Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 35 (1.9.1849)
- Date
- 1849-09-01
- Page
- Spalte 547-548 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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•518 Studien. Hillel der Aeltere. 547 hier fallen, um ihn an einem andern Orte wieder aufzunehmen und dann ausführlicher zu erörtern.^ — 7. Hillel's Sentenzen, die in den Talmuden zerstreut sich finden, athmen tiefen Ernst, hohe Sittlichkeit und zeigen von einer gesunden Weltanschauung. Vor Allem dringt er auf Friedfertigkeit und tzumani tat10:, .„©ei ein Schüler Ahron' s, friedliebend, friedfördernd, menschenfreundlich und Religionskenntniß verbreitend." — Der traurige Umschwung der politischen Verhältnisse, der — wie wir bereits mehrmals bemerkt — auch die religiLse Verfassung mehr und mehr gefährdete, hatte unter den Nationalen gegen die iduma'ischen Eindringlinge, die Veranlasser jenes Umschwunges, eine Erbitterung hervorgerufen, die nicht selten in Thätlichkeit überging. Nichts war natürlicher, als daß die Führer der Patrioten Namen wie Pinchas, Elija, tt. d. m. int Munde führten, um ihre Anhänger zu gleichem Eifer, wie Jene ihn geübt, anzuflammen. Das Auftreten des Judas Seraphaei und des Matthias Margalothi wegen des von Her ödes über der Tempelpsorre aufgestellten goldenen Adlers, — die Anreden, die sie da an ihre Jünger hieltenzeigen deutlich, welche Heroen aus der Geschichte ihres Volkes diese Eiferer sich zum Vorbilde gewählt. Solcher Maßlosigkeit gegenüber konnte der besonnene, mehr aus das Größere und Bedeutungsvollere bedachte Hillel nichts Besseres thun, als auf allgemein anerkannte Autoritäten hinzuweisen, die zu Gunsten seines Friedenssystems sprachen. Lautete der ewige Refrain der Eiferer: „Schauet auf Pinchas und Elija, und eifert ihnen nach!" — so war dagegen Hillel's Wahlspruch: „Sei ein Schüler Aharon's, friedliebend, friedfordernd, menschenfreundlich und Religionskenntniß verbreitend!" — Nicht die Personen, sondern den Irrthum bekämpfet! innb der Sieg der Wahr--* heit wird auf dem Wege des Friedens erfolgen. — An diesem Grundsätze des Nachgebens hielt SpiÜel so i'Js idh mi ' nm:> ^nnm ws ni -jd.i Dnrtny 'Dl 17IDU1 D3TJ1P D*?n ♦ D3D b'nnrj» bno1?. — Es dürfte hier noch folgende Stelle aus dem Sohar (t?ä. Amst. fol. 73 rr) am Platze sein: bbn jtt'N ]H3N ]irw * (etwa Dötf 'am 4 '»NDE'T ip Nh'mm rhn m1? ijhin xbi — Die im Texte aus dem Talmud mitgetheittert Beispiele der Verfahrungsweise Hillel's in der fraglichen Beziehung scheinen dem zu widersprechen; der Sohar müßte denn hier unter Nnmim nbü die Geheimlehre verstehen. — 17) Namentlich werden wir die in diese Frage einschlagenden Stellen in den Klassikern näher beleuchten. — 18) ppm * anw * pnN hw PTobnio in '»mfcpipDl mnarrntf D^IT. Der Tradition nach, bezieht sich die Stelle Mal. 2, 6 („nrPH fiDN min )iyo iwn Mal tun i?n -wo:» ahm lrraa") —- speeiell auf Ahron, den dev Prophet mit den betreffenden als Vorbild eines Priesters und Lehrers in Israel aufstE. — 19) Ant. XVII, 6, 2. beharrlich fest, ihn befolgte er so gewissenhaft in allen feinen Konsequenzen, daß er dem Tadel der Schwäche, des Mangels an Energie, nicht entging. So wollte er einst an einem hohen Festtag ein Ganzopfer darbringen, was nach dem Ausspruche seines Amtsgefährten Schammai unstatthaft war. 20 Unglücklicherweise waren gerade im Tempelhof mehre Jünger Schammai's anwesend. Um nun einen Konflikt zu vermeiden, gab Hillel das betreffende Opfer für ein Friedopfer aus, das auch nach Schammai's Ausspruch — freilich ohne Handauflegen — an einem hohen Festtag dargebracht werden durfte. Die Jünger Schammai's, glaubend, Hillel sei der Ansicht ihres Lehrers beigetreten, bekamen Muth und suchten das Volk mehr und mehr für diese Ansicht zu gewinnen, so daß die sonst übliche Darbringung von Ganzopfern an hohen Festtagen nach und nach ganz aufhörte. An einem hohen Festtag einst kam Baba ben Buti — ein Schüler Schammai's, der aber wußte, daß das Synedrium längst zu Gunsten der Schule Hillel's entschieden — in den Tempelhof und fand ihn leer; entrüstet über diesen Anblick, 'rief er aus: „mögen die Häuser Derer veröden, die das Haus unseres Gottes verödet haben!"21 — Darauf wurde die Entscheidung zu Gunsten der Hillel'- scheu Schule öffentlich proklamirt, und die Sache für immer festgestellt. — R. Isaak ber, Lasar radelt den Hilll c l, daß nicht er selbst jenen Jüngern Sch a m m a i 'e gegenüber mehr Energie gezeigt habe, wodurch die Sache gleich abgethan gewesen wäre; der Tadler gebraucht das Bild: „Eine Kohle, die nicht rechtzeitig angefacht wird, ist nicht mehr in Gluth zu bringen."22 — (Schluß folgt.) Die angebliche Fortdauer des jüdischen Opferkultus nach der Zerstörung des zweiten Tempels. Von Friedmcinn. (Schluß.l Beliebt man aber durchaus R. G. II. als Urheber des Sendschreibens zu halten, so bleibt noch die Ausgleichung des: R. Nisfim in seinem Kommentar zu Sanhedrm. Die Rück-- sichtsnahme auf die Opfer soll nach der Ansicht des R. 20) Beza 19 a; Ehag. 17a. — 21) 'iai uv6n nu idwp 4 ppna loc^ -iaTDiN ">dn n^i hbn ri'aa nabn nyäpj njwn nnno j. Bez. 2, 4. conf. Chag. 2, 3: 'm p pn$P '21 1D8* wm tö nnyifi/a nto N-orba 444 22) Siehe die vorige Anmerkung. —