Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 35 (1.9.1849)
- Date
- 1849-09-01
- Page
- Spalte 549-550 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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549 Studien. Opfer nach dem zweiten Tempel. 55V Nissim auch nach der Zerstörung ihre Stelle Ln den Sendschreiben behalten haben, aber nicht wegen eines sichern augenblicklichen praktischen Erfolgs, sondern wegen einer möglicher Weise eintretenden Tempelrestauration. — Für diese Ausgleichung, die uns bei der ersten Untersuchung ungenügend erschien, finde ich jetzt im Geiste jener Zeiten eine wesentliche Begründung. R. Nissim verweist bereits auf die talmudksche Diskussion Sukßa 41a, aus der hervorgeht^ daß man damals fast von Minute zu Minute -er Restauration des Tempels entgegensah. Am schlagendsten ersehen wir dies aus Ta^anit 17, wo verordnet wird, daß ein Kohen auch nach der Zerstörung an dem Lage keinen Wein trinken dürfe, an welchem er nach der Lempelordnung zur Tempel-Wache gehörte. Wir dürfen den Grund dieser Verordnung nicht etwa rationalistisch Ln der beabsichtigten Aufrechterhaltung eines romantischen Andenkens an den ehemaligen Tempel finden, da man damals, wie die talmudische Stelle unzweideutig ergibt, buchstäblich an -die Möglichkeit glaubte, daß noch an demselben Lage durch ein Wunder der Tempel in seiner vollsten Wirklichkeit restaurirt werden könne. tznpDn fT»3 JUD’ HIHD war das Losungswort. Man erwartete mit Rücksicht auf 2 M. 15, 17 einen übernatürlichen Tempelbau, dem beschränkte Zeit und Umstände keine Hindernisse bereiten. — Dieser naive Glaube hatte die glühendste Sehnsucht nach Wiederherstellung des vaterländischen Staatslebens zur Mutter und erzeugte wiederum die heldmmüthigsten Großthatm. Wenn wir daher den begeisterten.Aufschwung, den idealen Nakionalenthusi'asmus unseres Volkes, aus denen die verzweifelten Kämpfer jener Zeit gegen die unbezwingbare Uebermacht des Feindes hervorgingen, bewundern, so müssen wir auch jenen Volksglauben, der in seinem mystischen Idealismus allen sinnlichen Voraussetzungen spottete, so befremdend er auch uns in unserer Nüchternheit erscheint, gebührend ehren. Der Zeit der Hochgefühle folgte auch damals nach der vollständigen Pacisicirung die nüchterne verständige Prosa. Als sich die Radbincn in den Verhältnissen einfriedigten, mit dem Kaiser befreundeten und R. Elieser, der Sohn des eifrigen Patrioten R. Simeon b. Jochai, bereits als römischer Vogt fungirte, so verlegte man die Wiederherstellung des Tempels in eine messtanische Zukunft; man glaubte nicht mehr an die baldige übersinnliche Tempelrestauralion und Rabbi erlaubte auch wirklich den Priestern ihren Wein zu trinken vjrD Nnwi IfiGtf [NDD — Aus diesem Geiste ist es erklärlich, daß R. G. 11. und noch dessen Sohn R. Simeon Sendschreiben erließen, in denen sie die Schaltjahre aus Rücksicht auf die Opfer veranlaßten, weil ja noch bis zum Feste die Tempel- Restauration oder wenigstens die des Altars eintreten könne. — Die Sendschreiben bieten demnach auch abgesehen von Rapaports Erklärung keinen Beweis für die Fortdauer der Opfer. Ebenso steht es mit dem zweiten Beweise Jaabez's aus Pesachim 74 a, wo R. G. seinem Sklaven Tabi aufträgt das Pascha zu braten. Wir haben S. 369 nachgewiesen, daß sich diese Stelle noch eher auf R. G. 1. bezieht,, da Tabi der allgemeine Name für Sklaven, wie Tabita der allgemeine Name für Sklavinnen war. — Aber auch abgesehen von dieser richtigen Bemerkung und zugegeben, daß wir hier N. G. 11. Vorhaben, so beweist die Stelle durchaus nicht für die Existenz der Opfer nach der Zerstörung. Ja'bez versuchte nämlich folgende Schlüffe. N. G. 11. war nothwendig zur Zeit der Zerstörung noch sehr jung, da sonst R. Jochanan b. Sakkai nicht Rast werden konnte; der Auftrag des R. G. an Tabi in Betreff des Pascha geschah daher nothwendig nach der Zerstörung; also existirte das Paschaopfer auch nach der Temperzerstörung. Allein in diesem Syllogismus ist schon das erste Glied falsch. R. G. II. war nicht so jung zur Zeit der Zerstörung, da er Iebamot 122 a ein Urtel seines Großvaters R. G. 11. bezeugt. Die Chronologen folgern daraus, daß er zur Zeit des R. G. 1. schon über 19 Jahre alt gewesen, vergl. Seder Ha-Dor. s. y. 19 — R. Jochanan b. Sakkai mußte aus politischen Gründen das Patriarchat übernehmen, weil man befürchten mußte, daß die Koncession, welche an Jochanan b. S. von Vespasian in Betreff der Gamalielischen Dynastie gemacht wurde, von den Römern nicht gehalten werden könnte, da auch die von R. Jochanan angekündigte friedliche Uebergabe Jerusalems durch den hartnäckigen Kampf der Patrioten vereitelt wurde. — Aus ähnlichen politischen Gründen scheint auch R. Simeon b. G. 11. nach dein hadrianlschen Krieg nicht bald mit seiner Nasiwürds hervorgetreten zu sein und wir sehen auch die Diadoche der Bischöfe nach Hadrian unterbrochen. Wie die Juden fürchteten nämlich auch die Christen, welche von PeUa nach Aelia zurückkehrten, ferner ihre Bischöfe aus der Verwandschaft I esu den angeblichen Nachkommen Davids zu entnehmen. — Alle Chronologen hatten daher auch in unserer Stelle Pesachim 74a R, G. 11., als den Auftraggeber an Tabi, sie setzten aber das Faktum in die Zeit vor der Zerstörung, wo R. G. 11. schon blühte. Auch R. Salomon b. Aemach Daran, in seinem Kommentar zur tzaggada, den Chajes auffallend misverstanden hat, läßt den Auftrag an Tabi noch Zur Zeit des Tempelbeftcmdes geschehen. Nur ist die Chronologie Durans sehr mangelhaft. Den R. G. senes Sabbat 115a hält er für R. G. 11., die Fürbitte des R. 19) Das chronologische Kriterium, daß bei einem Ahnen und Epigonen von gleichem Namen letzterer nach dem Tode des erster» geboren sein müsse, findet hier keine Widerlegung, da R. G. 11. nach unserer Berechnung zur Lebenszeit seines Großvaters R. G. 1. den Namen Gamaliel erhielt. Daß dies nicht gerade hier nur aus dynastischen Gründen geschah, erweist sich aus Mezia S. 84 b, wo während R. Elieser b. Simeon noch lebte, Kinder nach ihm Eleasar genannt werden. — Aus diesem Grunde konnte auch durch R. Hillel 11. der Kalender allein mit Bezug auf und nnbiD festgestellt werden, wodurch die Rücksicht aus ftrjn beseitigt ist. — Aus demselben Grunde sagt auch R. Simeon b. G. 1!., daß das Schaltjahr selbst HDpnn hy allein veranlaßt wird, weil die andern Grunde 313^ und n'TD nach der Zerstörung aufgehört haben. — 35