Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1849)
- Date
- 1849-09-08
- Page
- Seite 164 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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164 tausend Gulden Strafe zahlen. Melden, ungeachtet er doch sonst den ganzen .Operationsplan änderte, fand nicht nöthig,! diese Verfügung aufzuyeben. Und Haynau halt sich vollends * gewissenhaft daran, bald wird diese bald jene Judengemeinde | zu eincc Geldstrafe oder Kontribution verurtheilt, bald soll , die Rraber 80,000 Fl. zahlen , bald werden der Pesther und Ofner morme Requisitenen auferlegt. Außerdem empfiehlt er die Juden ganz besonders der Aufmerksamkeit der Behörden, ihnen vorzüglich sollen nur ausnahmsweise Passe nach . andern Landestheilen vissrt werden und was dergleichen Zuvorkommenheiten mehr sind. Worum aber das alles, fragen wir? Die Juden sind Rebellen? Ja freilich sind sie es, aber sind es denn nur sie? Wenn es in Ungarn keine andern Rebellen gäbe als die Juden, wäre man mit dem Aufstande schon längst fertig geworden. Aber die „wenigen Uebelgesinnten", wie man sonst offiziell du Insurgenten zn nennen pflegte, bilden eben die große Mehrzahl der ungarischen Bevölkerung, und unter diesen finden sich auch Juden. Leeren aber diese als Gesammrheit, als Juden der österreichischen Negierung entgegen? Kcinesweges. Und warum sollen sie es auch? Welches wahre oder eingebildete Interesse hatten die Juden als religiöse Korporation oder als besonderer Volksstamm an dem Siege der Ungarn? Hoffen sie etwa, daß Kossuth ihnen Jerusalem erobern, und den Tempel Salomonis wieder Herstellen werde? Die Juden betheiliAen sich an der Insurrektion durchaus nicht als Juden, qiia taies, sondern als Staatsbürger, als Ungarn. Sie sind nicht Rebellen, weil sie Juden und nicht Juden, weil sie Rebellen sind, zwischen diesen beiden Eigenschaften besteht durchaus kein Kaüsalnexus, sondern sie sind blos beides zugleich, Rebellen wie die Andern und nebstbei auch Juden. Wenn arber das ist, warum sollen sie für diese Teilnahme strenger behandelt werden als andere Insurgenten? Wenn ein Christ als Spion ergriffen wird, so wird er erschossen und damit Punktum. Ist es aber ein Jude, so. wird er ebenfalls erschossen, aber außerdem ist noch eine Geldstrafe von 3000 Fl. zu bezahlen. Warum diese Ungleichheit? Nach welcher strafrechtlichen Theorie ist bei dem Verbrechen des Hochverralhs oder des Aufruhrs das Judenthum ein erschwerender Umstand? Verletzt etwa ein Jude, wenn er eines dieser Verbrechen begeht, seine Bürgerpflicht in einem höheren Grade als der Christ in gleichem Falle? Hat etwa das Haus Oesterreich gegründetere Ansprüche auf die Treue seiner christlichen Unterrhanen? Warum etwa jene besonders begünstigt? War vielleicht wie Preußen ein christlich-germanischer^ so Oesterreich ein jüdisch-semitischer Staat? Oder ist etwa der durch diese Verbrecher verursachte Schade oder die damit verbundene Gefahr größer, wenn sie von etatocm Juden begangen werden, als wenn der. Verbrecher einer andern Konfession angehörr? Macht es einen Unterschied ob ein. österreichischer Soldat von der. Hand eines jüdischen oder, eines christlichen Insurgenten fällt? Oder ist es gefährlicher, wenn die Bewegungen der k. k. Armee den Ungarn von einem jüdischen, als wenn sie von einem christlichen Spione verrathm werden? Oder haben etwa die Juden mit ihren Psalmeu den Generalmajor Puchner mit seinem Korps aus Siebenlürgen hinaus- und in die Wallache! hineingebeter? Worin besteht also das „wahrhaft schändliche" Benehmen, das Haynau ihnen vorwirft, und warum der Unterschied zwischen christlichen und! jüdischen Rebellen? Die österreichische Regierung machte sonst in ihren politischen und Civilgesetzen häufig einen Unterschied zwischen Inden ui,-. Christen, aber im Strafgesetze hat sie es nie gethan und kei-n Verbrechen wird nach österreichischem Gesetze an einem Juden strenger bestraft als an einem Delinquenten anderer Konfession. Nun sind die Juden auch bürgerlich und politisch den anderen Konfessionen gleichgestellt worden, wie kann sich denn ein General herausnehmen, ihnen solche privilegia oritosa in criminalibus zu verleihen? Ist das nicht offenbar eine Verletzung der Verfassung vom 4. März, für die doch eben in Ungarn gekämpft wird? Und wenn man es schon für nöthig erachtet hat, bei jüdischen Rebellen außer der ordentlichen Strafe noch eine Geldbuße ejutreten zu lassen, warum wird diese nicht aus dem Vermögen des Verbrechers selbst eingebracht, sondern seiner vielleicht sebr loyalen Gemeinde auferlegt? Die Strafe soll stets nur den Verbrecher treffen. Jede Solidarität Ln der Beziehung ist ungerecht und am meisten wenn sie eine bloße Religionsgenossenschaft trifft. (Beschluß folgt.') Personalchronik und Miscellen. Aus Brody. Den 19. dieses Monats war in Brody eine furchtbare Feuersbrunst, die fast einen vollen Lag gegewüthet. Fast die halbe Stadt liegt in Asche und in der jüdischen Gemeinde hat dieses Feuer großes Elend angerichtet. Aus Siebenbürgen. Ein Sohn des Schriftstellers Heilpern, Vers. der „Teschubot be-Ansche Awen," war Adjutant des Generals Rem. Sein SchiÄsal ist unbekannt. Frankfurt a. M. Hier ist ein mit Meisterschaft ausgeführtes Portrait Gabriel Nie ss er's erschienen. * * 0 Hamburg. Dr. Ri esser lebt jetzt wieder hier, ganz seiner Praxis und den Wissenschaften. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.