Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1849)
- Date
- 1849-09-15
- Page
- Seite 168 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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168 zahl wird sich darum nicht - um einen vermindern. Hatte man dagegen von, vornherein Juden und Christen ganz gleich behandelt, und gegen beide dieselbe Vorsicht beobachtet, so wäre man weit bester weggekommen, als bei dem jetzigen Schaukelsystem, was gestern gewissermaßen zur Empfehlung gereichte, ein Jude zu sein, und heute wieder besonders verdächtig macht. ' Aber das ist ja eben der Unsinn, daß man bei Juden gewohnt ist, von einem gleich auf die Gesammtheit zu schließen. Weil einmal ein jüdischer Banquier gesagt „zu was Freiheit, halte Se die junge Leut scharf" galten früher alle Juden für servil; und weil jetzt ein Paar radikale Blatter von Juden redigirc werden, gelten jetzt wieder alle als Wühler, beides mit gleichen Unrecht. Die Juden haben wohl alle dasselbe religiöse aber keinesweges auch ein gleiches politisches Glaubensbekenntniß. Sie haben als Juden keine gemeinsame politische Farbe, sondern es gibt ihrer wie unter jeder andern Konfession Schwarzgelbe, Trikolore und Rothe. Wer das nicht glauben will, der besuche einmal die Wiener Börse, und er wird sehen, daß es neben den radikalen Doktoren und Journalisten noch Gutgesinnte giebt in Israel, so loyal wie irgend welcher christliche Stockjobber. Diese Leute mit Mahler und Tausenau zusammenzuwerfen, wäre eben so ungerecht, als ob man Windischgräy für Mazzini, Wränget für Struve, oder Paskewitsch für Bakunin verantwortlich machen wollte, weil sie derselben Kirche angehören. Darum meine Herren Generale in Ungarn, laßt die Mükken und die Juden. Was gehen Euch die Juden an? Sehet warum haben Sanherib, Titus, Holofornes und wie dieFeldherrn noch geheißen haben mögen, die in alten Zeiten gegen die Juden kämpften, die Ungarn in Ruhe gelassen, und warum Macht Ihr, die Ihr mir den Ungarn Krieg führt, Euch so viel mit den Juden zu schaffen? Der Kaiser hat jüngst die mährischen Juden seine jüdischen Mähren genannt. Ihr habt es also auch in Ungarn nirgends mit rebellischen Juden zu thun, sondern höchstens hier und da mit einigen von Sr. Majestät jüdischen Rebellen. Diese aber sind durchaus nicht schlimmer und nicht besser als die andern, nur daß sie sich zur jüdischen Religion bekennen, d. h. sie glauben der Messias sei noch nicht gekommen, essen kein Schweinefleisch aber desto mehr Zwiebeln. Was aber kümmert Euch das? Ob die Leute die Euch gegenüberftehen Juden oder Christen, Heiden oder Türken sind, ob sie in an Gott oder an den Teufel glauben, das macht keinen Unterschied. Für Euch sind sie Rebellen, und erwischt Ihr einen, so macht mit ihm, was Ihr wollt, hängt ihn auf, verurtheilt ihr zur Schanzarbeit oder begnadigt ihn zu Pulver und Bleiz aber kümmert Euch nicht um seine Religion, fragt nicht einmal darnach, das braucht Ihr ja nicht zu wiffen, Ihr seid ja keine Missionäre, das fordert man ja nicht von Euch. Radetzky, von dem. Ihr überhaupt so manches lernen könntet, hat auch das besser verstanden.' Er ist wahrschein-1 lich auch kein besonderer Freund der Juden. Natürlich, cej alte Marschall war einmal ein junger Leutnant, junge Leurnants pflegen Geld zu brauchen und Leute, die in der Jugem Geld gebraucht haben, sind dann gewöhnlich im Alter nicht gul aus Juden zu sprechen. Aber habt Ihr ja solche Leutnants, reminiscenzen hervorschimmern sehen? Und in Italien es ja auch Juden. In Padua, Verona und Mantua gibt etz Gherti, in diesen Ghetti wohnen Juden, und unter dieses Juden giebt es Wühler und Rebellen, ja einer war sogar eine Zeitlang Mitglied der provisorischen Regierung von Venedig. Aber der Marschall nahm keine besondere Notiz davon, er schlug die Piemontesen, aber er ließ die Mücken um die Juden. Hattet ihr es in Ungarn auch so gemacht, um statt Euch so viel mit den Juden zu beschäftigen, lieber die römischen Katholiken Wem und Demdinski geschlagen, so wäre Oesterreich jetzt nicht von der Gnade eines übermüthigen und eigennützigen Nachbars abhängig, der Ruhm des Sieges würde euch gehören und nicht euern russischen Kollegen, und für die armen Juden wäre es ebenfalls besser. Personalchronik und Miscellen. Prag. Der Prediger der Teinpelgemeinde hat für den hiesigen Tempel, der sich vielfach ^it reorganisiren scheint, eine neue Liturgie ausgearbeitet. Sw ist so eben im Drucke erschienen. München. Dr. P i n n e r, der ewig reisende, beständig talmudüberi'etzende, hat hier Vorlesungen über Zustände der Juden in allen Welrtheilen angekündigt. Hr P. har daß Morgen- und das Abendland gesehen, har Vieles erfahren und er mag im Stande sein, so. Manches mitzutheilen. Pesth. Trotz der Pacifikation Ungarns müssen die Juden nach wie vor ihre Contributionen bezahlen. Wien. Melden soll durch die Schriften von Börne und Heine zum Revolutionär geworden sein. Pesth. Der in Ungarn kommaiidirende General Hayna u, hat die Pefther Judengemeinde mit einer Kontribution bestraft, ihm mehre Tausend Stück Montirungen für das Militär zu liefern und zwar in kürzester, aber bestimmter Zeit — was die Gemeinde natürlich nicht auszuführen im Stande war — jetzt hat dieser Siegesheld — den ganzen Vorstand verhaften lassen. Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von J.H. Nagel.