Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1849)
- Date
- 1849-09-22
- Page
- Seite 170 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 170 Deutschlands vereinigte Staaten. Leipzig, im Ang. Da es unter den Israeliten jetzt auch eine Anzahl Geldgläubigergiebt, die ,,das Geld zum Baal",machen, wie jene alten israelitischen Geldsäcke, gegen welche die Propheten eiferten, so lassen wir hier, zur Beherzigung Aller derer, die auf die edlen Metalle schworen und die Geld-Taufe an sich vornehmen lassen, einen Aufsatz aus dem Altenburger Volksblatt folgen, der auf Christen und Juden seine Anwendung findet. Co gicbt einen Glauben, der Christeil und Juden vereinigt: es ist der Glaube an die beseeligende Kraft des Geldes. Der Aufsatz lautet: Eine neue Religion. In unserm hochgebildeten Europa kann man über Mangel an Religiosität gar nicht klagen; denn zu den bestehenden Religionen ist schon seit einiger Zeit eine ganz neue hinzugekommen, welche sich ganzaurderHöhe des Zeitbewnßtseins hält. Das ist die Religion der G c l d s a ck S m e:: sch en. Ihr G ott ist der a m nt c n, ihr Messias Rothschild, ihre Propheten sind die B ö r senspekn tanten, ihre Lehrer die meisten Zeitungsschreiber, ihr Gotteshaus ist die Bank und bie Börse, ihre Gottesverehrung der Erwerb ohne Anstrengung und blutige wie unblutige M e u sch e n o p se r, ihre heiligen Handlungen sind der Besuch der Börse und der Heulervereine, ihr Gebet ist: Heilig ist dos Eigenthum! ihre Anhänger sind die Mehrzahl aus den sogenannten besitzenden Klassen. Ihre Todfeinde sind die arbeitenden Klassen, und Jeder, welcher wenig oder nichts besitzt, ist in ihren Augen ein Ungläubiger. Ihr Kirchenrecht ist das Standrccht und das Kriegsrecht, ihre Thürsteher und Meßdiener sind die bewaffneten Diener der rücksichtslosen Gewalt, ihre Sachwalter sind die meisten bestehenden Regierungen. Man glaube nicht, daß ich scherze: es ist Ernst, blutiger Ernst mit dieser neuen Religion. Solch inbrünstiger Glaube, solch ein eifriger Gottesdienst ist noch nie dagewescn. Ich bin in den Tempeln aller möglichen Religionsparteien gewesen, aber selbst in den andächtigsten Konvcntikeln der Pietisten habe ich keine solche völlige Hingebung an die Sache, selbst mit Hintansetzung aller ander:: Dinge gefunden, als unter den Geldsacksmenschen im Bezug auf ihren Gott und ihre Religion. Sie verehren den Mammon und den Erlverb so ausschließlich, daß in ihrer Seele kein anderes Gefühl Platz hat. Was scheerett sie die Ideen der Freiheit und M e n sch e tt w ü rde, der Glei ch heit und B r ü d e rlichkeit, der Gerechtigkeit und H u m a n itat? Das sind ihneit Nebendinge im Vergleich mit ihren Glaubenssätzen. Und welcher Israelit kann sich denn rühmen,, daß die Glaubensartikel ihm so tief in Saft und Blut gegangen, so unauslöschlich seinem Gcmüthe eingeprägt waren, als den Anhängern der neuen Religion die drei Glaubensartikel derselben: 1) ,,Jch glaube, daß ,,hab' ich" besser ist als „hält' ich"; 2) .,Ich glaube, daß Niemand ein Mensch ist im vollen Sinn des Wortes, als wer mindestens 500TH1r. jährl. Einkünfte hat;" 3) ,,Jch glaube, daß Ruhe und Ordnung die erste Tugend und Bürgerpflicht ist?" Wie wahr sagt der tiefste aller Seelenkundigen: Es ist leichter, daß ein Kameel (besser übersetzt: ein Tan) durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Reicher in's Reich komme. Dies ist niemals so wahr geworden, als heutzutage. Was haben'wir-von dieser Menschenklasfi nicht alles erleben müssen?! Nachdem sie in 33 Friedensjahren unter der vollkommensten ,,Ruhe und Ordnung^'" Millionen armer ttnd redlicher Arbeiter bis auf's Blut und Mark cmsgefaugt und dem leiblichen Elend, wie der geistig sittlichen Verwilderung in den Nachen geschleudert haben, nachdem sie die Religion des Mam-, mons erfunden und die Religion den -leiblich und geistig Armen als einziges Erbtheil vermacht haben, so verrathen sie nun planmäßig des deutschen Vaterlands Freiheit, Einheit und Ehre. In:- März des vorigen Jahres haben .sie die Proletarier als Kanonenfutter vorgeschoben, um ihre selbstsüchtigen Zwecke zu erreichen, und nun, da diese den Lohn für ihre.Leiden und,Kam-,, pfismühen fordern, nun da sene einen Theil ihrer Zwecke erreicht haben, nun verrathen und verkaufen sie dieVorkämpfer für die Freiheit an die Todfeinde derselben. H i l l e l sagte: Was dir nicht lieb , thne Andern nicht. Auch hierin sind die Mammonsdiener den Israeliten ganz und gar entgegen. Sie schmeicheln und lobhudeln den Mächtigen, sie liebäugeln mit dem heuchlerischen Unrecht und der frechen Gewalt, sie spotten des Unterdrückten, sie höhnen den besiegten Gegner, sie schmähen ihn, wenn er ihrer geschont, sie verläumdcn, ihlt, wenn er sie mild behandelt, sic treten ihn in den Koth, wenn er sie mit Freundeskiebe beehrt hat. Niederträchtiger kann man nicht handeln, als die Verräthcr von Mannheim, von Elberfeld, Iserlohn. Karlsruhe, Dresden u. s/w. Denn wenn sie wirklich der deutschen Freiheit und der -Volkssache hätten bedeutende Opfer bringen müssen, so wäre ihnen schwerlich soviel, Macht geblieben , um die Volkssache zu verreiben. . Wie schonend hat die Volkspartei, so lange sie siegreich war, diese Elenden behandelt, und wie gemein begeifern und verrathen sie jetzt ihre großmürhigen Feinde. Wo ist nur ein Funke von Seclenadel in diesen Krämerseelen? Wo ist nur eine Spur von großartigem Aufschwung in diesen verkommenen. Menschen? Wo ist nur ein Restlein von Judenthnm, Clnistenthnm oder Humanität in diesen Gemüthern? —Nichts als der Mammen wohnt darin — er erfüllt sie ganz, sie sind damit gleichsam ausgestopft. Und das ist eben ihr Unglück. Wie alle Menschen, welche nur für die Gegenwart, welche nur im Irdischen lebe:: und schwelgen, denken sie nicht an die Zukunft. Sie sind verblendet und rennen in di? selbstgegrabene Grube. Sie werdet: nicht ruhen, bis sie die Kluft zwischen sich und ihren Gegnern unausfültbar gemacht haben, bis keine Verständigung mehr möglich ist. Sie wollen es einmal so haben, daß dereinst die Furien der wildesten Leidenschaften gegen sie losgelassen werden. Sie werden es unfehlbar dahin bringen., daß in dem alsdann entbrennenden Kampfe — den st e ge n werden die Ideen der Neuzeit im Bunde mit dem Volke — alle Menschlichkeit, alle Sittlichkeit und Religion , alle Knust und Wissenschaft auf lauge hin zugrundegehen , und daß die Rache eine Religion wird. Und wie leicht wäre es doch qcwesen, dem Allen zu begegnen, wenn uur ein wenig Menschenliebe und Edelsinn im Bunde mit gesunder politischer Einsicht ans Seiten dieser unserer Gegner gewesen wäre.'