Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 35 (1.9.1849)
- Date
- 1849-09-01
- Page
- Spalte 555-556 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8555529-9893953-9893995--6051-3535226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Origen 1× ep/1025440
OCR text
555 Studien:. Zur Kritik des N. %■ 556 Literarische Avalekten Zur Kritik des neuen Testaments. (Schluß.) Den Akt der Loskaufung, pn jp-jq, konnten die Eltern iw ihrem Wohnorte, wsnn sich ein Priester daselbst aufhielt, vornehmen, und man würde sich vergebens um ein Beispiel Umsehen, daß jemand deshalb nach Jerusalem reism mußte. Ebensowenig weiß das jüdische Alterthum einen Beweis aufzusinden, daß dieser Akt im Tempel vollzogen wurdic. Dritttnsssetzt die Schrift den 30. Tag zur Loskaufung tot Erstgeborenen fest, was immer beobachtet wurde, wenn Hindernisse es nicht unmöglich machten. Es ist daher nicht abzusehen, warum die Eltern Jesu mit dieser Pflicht zögerten bis zum 4V. Tage und ließen sich dadurch eine Vernachlässigung des Gesetzes zu Schulden kommen. UeberhEpt war es gar nicht nothwendig, für die Mutter des Jesu wegen des Reinigungsopser im Tempel zu erscheinen, da sie blos das Opfergeld an die Priester zu senden brauchte, die das Opfer, meil die Opfernde nichit zugegen sein mußte, darbrachten, w-as nach den Berichten der Mischna Schekalim Ab. 9, 1 unb 7, 1 bei den von Jerusalem fern Wohnenden stets der Fall zu sein gewesen scheint. Es waren dafür im Tempel eigene Vorkehrungen getroffen, ein eigener Kasten für diese Art Opfergelder vorhanden. nnDW r> ' )Wpn W rmr© 'Oi rfrrui l'JPp 31031. Jedenfalls brauchte die Opfernde nur das Geld an die Priester zu schicken um ihrer Pflicht zu genügen, da die Priester im Rufe stände:», ihren Wichten stets pünktlich und treu nachgekommen zu sein. Daß die Opfernde aber überdies das Kind mit in den Tempel genommen ist unwahrscheinlich, wenigstens findet sich kein Beispiel vor, und es ist eher anznnehmen, daß man Säuglinge, 40 Tage alt, gar nicht eingelassen habe. — Allein die Darstellung Jesu im Tempel ist ein* bloße Nachbildung von 1 Sam. 1, 24 ff. im mythischen «Gewände, da es den Evangelisten darum zu thun war, Jesus in frühester Jugend schon , gleich dem Propheten Samuel, in den Tempel einzuführen, wobei nun Simon und Anna, der eine als würdiger Priester, die andere als Prophetin, die Rolle des Priesters Eli 1 Sam. 2, 20 übernahmen. — Es sind nun auch dadurch alle Schwierigkeiten gelöst. Der Evangelist glaubte in dlesem'Gefttze die best« Gelegenheit zu finden! für die Darstellung Jesu im Tempel, deswegen laßt er auch dessen Ettern die Loskaufung vom 30. auf den 40. Tag nach der Geburt verschieben, da er dadurch von seinen Eltern, die früher d. h. die Wöchnerin, das Heiligthum nicht betreten durften, in den Tempel eingeführt werden konnte. Die Loskaufung diente nun ferner zum Zweck, Jesus in den Tempel zu bringen; denn wäre sie am 30. ge- *) Siehe Nedarim 36 a und Gittin f. 28 a und Maimuni rurvm pj'jpn n.yo nwsD nmn fn n's msö "ono 'j norm rfow isira. schehen, so wäre kein Grund vorhanden gewesen den Säugling einzulasien. Die ganze Erzählung von der Darstellung im Tempel tragt mehr das Gepräge der Mythe an sich, da sie eine Nachahmung der Darstellung Samuels in Philo ist. Eine ähnliche Bewandniß hat es mit der gewiß sonderbaren Erzählung der Tempelreinigung und Vertreibung der Verkäufer und Taubenhändler (Math. 21, 12. Joh. 2, 14 ff. conf. Strauß ]. c. 2. Ad. K. 8. §. 88, S. 726) di«, trotz des ganzen prosaischen Verfahrens, eiinm mythischen Charakter an sich trägt. Bei näherer Betrachtung der ganzen Begebenheit, die Origenes für das größte Wunder Jesu hält, da er sich allein der ganzen versammelten Menge widersetzte, stellt sich afö deren Entstehungsgrund klar heraus, daß den Evangelisten die messianische Verheißung Zacharias 14, 20: fl “Jiy rvn* vorgeschwebt habe, deswegen lassen sie auch die Synoptiker bei dessen letzten Aufenthalt in Jerusalem erfolgen. Obige Stelle des Propheten Zacharias war ein bedeutendes Hinderniß der Messianität Jesu, deswegen mußten sie zu einem entscheidenden Mittel greifen und ihn diese nicht sehr passende Exekution vollziehen lassen. — Es siiid überdies Einzelheiten dabei angegeben, die die Wahrheit der Erzählung bezweifeln lassen. So wirb der Wechsler erwähnt, die Jesu aus dem Tempel verjagt habe, und man hat dies unbezweffelt hingcnommen, ohne zu bedenken, daß ein so profanes Geschäft gewiß nicht im Tempelhof erlaubt war. Schon die Mifchna Schekalim, die überhaupt über die Leitung der Geldangelegenheiten und die Obliegenheiten der Vorsteher und Beamten des Tempels ausführlich berichtet, gibt uns auch hierüber Aufschluß (ibicl. Ab. 1, 3. Ab. 3, 1; 5, 1; 6, 5 und 7, 7). Der Bedarf des Tempels, überhaupt die Kosten der täglichen Opfer,, wurden, gestützt auf 2 M. 50, 13, durch die Beiträge der Schekalim, wovon keiner ausgeschlossen war, gedeckt. Am 15. Adar, erzählt die Mlschna, wurden an jedem Orte Wechsellische ausgestellt, um die zu entrichtenden Schekalim einzutrekben; am 25. desselben Monats, als letzten Termin zur Einkassirung der Beitrage, wurden nun von den Tempelvorstehern die Wechseltisch« im Vorhofe aufgestellt, um die einlaufenden Gelder in Empfang zu nehmen, was bis zum Neumonde des nächsten Monats Nissan dauerte, wo das Geld zur Deckung der nörhigen Auflagen aus der Kaffe herausgenommen wurde. Makmuni Schekalim 2, 5: n"-o : rotten ns* po-nn nJKO oyis '.n 'Di Es waren daher blos während dieser kurzen Zeit vom Tempelvorstand ausgestellte Wechsler (aber nicht gewöhnliche Geldwechsler um ihre Geschäfte zu betreiben) zur Einkassirung und llmtauschung der fremdländischen Münzen in Schekalim beschäftigt; daß aber die Evangelisten am Osterfeste nochWechsker imTempel sein lassen, ist ein quidproqiio das bei ihnen nicht selten ist. — Auch von Taubenhändlern, die im Tempelvorbof ihre Tauben seil boten, weiß die Mifchna nichts; sie berichtet vielmehr, daß der Tempelvorstand jährlich mit einem Händler einen Vertrag abgeschlossen, um den Bedarf der Opfertaubcn für den Tempel abzussesern. Maimuru