Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1849)
- Date
- 1849-09-15
- Page
- Seite 165 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Zehnter für Jahrgang. Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Tblr. jüdische Geschichte und Literatur. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhand¬ Herausgegeben das Literalurblatt mitgerechnet, zwei Boaen, - und zwar an jedem lungen auf ein Jahr. von Dr. Julius Fürst. Sonnabend regelmäßig» (s »9. Leipzig, den 15. September 1849. Inhalt. Hilferuf aus Brody. — Deutschlands vereinigte Staaten Aus Mähren. Bericht über Proßnitz, Leipnik, Teschen, Ungarisch-V^od. S u l z b a ch. Rabb. Schlesinger. Karlsruhe. Standgerichte. — Ungarn. Kossuth. Schwab. Preßburg. — Die österreichischen Feldherrn in Ungarn und die Luden. (Schluß.) — Personalchronik und Miscellen. Prag. München Pesth. Wien. Pefth. — LB. d. Or. Hilferuf! Brody, 21. August. „Es gibt: in der Natur Gegenstände", sagt Lamartine, „deren Gestalt man erst dann richtig erkennt, wenn man sich von ihnen entfernt," Ich mochte dieses fast auf die Katastrophe, auf den unglücklichen Brand, der am 1?. d. unsere Stadt verwüstete, anwenden, und wahrlich l je länger und je entfernter wir an dieses außerordentliche Ung-luck denken, und uns den grenzenlosen jämmerlichen Zustalld der hilf-, abdach- und nahrnngstos gebliebenen Armen unserer Gemeinde vor Augen führen, desto größerer Schmerz, desto tiefere Wchmuth ersaßt uns, und wir denken unwillkürlich au den Brand in Hamburg! Möge hier so heilbringend und hilfreich die mildthätige Menschheit zur Linderung dcs Elends wirken wie in Hamburg, und mögen die Großen und Kleinen in diesem Wettstreit der Mildthätigkeit und Tugend wetteifern, wie es in Hamburg geschehen, und der Lohn der Tugend ist die gute That selbst: .MM TOB ">M. Gleich nach der großen Feuersbrunst hat sich hier ein „Unterstützungs-Komile" gebildet, an dessen Spitze die Hrn. Karl Hausner, Meyer Kallir u. a. stehen, die folgenden „Aufruf" erlassen, der unten folgt, damit die bemittelten Leser Ihres geschätzten Blattes in weiter Ferne die Kunde dieses eine jüdische Gemeinde betroffenen Unglücks erhalten, und Ihnen die Gelegenheit darbleten zu können, ihrerseits auch ein Schärflein beizutragen zum Nutzen und Wohle ihrer israelitischen Mitbrüder.* Brand in Brody. Noch waren aus unserer einst so blühenden freien Handelsstadt die unheilvollen Spuren der Cholera wicht verwischt, als plötzlich ein neues Unglück sie heimgesucht — sie ward am 17. dieses Monats ein Raub der Flammen. Kaum zum Ausbruche gelangt, wuchsen sie bald zu brennenden Lavsum, die mit solcher Blitzesschnelle über die Straßen dahinstnrzten, daß die Stadt einem Feuermcere glich, welches keine Menschenhand mehr zu dämpfen vermochte. Gegen 500 Häuser, darunter 10 israel. Bethäuscr, die katholische Pfarrkirche, das Magistratsgebäude, die Hauptwache u. s. f. wurden eine Beute dieses feindlichen Elementes und 6,330 Personen ihres Obdaches beraubt. Wenige Stunden reichte« hin, um alle Habseligkciten, die langjähriger Fleiß und Schweiß *) Wer sich in Sachsen oder Auswärts an diesen mildthätigm Gaben betbeiligen will, möge an das in Leipzig zusanrmengetretene „Komits", an die Hrn. Frärrkel. so«, und jun. und H. B. Schapire seine Spenden einsenden. D. Eins. 37