Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1849)
- Date
- 1849-09-01
- Page
- Seite 158 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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158 diese bisher im Interesse der andern Parthei verwendeten Summe so lange lediglich im Interesse der. Beitragzahlenden selbst verwendet zu sehen, bis eine neue Organisation der Gemeinde die Bürgschaft gewährt , daß die Einnahmen der Gemeinde unter gleicher Berücksichtigung aller ihrer Angehörigen verwendet werden. (Beschluß folgt.) Deutschland's vereinigte Staaten. Aus Vorpommern/ im Juli. Ich übersende Ihnen eine Travestie des 137. Ps., an dem sich vielleicht manche Leser des Orients erbauen werden, wenn sie auch wie ich, nicht zu den „belagerten Demokraten" gehören: Der 137. Psalm. Des Belagerten Demokraten Jammerlied. 1. An den trüben Wassern der Paragraphen des oktrvyirten Wahlgesetzes saß ich lesend und weinte, als ich an die uns verheißene Freiheit dachte. 2. Meine verstimmten Gedanken hingen trübe an diesem Trauerbilde. 3. Denn darin setzten die, so uns belagert hatten, zu unserer Betrübniß: ,,Seid fröhlich auf Eurer Freiheit, denn Ihr habt das Recht zu wählen und nun macht Gebrauch von Eurer Freiheit, und wählt Abgeordnete zur zweiten Kammer!" 4. Wie sollen wir aber von nuferer natürlichen Freiheit und unserm Recht Gebrauch machen, auf dem unfreien und unnatürlichen Wege des oktroyirten Wahlgesetzes 1 5. Wenn ich die wahre Freiheit vergesse, so vergesse ich mein Recht. 6. Meine Zunge bleibe mir am Gaumen kleben, wenn ich zu einer unfreien Wahl meine Stimme gebe, und nicht die wahre Freiheit allein zu meiner höchsten Freude erhebe. 7. Gedenke, o Herr! den Kindern der Reaktion die Tage der Vernichtung unserer Freiheit, wo sie sagen: Vernichtet, vernichtet bis auf den Grund. 8. Du gewaltthätige Tochter Babels, wohl dem, der dir vergelte, wie du uns gelhan hast. 9. Wohl dem, der die jüngsten Kinder deiner gewaltthätigen Maßregeln zerschellen lasset an seinem felsenfesten Freiheits- und Gerechtigkeitssinn. A. Levelle. Arabischer Kreis, 20. Aug. Trotz der in der Verfassung vom 4. März 1849 ausgesprochenen Gleichstellung der Juden, die natürlich e.o ipso das ganze frühere pharaonische Familiantenverhältniß aufhob, machten doch die Stadtämter viele Schwierigkeiten, wenn sie einen Heirathsschem ausstellen sollten, indem sie die alten inhumanen Gesetze so liebgewonncn hatten, daß sie dieselben trotz Verfassung und trotz des neuen Geistes zur Norm aufstellten. Es ist mm den Bemühungen des Hrn. Moritz Jellinek in Ung.-Brod gelungen, diesen! Unwesen zu stenem, worin ihn der mährische Gouvermmr, ein humaner Manu, bereitwillig unterstützte. Es scheint doch der Regierung mitder Emaucipation der Juden Ernst zu sein. — U n g a t n. Ans Ungarn, 16. Aug.. Wenn ich Ihnen schon früher den Eifer der ungarischen Israeliten für die ungarische Sache mittheilte, wenn Ihnen die ungeheure Kriegssteuer, die den^Juden so oft auferlegt worden ist, dafür bürgt; so will ich Ihnen nur heute eine kleine Anekdote aus dem Erlebnissen eines ungarischen Juden referiren. Ein Arbeiter war von dem Strudel der damaligen Bewegung mit fortgerissen und freudig ließ er sich den Zettel mit dem gedruckten „Onkei^tes ä liazäerl“ (Freiwilliger für's Vaterland) ausstecken und hinaus zog er mit der muthigen Schaar ins Feld, wo Konfessionen vergessen werden und Alle nur für die Erreichung eines gemeinschaftlichen Zieles kämpfen. — Die Schlacht begann und - keck schlug sich der Israelit mit den Feinden seines Vaterlandes und seiner Freiheit. — Der General Bern hatte ein Augenmerk auf den wackeren Kämpfer und ernannte ihn znm Korporal. Eines Tages, nach einer gelieferten Schlacht, fehlte der Korporal mit einigen Leuten. Unter den Todten war er nicht — fangen laßt er sich nicht. -- Bern ließ ihn suchen, doch vergebens. Des Abends kam er endlich wohlbehalten zurück und brachte noch 40 Mann Gefangene mit. — ,,Wo waren Sie Hr. Korporal" redete ihn Bern an.' ,,Herr General, ich war nrit meinen Leuten in die Nähe des feindlichen Lagers gegangen, um wo möglich Gefangene zu machen. Und Gottlob, ist es mir geglückt". — ,,Herr Leutnant, erzählen Sie mir den Hergang." Der Schirellavaneirte erzählte. „Wir lagen im Hinterhalt, als diese kleine Abtheilung sich uns näherte. Hierauf erhoben wir ein großes Geschrei, um bei den Feinden Furcht zu' erregen. Wir riefen ihrrerr zu, die Massen zu strecken und sie, unsere Anzahl nicht kennend, thaten es." — „Doch verzeihen sie, Hr. General, ich bin kein Leutnant, und körrnte es auch nicht sein, da ich weder deutsch schreiben noch lesen kann." — ,,So seien. Sie Ofstcier und ihre Gage wird hinreichen, daß sie sich einen Schreiber halten' können",-— erwiederte hierauf der wackere Bern. — —l Großbritannien. London, im Juli. Baron Rothschild hat d i e ö st e r r e i ch i s ch e Anleihe positi v a b g e-