Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1849)
- Date
- 1849-09-08
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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163 meinte, so wie eine Annäherung der Israeliten zu den christlichen Mitbürgern, wird von.Seiten der Regierung eifrig ungebahnt, Auffee, 21» Aug. Heute will ich Ihnen ein Faktum mittheilen, ohne allen Kommentar, ohne Randglosse, das Sie gewiß auch, wie es bereits ganz Mähren gethan, in. die Blätter einer skandalösen Chronik cintragen, und daraus entnehmen werden, welche Willkür und Gesetzlosigkeit sich Mancher in Mähren, die Zeit der Anarchie benützend, erlaubt. Ich bin nach einigen Jahren der Trennung von meinen Angehörigen, nach genommenem- Abschiede von der Gemeinde, und nach gemachter Anzeige beim hiesigen Oberamte, ans die Dauer von 14 Tagen nach meinem Geburtsorte gereist. Kaum aber war ich einige Tage zu Hause, als mir schon von Seiten des Oberamteö, ohne mein Wissen und.Willen, wider Wissen und Willen der Gemeinde, auf bloßes Ansuchen des hiesigen Rumpfvorstandes,' der beiläufig gesagt, wie fast überall in Mähren, den im Großen gebrochenen ÄtsolutiSmuö, im Kleinen fortführt, als mir schon, sage ich, in der Person eines gewissen Leopold Singer, eigentlich Holländer, der noch gar keine Befähigung vom Hrn. Oberlandesrabbiner aufzuweisen hat,, ein Substitut ausgestellt ward» Nun meinetwegen! and) recht l Aber wie benutzte der Hr. Substitut seine Substitution? Glauben Sie zur Entscheidung religiöser Fragen? Man hatte kein Zutrauen zu ihm. Eine einzige Frage über Sefer Tora beantwortete Hr. S. in der Synagoge — falsch. Hr. Substitut läugne es, wenn er kann. Dagegen unterwühlte Hr. S. die Gemeinde, streuote den Samen des Unfriedens aus, verdächtigte so viel er konnte, reizte die Gemeindeglieder bis zur Erbitterung, und, um sich nicht umsonst zu bemühen, prüfte er, innerhalb 5 Tagen 29 Individuen, sage neunundzwanzig, behufs der einstigen Verehelichung. Als jedoch Hr. Singer sogar Trauungen vornehmen wollte, ward ihm dies von Seiten des Oberamtes eingestellt, und ich eilte zurück, um dem Unwesen ein Ende zu machen. Und was unternahm ich dagegen? Nichts, gar nichts, um gegen Singers Plan, die unheilvolle Saat nicht zur Ernte eulporschießen zu lassen. Und nun ein Wort an Sie, mein Hr. Substitut! Kojetein war erledigt, der jetzige Rabbiner von der Gemeinde gewählt, da petitionirtm Sie, obgleich erst Student in Prag, beim olmntzer k. k. Krcisamte, man möchte mit der Besetzung auf Sie warten. Aussee war erledigt, da trieben Sie ein entsetzlich niedriges Spiel. Tobitschau war erledigt, das Kreisamt stellte Sie wider den Willen der Gemeinde an , und die Gemeinde mußte bei der Landesstelle einschreiten, und den Anstand geltend machen, daß Sie vom Hrn. Landesrabbiner nicht autorisirt seien. G ewitsch, Austerlitz waren erledigt, da führten Sie mit den Gemeinden Prozeß, weil Sie — Philosoph sind. D amb ersch itz war erledigt, fragen Sie den dortigen Hrn. Rabbiner, zu welcher Klasse in der Naturgeschichteer Sie rechnet. Doch genug! Hören Sic meinen Rath! hören Sie auf zu bivuaqniren, seien Sie fleißig in Ihrer Vorbereitung zum Rabbineramte, wenn cs auch etwas lauge dauert; sind Sie endlich einmal befähigt, und führen einen ordentlichen Lebenswandel, dann kommt schon auch die Reihe an Sie. — Es folgt meine eigenhändige Fertigung. Dr. M. Duschak, Rabbiner. Leipzig, 28. Aug» Lamartine erzählt in seiner ,,Geschichte der Februarrevolution" folgende kleine Episode: ,,Jm Augenblicke als die Herzogin ans der Deputirtenkammer entkam, ward sie durch das hereindringcnde Volk von ihren Kindern getrennt. Der Herzog von Chartres war unter die Füße des Volkes gefallen; vergebens erschallt das Angstgeschrei seiner Mutter, das wogende Volk war stumm wie das wogende Meer. Die Deputirten und - die Beamten der Kammer versprachen ihr ihren Sohn wiederzubringen; sie beschworen die Herzogin sich mit dem Grafen von Paris von diesem Orte zu flüchten, da sie von der Menge erdrückt oder gefangen genommen zu werden bedroht war. Endlich entschlossen sich zwei Brüder und Huissiers der Vcrsammlrmg, Lipmann genannt aus Elsaß, den Prinzen zu suchen und zu retten. Während der Eine, Jakob Lipmann das arme Kind vom Boden aufhebt, es in die Arme nimmt, um es zu beleben, und vor den Mißhandlungen der Menge zn schützen, hält der Andere am Eingänge das Volk zurück, das ihn, hereinströmend, niederzureißen drohte — Lipmann trägt das Kind in seine Wohnung, legt es nieder, bewacht es und benachrichtigt Hrn. de Lc'spec, Quästor der Versammlung von dem Fund, den er in Händen hatte. — Um 8 Uhr Abends holte Hr. de Lespee den Herzog von Chartres von Lipmann, welcher den Prinzen in Kleidern eines KindcS aus dem Volke, wegträgt. Die österreichischen Feldherrn in Ungarn und die Juden. Die österreichischen Oberkommandanten in Ungarn haben gewiß eine schwierige Ausgabe. Wenn dem nichr so wäre, hätte man nicht nörhig gehabt, die Russen zu Hilfe zu rufen. Und doch haben, sie freiwillig eine kleine Nebenaufgabe übernommen und mit dem großen Feldzuge gegen die ungarischen Juden verbinden zu müssen geglaubt. Schon Fürst Windlschgrätz machte die Juden solidarisch für einander verbindlich. Wenn ein Jude den Rebellen irgendwie Vorschub leistete, nunßle seine Gemeinde dafür zwanzig-