Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 35 (1.9.1849)
- Date
- 1849-09-01
- Page
- Spalte 551-552 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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551 Studien. Opfer nach dem zweiten Tempel. QÖ& I. b. S. soll sich auf die Nachfolger des R. G. 11. beziehen und das Sendschreiben in Sanhedrin 11 lr soll R. G. II. (als Nafi!) - zur seit des Tempels erlaffen haben. — Jedenfalls aber beruht nach dieser Auseinandersetzung die Annahme Ia'bez's, daß der Auftrag anTabi, selbst wenn R. G. 11. denselben ertheile haben soll, nach der Zerstörung stattgehabt, auf willkürlichen falschen Voraussetzungen und nur, wenn die Opl'erexistenz nach der Zerstörung anderweitig sicher bewiesen, lle^e sich die Begebenheit mit Tabi auf nach der Zerstörung beziehen. Daß dies nicht der Fall ist, habe ich bereits dargethan und eine andere talmudische Nachricht soll es nochmals erhärten. In Balm 60 b wird erzählt: Nach der Zerstörung des zweiten Tempels nM&SQ nun 3“WD entschlossen sich viele Fromme, kein Fleisch zu essen und keinen Wein mehr zu trinken. R. Iosua ging za ihnen und fragte sie um die Ursache dieser übertriebenen Askese. Sie erwiederten ihm? Sollen wirFleisch essen, wovon ehemals geopfert wurde, was jetzt aber aufgehört hat? Sollen wir endlich Wein trinken, wovon früherhin Trankopfer bereitet wurden, die nun jetzt geschwunden f t n b?20 R. Iosua bewies ihnen hierauf Das Falsche ihrer Theorie, da aus derselben die Nothwendigkelt der Enthaltung von jedem vorhandenen Genriffe als strikte Konsequenz folgen würde. — Es geht aber mit Bestimmtheit auch aus dieser Erzählung hervor, daß nachher Zerstörug des zweiten Tempels, das ist nach Titus, nicht mehr geopfert wurde. Die erzählte Geschichte kann nach der hadrianischen Zerstörung nicht vorgekommen fein, da R. Iosua dieselbe gar nicht erlebt hat. R. Iosua überlebte zwar sowohl den R. G. 11., als auch R. Elieser, da er Erubin 41 a die Anordnungen des erstern nach dessen Tod ausheben will, während er wieder Gittin 83 die des letzlern wegen nn'O nxn DN pO'WD pN aufrecht erhÄt. Auch hielt er noch Unterredungen mit Hadrian und die Chronologen sagen daher mit Recht, daß er ein sehr hohes Alter erreicht hat. Allein er kann dennoch den Krieg nicht erlebt haben. Wir vermissen während der Feindseligkeiten seine konriliatorisch-vermittelnde Thätigkeit, die er vor dem Ausbruch Des Krieges in sinniger Weise begonnen. Aus Taanir 36 a geht auch hervor, daß er jedenfalls vor R. Akiba starb21 und auch letzterer hat ja den Fall Bittars nicht überlebt. Die Unterredung des R. Iosua mit den patriotisch-asketischen Frommen fand demnach nothwendig nach Titus und vor dem hadrianischen Kriege statt und ist somit die entschiedene Nicht- , 20)?^a vtsojn naron /y panpo -ibo Pnj bioa TODyi ruton iy iudjd uddiö» p nntw? 21) naiußf hm p yff-6 wy p )h idn. — Schon aus dieser chronologischen Ausführung folgt nothwendig, daß R. Gamaliel iU den Krieg unter Hadrian nicht -erlebt hat. In dem nächsten Artikel wird jedoch dieser Punkt noch behandelt und der oben dafür versprochene Nachweis geliefert werden. exiftenz der Opfer in dieser Zeit unbedingt erwiesen. Auch R. Jischmael b. Elisa kalkulirt an derselben Stelle den Ideengang der Frommen und die gegnerische Ansicht des R. Iosua sowie wir auch S. 351 bereits Zeugnisse desselben R. Jischmael gegen die Fortdauer angeführt haben.22 Aber auch der Sohar widmet unserer Frage seine Theilnahnie. Th 2. S. 124 ed. Krotoschin DUDG^D rD wird erzählt: Nichtjuden seien oft mir nach Jerusalem gekommen und haben am Verzehren der Opfer Th eil genommen. Erst auf einen Wink des R. Hamnuna Saba seien diese Heiden, da sie die üblichen Opferbenediktionen nicht kannten, verrathen worden. R. Hamnuna Saba ist aber ein Schüler RaL's und kann demnach trotz seines Alters vor der Zerstörung nicht gelebt haben; wir hätten demnach mit der Geschichte im Sohar dieselbe Schwierigkeit, als mit der des R. Jehuda b. Barera. Glücklicherweise kennt der lalmudische und der midraschische Literaturkreis keinen R. Hamnuna Saba, als Zeitgenossen des R. Simeon b. Jochai, während derselbe in »msecin so vielfach bearbeit-eten Sohar gerade in dieser Periode eine bedeutende Rolle spielt. R. Hanimma Saba hat demnach seine Existenz zur Zeit des R. Simeon b. I. einzig und allein der fruchtbaren Phantasie des Sohar-Bearbeiters zu verdanken. Letzterer kombim'rte aus dem Schüler des R. Chanina, dem R. Hamnuna joDD (Talin. jer. Batra VI) und aus dem R. Hamnuna Saba, dem Schüler Rab's Eine illußrirte Persönlichkeit, die er in seinem Drama schon zur Zeit d.es R. Simeon b. Jochai austreten und viele bedeutende astronomisch -agadische Schriften verfassen laßt." Nur vergriff sich unser Dichter in seiner kühnen Schöpfung dadurch, daß er seinen Helden zu früh von der Bühne abtreten heißt. R. Hamnuna Saba des Sohar stirbt nämlich noch vor R. Simeon b. I. (fp) 'd). Durch diesen Misgriff hat der mythische N. Hamnuna Saba aus der Zeit des R. Simeon seinen einzigen Stützpunkt, den Zusammenhang mit den historischen Personen, die später R. Hamnuna Saba hießen, verloren. R. Hamnuna Saba zur Zeit des R. Simeon ist daher blos die mythische Figur de's Sohar, wie letztere uns jetzt vorliegt. Aus der Schöpfungskraft des Sohar-Bearbeiters hervorgegangen, verdankt unser R. Hamnuna diesem sein frühes Leben, wie feinen frühen unmotivirten Tod. — Die Geschichte von der Theilnahme der Heiden am Opfergenusse hat also keine historische Realität und ist lediglich der Erzählung Pesachim 3 b nachgebildet. — Ich habe demnach den Bertheidigern der Fortdauer des Opferkultus nach der Zerstörung nicht nur ihre offenen festem 22) In der Zeitbestimmung des R. Jichmael b. Elisa sind die Angaben des Sed. Ha-D^r. 3,il>. vuc. sehr mangelhaft. Die fr übern Chronologen hatten vollkommen Recht R. Jischmael b. E. den Märtyrertoo im hadrianischen oder im trajanischen Krieg sterben zu Lassen. — 23) Sohar T. 1!L. S. 31 b. tfjrJOT '"fl NIDOS p'M N3D. Das. S. 287. fOD NJDDn 'VI und njTMNV vergl. T. U S. 223 b. L. 2. S. 152 n.