichwörtlich gewordenen Grausamkeit ldie Italiener nennen ihn Hyäne von Brescia!) gemacht; aber es ist sein Verfahren nicht blos ungesetzlich, sondern auch unrirterlich, unpolitisch, und es hört im letzteren Betrachte auf, eine blose Judenverfolgung zu sein, sondern wird ein Gegenstand allgemeiner Betrachtung und Teilnahme, da die Machthaber Oesterreichs damit zeigenwie alle feierlichen Verheißungen gebrochen werden können, sobald man in den Besitz hinreichender Gewalt dazu gelangt ist. Die Juden sind ebensowohl durch den ungarischen Reichstags-Beschluß, wie durch die oktroyirte kaiserliche Verfaffung, bürgerlich den Christen gleichgestellt, und es gibt, politisch berrachtet, in Budapesih eben so wenig eine besondere Judengemeinde, wie cs eine besondere protestantische, oder griechischkatholische, oder muselmännische giebt, die alle nur religiösgemeinschaftlich gesondert sind. Die Juden haben mehr oder weniger Lheil am Nacionalkampfe genommen, in demselben Verhältnisse, wie die übrigen Einwohner der Schwesterstädte, denn sie haben, als jüdische Ungarn, dieselben Gefühle, Wünsche, Rechte und Pflichten,, wie die christlichen Ungarn; daß sie sich aber als wahre Ungarn und nicht wie ehemalige Kammerknechte des Kaisers betragen haben, das geht deutlich aus der Anklage und der Verfolgung vom 19. Juli hervor. General Haynau, die Verfassung, den Zeitgeist und die öffentliche Meinung mit Füßen tretend, behandelt die Juden wie im Mittelalter als kaiserliche Kammerknechte, als Schutzjuden für den Frieden, als vogelfrei für den Krieg und legt ihnen eine Strafe für ihren magyarischen Patriotismus auf, eine Strafe für ihr Streben, zu zeigen, daß sie nicht Kammerknechte, Schutzjuden und Fremdlinge, sondern echte Landesstinoer und würdige Bürger seien, und zwar eine Strafe, die nicht blos ihren Wohlstand zu Grunde gerichtet, sondern auch höhnendihre Gefühle verletzt« Sie sollen in .kürzester Frist eine von ihnen als feindlich turrachlete Armee mir Ungeheuern Vorrächen an Kleidungsstücken, Pferden rc. ausrüsten., und dadurch zu einem Aufwand, von n^hr als zwei Millionen Gulden CM. gezwungen werden! Die Anklage des Verfolgers lauter wörtlich: Die Juden hatten „durch mehrere Begünstigung und Unterstützung der Sache der Rebellen gegen ihren rechtmäßigen Kaisers" ein wahrhaft schändliches Benehmen an den Tag gelegt! Das heißt doch aber, aus dem Haynau'- schen in das rein Sittliche übersetzt, die Juden haben im magyarischen Pflichtgefühle und vaterlandsliebend ihre . christlichen Landsleute nach Kräften unterstützt, und sie verdienen deshalb von dem momentan herrschenden Feinde eben fo wenig Strafe, wie die christlichen Einwohner von Budapests, ja, dieser Feind, wenn er ritterlich und ehrlich ist, müßte gerade' die Juden wegen dieses Benehmens schützen, statt sie durch' Verfolgung auszuzeichnm! Allerdings gilt der Genera! Haynau für ritterlich, leider aber ist in seiner Handlungsweise gegen die Juden keine Ritterlichkeit zu gewahren! Denn hätten die Juden eine konfessionell befreundete Macht, wie bte: Protestanten eine an Preußen und England haben, gäbe es' in Europa ein Judenreich mit einem David oder Herodes an der Spitze, Hr. Baron. Haynau würde kein solches Verfahren eingeschlagen haben; gegen die wehr- und schutzlosen Juden dagegen ist es gefahrlos, sich. Alles zu erlauben; verbindet' man mit dieser Wehrlosigkeit der Juden noch den Umstand/ daß die juden feindlichen Russen ja jetzt in Oesterreich herrschen, und daß die leeren Staatskassen gefüllt werden müssen^ sei es auch auf Kosten alles göttlichen und menschlichen Rech-, tes, so wird man die Judenverfolgung wenigstens erklären,, wenn auch nicht entschuldigen können. Aber auch höchst uns; politisch ist diese Maßregel. .Denn nicht nur zeigt sie, wie. man das gegebene Vcrfaffungswort bricht, wie man unterrussischem Einflüsse steht, und wie man kein Mittel scheut, um Geld zu machen, sondern sie wird auch nothwendig Repressalien Hervorrufen und den Krieg zu jenem Grade von Grausamkeit führen, bei welchem England die willkommen? Gelegenheit ergreifen wird, Ungarn beizustehen, wie Palmerston in seiner Rede vom 21. Juli verha'ngnißvoll für Oesterreich angedeutet hat. Kossuth, der schwerlich die Wiener oder Prager Juden für ihren österreichischen Eifer so behandelt haben würde, Kossuth der wahrhaft ritterliche Magyar, wird die jüdischen Magyaren von Budapehst zu rächen, wenigstens zu entschädigen wissen, und das Zeugniß ihres aufopfernden Patriotismus aus feindlichem Munde wird sie ihm von nun an noch werther machen. Uebrkgens möge man wissen, daß die auferlegte Kontribution namentlich für die arme Gemeinde von Altofen unerschwinglich ist. Nachdem die Gemeinde durch den Krieg seit einem Jahre und durch das letzte Bombardement schrecklich gelitten, nachdem man ihr die Koffuthnoten, wie jedem Einwohner, weggenommen, soll sie nun eine Steuer von beinahe 700,000 Thalern entrichten! Den Greisen, Kindern und Weibern läßt man nichts übrig, als die Augen, um über ihr Unglück zu weinen, den Jünglingen und Männern aber wohl auch ein Herz und einen Arm, um magyarisch zu fühlen und magyarisch zu kämpfen. F. Lt.

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