Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1849)
- Date
- 1849-09-15
- Page
- Seite 166 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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gesammelt, um so viele langgenälM Hoffnungen unter einem Schutthaufen für immer zu begraben. Diese Unglücklichen stehen nun vor den leergebrannten 'Stätten, wie vor einem Friedhofe, und schauen mit thränenschweren Augen auf die zahllosen Gräber, die schonungslos all' ihr Besitzthum verschlungen. Gar viele, denen gestern noch in ihrer häuslichen Stiftshütte der Ahronsstab des Glückes geblüht, schleichen heute am Bettelstäbe einher; so manchem, dem gestern noch die Sonne des Wohlstandes gefächelt, hohnlacht heute der grinsende Mangel und das hohläugige, nackte, gräßliche Elend. Nicht lange mehr, und der rauhe nordische Winter mit seinem Grauen und Schrecken vermehrt noch den Jammer und die Trostlosigkeit. Ohne Nahrung, ihre verschmachtenden Glieder zu stärken, ohne Kleidung, ihre Bloße zu decken, irren Tausende rastlos, verzweiftungsvott, weheklagend und händeringend in den Gassen umher. Wo nun Hilfe suchen für die Bedrängten, wie die ungeheuere Wucht des Elends von ihnen wälzen, die das' Schicksal so schwer ihnen aufgebürdet? Wohl haben mehrere Mitglieder unserer Gemeinde es sich vereint zur heiligen Pflicht gemacht, mit allen Mitteln, die ihnen zu Gebote stehen, den Unglücklichen unter die Arme zn greifen; aber werden wohl jene ein Mehrercs im Stande sein, als höchstens der augenblicklichen Roth zu steuern? Wird wohl das ganze Aufgebot unserer Kräfte hinreichcn, auch nur für die nächste Zukunft den Lcbensbcdarf so vieler Hilfsbedürftigen zn sichern? Darum ergeht unsere Bitte an alle edlen Menschenfreunde-von -Nah und Fern: Auf, wer nur ein menschlich Fühlen in seiner Brust kragt, auf! Eueren unglücklichen Brüdern zu Hilfe! Leget Euere edlen Gaben und Spenden auf dem Altäre der Nächstenliebe nieder; helfet uns die schönste Pflicht der Menschenliebe üben, die Hungrigen speisen, die Nackten bekleiden, die gebeugten Gemncher auf- und emporrichten. Aber lasset uns Eueren Beistand auch so schnell als möglich angedeihen , — wer schnell gibt, gibt doppelt! Veranstaltet Sammlungen, und lasset deren Erträgnisse dem Unterzeichneten Komitv zukommen. Undgewiß, Ihr werdet in den getrockneten Thränen, in den geh-timeu Seufzern uud Bitten um den himmlischen Segen für Euch, in dem Wiederauferstehungsfeste so vieler Tausende den schönsten Kranz der Belohnung finden, den nur das Bewußtsein edler Thaten aufzusetzen vermag! — Brody, am 20. August 1849. Vom Unterstützung^ - Konnte der durch Feuer Verunglückten in Brody. Karl Hausner, Vorsteher. M. Kallir, Sektiönö-Obmmin. R. Kallir, Sekretär. Deutschlands vereinigte Staaten. Aus Mahren, im Aug. (Proßnitz. Leipnik. Teschen. Ungarisch-Brod.) Die schändlichen Judenverleumdungen in unserer Provinz kennen 'keine Grenze. Solche zernichten, heißt dem künftigen Wachsthnme des Unkrautes uud der Giftpflanzen durch das jetzige Abmähen entgcgenwirken wollen. In Proßnitz sind schon mehrere Krawatte znm Nachtheile, ja zur Beschämung der Stifter derselben unterdrückt worden, und dennoch wollen diese zanksüchtigen Leute von ihrem Vorhaben nicht ablassen. So tvurd< daselbst vor Kurzem der Israelit M. Mandl, der emeu ausgebreiteteu Handel mit neuen und alten Kleidern treibt, von der Nationalgarde beschuldigt, daß er für die magyarische Armee Kleider liefert. M. wurde in die Frohnfcste gesetzt, sein Gewölbe mit verschiedenen Siegeln belegt. Da es sich aber bald darauf ergab, daß dies nur eine falsche Beschuldigung war, so erging der Befehl vom Ministerium, die Nationalgarde zui entwaffnen uud gänzlich auszulösen; widrigenfalls sie sich der größten Strenge des Gesetzes aussetze. — In Leipnik will man noch nicht einen sehr braven Israeliten in einem gepachteten Vorstadthanse wohnen lassen. Ec muß das Haus in der Nacht bewachen lassen, weit man es schon einige Mal sehr verunstaltet hat. Emm Christen, wäre er noch so liederlich und ausschweifend, hätte man schon aufs Freundlichste ausgenommen; so liebt der Hauusch die Kuh seines Gtanbeusbrnders Malik, er stiehlt sie ihm in der Nacht ans dem Stalle heraus. Ach, ich könnte sehr viele Beispiele von solcher christlichen Liebe anführen l Was heißt hingegen jüdische Liebe? Betrübte trösten, Nothleidcuden helfen, Arme unterstützen, welches in der wohlrhätigen Leipniker Jsraelitengemeinde sehr oft stattfi'ndet. Das Te sch e n e r Krcisrabbinat ist durch das Ableben des dortigen Rabbiners erledigt. Einige mährische Rabbineu und RabbinMskandidaten bewerben sich um diese Stelle. Die Teschener verlangen aber ausdrücklich einen abfolvirten Philosophen oder deutlicher gesagt: einen fertigen Weltweistu, und dennoch soll daselbst noch nie ein CDfi Vorkommen sein; weil sie sehr fromm sind, und mit Gott wandeln, der auch ein □nm VDD ist. Möglich daß sie daher in ihrer Ankündigung das „nNiira mnn" mit großen Lettern gegeben, um auf die einfache hebr. Bedeutung des Wortes n>nn; los sagen , befreien von der ritten, hin zudeuten. — Der Dresdner Knabe, der in Ungcirisch- Brod in Mahren dem jüdisch-theologischen Studium ergeben war, und sich so weit darin verloren hat, daß man ihn in dem ganzen Kreise nicht finden konnte, ist bis heute noch verloren. Wir haben gleich behauptet, daß man nun keinen Knaben mehr finden werde, der von Dresden nach Ungarisch-Brod gehen wird um daselbst jüdische Theologie zn hören. Ein solcher Knabe hat keine wahre Liebe zurr Wissenschaft, weil es jedenfalls