Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1849)
- Date
- 1849-09-01
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Zehnt. Ich komme eben aus der City und habe es l aus dem Munde eines Banqulers. Sie tonnen diese ^Nachricht al^ eine verbürgte publiciren. Die Jndigna-! tion gegen die österreichische Blntherrschast ist so allgeurein, daß darüber vom Minister bis zu dem letzten Arbeiter nur Eine Stimme der Verwünschung laut wird,! und daß selbst die Banquiers und die Kaufleute von! dem Volksgeist ergriffen werden» Eine Deputation ist -bei Rothschild gewesen und hat ihn als Repräsentanten von London um seine Meinung in der Angelegenheit der österreichisch-russischen Anleihe gefragt. Man hat sich offen ausgesprochen und nicht verhehlt, wie die City in dieser Hinsicht vertreten zu sein wünscht. Die Daily News sprechen heute von der Unmöglichkeit, daß ein Jude nach dem Verfahren mit den Juden in Rußland und jetzt in Pesth für dies System Geld herschießen sollte; das würde heißen , die Mittel zur Vernichtung seines eigenen Volkes hergcben. Rothschild hat sich gestern schon erklärt. Er hat den Oesterreichern nicht zugegeben, daß die angebotenen Unterpfänder eine genügende Sicherheit gewährten. Die russische Anleihe hat er noch viel bestimmter abgelehnt. Er sähe nicht, wie man in London jetzt Geld zum Leuteschlachten in Ungarn sinden-könne. Die rothe Monarchie hat den Kredit verloren. Um Ihnen einen Begriff zu geben von der Macht des öffentlichen Geistes in diesem Lande, theile ich Ihnen noch eine andere sehr merkwürdige Thatsache mit. Es sind eine Menge russischer Agenten da, um theils die Presse zu kaufen, was aber sehr schwer ist, da in London 133 Journale und Revuen erscheinen, theils zu effektvolleren-Machinationen. Einer von ihnen hat diese Woche hier und in Birmingham überall die Gewehrvorräthe aufzukaufcn versucht und sogar 2 Schillinge mehr für das Stück geboten, um die Kontrakte für Ungarn zu durchkreuzen. Alle Waffenhändler und Fabrikanten haben diese Anerbietungen einmüthig zurückgewiesen und erklärt, sie wollten mit Rußland nichts zu thmi haben.und-keine Waffen gegen Ungarn liefern. Ganz anders also steht cs jetzt, wo Alles in dem großen Prinzipienkriege, der im Osten entbrannt ist, Partei ergreift, als im Jahre 1830, wo Rußland hier erstlich das polenmörderische Anlehen machen konnte und zweitens der russische General-Konsul Baukhausen 180,000 Gewehre aufkaufte und das Stück 5 Schilling über den Preis bezahlte, nur um sie den Polen zu entziehen. Rußland brauchte die Gewehre nicht. Sie blieben hier Jahre lang liegen und verrosteten in dm Kisten ehe sie abgesendet wurden. Polen und Rußland. Von bet russischen Grenze, 6. Aug. Wieder werden aus Rußland Maßregeln kund, welche den schwankenden Zustand jenseits der Grenze deutlich zeigen. Bei seiner letzten Anwesenheit in Kowno, die übrigens nur 15 Minuten dauerte, soll der Kaiser dennoch Zeit gefundetr haben zu befehlendaß für jeden polnischen Rekruten, welcher sich der Aushebung entzogen habe, zwei andere gestellt werden sollten. Es. scheint wirklich, als wäre es darauf abgesehen, das ganze Königreich seiner waffenfähigen Jugend zu berauben, run desto weniger von einem Aufstande besorgen zu dürfen. Denn auch in Rußland scheint man der Ueberzeugung zu sein, welche die Kreuzzeitung immer predigt, daß Polen und Juden die ewigen Revolutionärs seien. Darum wendet man sich nicht allein gegen die Polen, sondern auch gegen die Juden. Man wird sich noch eines Ukases erinnern , welcher die Juden auf 7 Meilen von der Grenze entfernte. Die Ausführung desselben ist an den Interessen der Grenzbeamten gescheitert, denn diese haben den Ukas nur dazu benutzt, die Inden in die kleinen, elenden Städte an der Grenze zu treiben, um dieselben besser beaufsichtigen und leichter auspresftn zu können. Denn das starke Schmuggelgeschäst wird meistens durch die jüdische Bevölkerung an der Grenze vermittelt. Jetzt hat die Krone einen anderen Weg eingeschlagen, die Juden von der Grenze zu entfernen. Es sind nämlich fämmtliche kaiserliche Hypotheken gänzlich gekündigt worden, mit der Aufforderung, entweder schleunigst zu bezahlen oder die Grundstücke dem Kaiser zu eigen zu überlassen. Beitrag Geschichte der Juden in Polen von L. Weyl in Schneidemühl. (Schluß.) Und die Deputation fuhr fort und sprach: Ausdrücklich heißt es in unfern Schriften^: 1) Et peregrino vim non inferes neque affliges eum; quia peregrini fuistis in terra Aegypti (Ex. 22, 20). ^h.) Peregrinum non opprimes; seitis enini peregrinorum animas, quia peregrini fuistis in terra Aegypti (Exod. 23, 9). 3j Si habitaverit peregrinws in terra vestra, non contristabitis eum. — Sed quasi indigena fit inter ros, 24) ad 1. Und einem Fremdlinge sollst du nicht Gewalt anthun und ihn nicht drücken; denn Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande Mizraim. ad 2. Und den Fremdling sollst du nicht drücken, denn ihr kennt das Gemüth des Fremdlings, da ihr Fremdlinge gewesen im Lande Mizraim. ad 3. Hält sich ein Fremdling auf in eurem Lande, so sollst du ihn nicht drängen. — Wie ein Eingeborner sei unter euch der Fremdling, der u. s. w. Und du sollst ihn lieben, wie dich selbst; denn- Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande Mizraim. ad 4. Recht übt er (Goct) gegen Waise und Witwe, er liebt den Fremdling und giebt ihm Brod und Gewand. — So liebet denn den Fremdling; denn ihr seid selbst Fremdlinge gewesen im Lande Mizraim.