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Der Orient · 1849-09-15 · Heft 37 (15.9.1849) · p. Seite 167

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 37 (15.9.1849)
Date
1849-09-15
Page
Seite 167 (sequence 5)
Language
German
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167 |mtt eine Brvd-Wissenschaft ist. — Schließlich habe!ich Ihnen nochzu berichten, daß schon fast in allen iGcmeinden Mährens in der Synagoge kepulirt wird. Freilich fragte mancher alte, orthodoxe Rabbiner sehr!besorgt, was er mit dem n''ed mache, der die Trauung im Freien will; er schämt sich aber eine Ausnahme zu machen. Von der angegebenen Ursache des nch, damit nämlich die Kinder so viel werden wie die Sterne des Himmels, wird auch keine Notiz genommen; da auch nach einer Synagogen-Kopnlation das Kapital der ehelichen Liebe reichliche Proeente tragen kann. — So hat der liebe Gott bei manchem armen Manne der im Zimmer heimlich kopnlirt wurde, 6—7 Kinder - Exemplare abgesetzt. — Es wäre aber wünschenswerth, daß unsere Lehrer freie und öffentliche Lehrer werden, damit sich ihre Schulkinder wie die Sterne des Himmels mehren, und nicht nn Lehrer zu jedem unbedeutenden Prinzipal gehen und bitten muß: ojn üd )\n dni dnun. ' B. Sulzbach, im Ang. Unser Rabbiner, Dr. Schlesinger, wurde gefänglich eingezogen, angeblich weil er im vorigen Jahre m einer Volksversammlung Reden gehalten, welche die Regierung nachträglich bestrafen zu müssen glaubt. Bei aller Abneigung Baierns gegen das specifisch Preußische, so daß so eben sogar Katholiken, Protestanten und Juden ein antipreußische Koalition schließen, hat die Regierung doch noch soviel Sympathie für die hohenzollerische Regierung, daß sie ihr Verfolgungsprinzip gegen die demokratischen Ideen vollständig adeptirt. Denn die Verfolgung unseres Rabbiners , die sich wahrscheinlich auch auf andere gleichgesinnte Amtsgenossen ausdehnen wird, ist nichts anderes als die Konsequenz jenes preußischen Prinzip's, welches Deutschland aus innigster Seele haßt und verachtet. Karlsruhe , im Ang. Vor Kurzem wurde ein Personalverzeichn iß von preußischen Unterthaneu veröffentlicht, die beim badischen republikanischen Aufstand betheiligt jetzt in den Kasematten Rastatts die Aburtelung des Standgerichts zu gewärtigen haben. Unter diesen befinden sich auch einige Juden, gleichsam um die Gleichberechtigung im Tode zu dokumentiren. Auch das Verbrechet! der Revolution war allgemein; der Israelit Weilt, ein Sprachlehrer, der in wahrhaft kannibalischer Weise in Rastatt zehnfach gemordet wurde, verlangt eilte Sühne und diese bleibt leider nicht aus. Ungarn. Aus Ungarn, im Aug. Kossuch, in dessen Proklamationen das religiöse Element eine so große Rolle spielt, hatte seiner Leibgarde befohlen, täglich den 37. Psalm zu reeitiren. Haynau wird nun gewiß diesen hochverrätherischen Psalm zu Pulver und Blei verurtheilen. — Rabbiner Schwab in Pesth wurde gefänglich eingezvgen, ist aber wieder freigelassen und ihm gestattet worden, seine Vertheidigung schriftlich zu führen. — Von der Preßburger ,,Jeschiba" waren sehr viele Freiwillige bei der magyarischen Armee. Die Orthodoxie kann also auch patriotisch sein. Die österreichischen Feldherr« in Ungarn und die Juden« (Schluß.1 Es läßt sich a llenfalls noch verteidigen, wenn man eine politische Körperschaft, der eine materielle Macht zur'Prävention und Repr,ssion zu Gebote steht, für das Verhalten ihrer einzelnen Glieder verantwortlich macht, und z. B. einer Stadtgemeinde eine Brandschatzung auferlegt, wenn auch nur aus einem Hause auf die k. k. Truppen geschossen wird. Denn hier kann man doch mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, daß es der Gesammtheit, wenn sie nur ernstlich will, möglich sei, solche Exce'ffe Einzelner zu verhindern. Aber völlig ungereimt ist es, wenn man blos einer kirchlichen Korporation wie einer Iudengemeinde, die doch weder Organe, um ihre einzelnen Glieder zu bewachen, noch irgend welche Coercionsmictel gegen sie hat, die Handlung für Verbrechen aufbürdet, die einzelne Gemeindeglicder, ja sogar in einer großen Entferurig von derselben begehen. Wenn z. B. ein Preßburger Jude in Kaschau als Spion ertappt wird, muß die Preßburger Judengemeinde dafür zwanzigtausend Gulden als Strafe zahlen, ungeachtet sie von seiner Spionerei weder wissen konnte, inoch selbst, wenn sie es gewußt hätte, im Stande war, ihn daran zu verhindern. Und wenn dann wieder irgend ein ungarisch gesinnrer Ehrist aus seinem Fenster auf die österreichischen Truppen schießt und deshalb der Stadt Preßburg eine Kontribution auferlegt wird, so müssen die Juden auch ihren Theil dazu beitragen. Aber wohlgemerkt, sie zahlen jedesmal aus einem andern Titel, das eine Mal als Preßburger schlechtweg, das andere Mal als Preßburger Juden. Und die Verordnung im Betreff der jüdischen Pässe, wie läßt sich die rechtfertigen? Glaubt man etwa, weil vielleicht hier oder dort ein Jude als. ungarischer Spion oder Emissär ergriffen wurde, wenn man nur den Juden das Reisen erschwert, den Ungarn die Möglichkeit zu benehmen, ferner welche auszusenden? Aber müssen denn Emissäre und Spione notwendig Juden sein? Erfahren etwa diese die Bewegungen der Armeen aus dem Talmud? Oder kann man nicht revolutionäre Propaganda machen ohne beschnitten zu sein? Warum also haben die Ungarn bis jetzt vorzüglich Juden zu diesen Geschäften verwendet? Weil sie wußten, daß man die Juden sonst für ruhige, friedliche Leute hielt, die sich mehe mit ihrem Handel als mit der Politik befassen, und sie daher viel weniger beobachtete, als viele Andere. Ist man jetzt wieder der entgegengesetzten Ansicht, und hält gerade die Juden für besonders verdächtig, nun so werden sich auch die Insurgenten darnach einrichten, und fortan wieder mehr Christen anwenden. Wie also z. B. ferner auf je drei Spione immer zwei Juden und ein Christ kamen, so wird jetzt das Verhältniß vielleicht ein umgekehrtes sein, aber die Gesammt-

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