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Der Orient · 1849-08-18 · Heft 33 (18.8.1849) · p. Seite 151

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 33 (18.8.1849)
Date
1849-08-18
Page
Seite 151 (sequence 5)
Language
German
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151 - deter Anlaß zur Beschwerde dadurch gegeben werden. —- Aus Diesen Gründen muß es bei der Verfügung der kön. Regierung zu Oppeln vom 26. Febr. e. a. sein Bewenden behalten. Berlin, dm 16. Juni 1849. Der Minister der geistlichen Unterrichts und Medicinal- Angelegenheiten, gez. Ladcnberg. Der Minister des Innern. Im Aufträge, gez. Puttkammer. An die jüdischen Hausbesitzer zu Rosenberg. 6. Auf das Verstellen vom 1. d. M. erwiedcrn wir Ihnen, daß die früher bestandene Immunität des geistlichen und Lehr-Standcs von den Personalsteuern, worauf allein die spätere Bestimmung von der Klassensteuer sich gründet, immer nur auf die Pfarrer und Schullehrer der christlichen Konfessionen beschränkt worden ist. Wenn nun auch der Artikel 11 der Verfassungs-Urkunde vom 5. Februar pr. verordnet: ,,daß der Gen uß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte* von. dem religiösen Bekenntnisse unabhängig ist," so können wir Ihnen dennoch ans Grund dieser Bestimmung keiuien Anspruch auf das beregte Bene fiel um einräumcn, und zwar um so weniger, als das gleichzeitig miIr der Verfassungsurkunde erschienene Allerhöchste Patent über die Einberufung der Volkskammern, ausdrücklich eine Gesetzes- Vorlage wegen Aufhebung sämmtlicher Ksassensteuer-Befreiungen verheißt. Es steht zu erwarten, daß dieses Gesetz in Kurzem zurBerathung kommen wird, und werden Sie sich daher selbst überzeugen, daß unter solchen Umständen eine Ausdehnung der in Rede stehenden Immunität auf die jüdischen Geistlichen und Lehrer nicht mehr stattfinden kann, selbst wenn die Ansprüche derselben begründeter wären, als der beregte Artikel 11 der Verfassnngsurkunde es zuläßt. Oppeln, den 5. April 1849. Köuigl. Regierrulg, Abtheilung für die Verwaltung der direkten Steuern, Domainen und Forsten, gez. Rindlen. An den Rabbiner Hrn.-Dr. Levy zu Resenberg. , Diesem Verfahren gegenüber darf ich den Lesern dieses Blattes auch einen schönen Beweis von Toleranz und Edelsüm nicht voreuthalteu. Als nämlich vor Kurzem in der bereits oft erwähnten Stadt Rosenberg, der dasigc Rabbiner bei den städtischen Behörden cingekommen ist, ihn den christlichen Geistlichen gleich vonKommunalsteuenv zu befreien, so wurde ihm vom Magistrat und dem Stadtverordneten-Kollegium sein Gesuch genehmigt; wie ihm bereits seit einigen Jahren diese Behörden, mehrere Klaftern Holz aus dem städtischen Forsten alljährlich unentgcldlich zu beziehen verwilligt haben, weit auch die andern Geistlichen diese Immunität genießen. — So gering diese Fakta an und für sich sein mögen, zeigen sie uns doch deutlich genug, wo eigentlich die Intoleranz gehegt und gepflegt wird. — In dem Schriftstück der königl. Regierung sind, wie auch hier geschehen , die Worte „Genuß — Rechte" unterstrichen, und scheint die kön. Regierung damit andeuten zu wollen, daß nur in dieser, nicht aber in kirchlicher Beziehung an eine Gleichstellung zu denken sei. Wir hingegen sind der festen UeberZeugung, daß so lange die jüd. Religion, Synagoge und ihre Geistlichen vom Staate nicht anerkannt werden, auch jede bürgerliche Emancipation ein Unding istz wie konnte denn der Sraat solche Bürger mit Aemtern betrauen, die nach seiner Ansicht, so viel wie keine Religion haben? — Aus Vorpommern, im Juki» Da ich in der Regel sehr unleserlich schreibe, so daß die.Herren Setzer mit meinen Berichten ihre liebe Noth haben müssen, so will ich meinem Heurigen einige Worte an die „Muse" vorausschicken, die mich vielleicht zugleich aus meiner ziemlich prosaischen Umgebung ins Poetische erheben: „Lege die zierlichen Finger, o du mir dienstbare Muse, Die zu singen du nicht aber zu schreiben verstehst, Lege die zierlichen Finger der Hand an die spitzige Feder Tauch' in die Schwärze der Fluth den durstenden Schnabel bedächtig Das er nicht saugend zu viel einem Betrunkenen gleich, — — — lehre den Kiel dies vielmehr So mit sicherem Wurf dahin streuen leichter Gedanken Bildungen, daß kein Wort brauche den bessernden Strich." Daß ich so lange geschwiegen geschah weil ich Ueberfluß an Zeitmangel und Mangel an Stoffüberfluß habe, und dann sind die Erscheinungen auf dem Gebiete drs jüdischen Lebens jetzt von der Art, daß Einem die Lust vergeht, sie noch erst durch Worte zu sixiren. Es lief Alles kraus und bun( durch einander, so im Religiösen, wie im Politischen. Die Extreme berühren sich, und die Wahrheit — sie wird von allen Seiten so in die Enge getrieben, daß sie schier in Gefahr ist, erdrückt zu werden. Zndeß fürchten Sie nicht, daß ich heut wieder mit einer so traurigen Epistel komme, wie die m Nr. 19. Bewahre, es sind nur einige Notizen, die ich anzumerken habe, wobei ich ganz kurz und trocken sein werde, wie unser diesmaliger Sommer. Und nun weiter keine Vorrede, denn heutzutage läßt man sich so leicht nichts v orr e d en, wenn man sich auch manche Nachrede gefallen lassen muA sondern gleich zur Sache. Zuerst Etwas aus Neu-Vorpommern, worunter der Regierungsbezirk Stralhaus Zu verstehen. In diesem Theile unserer Provinz finden Sie nur wenige Juden (bis zum 23. Juli 1847 dursten ln den meisten Ortschaften keine wohnen!, die nirgends so groß an Zahl sind, daß sie eine Gemeinde bildenz an Minja n ist nicht zu denken, mitunter kaum an Mesuman. Selbst in Greifswald wohnen nur einige Familien. Die einzige Gemeinde ist Stralsund, die c. 16—18 Familien zählt, worunter mehrere gebildete sein sollen, die auch jüdische Blätter lesen z ich führe dies deshalb hier an, weil ich eine Anzahl größerer Gemeinden kenne, wo kein jüdisches Blatt gehalten wird, während man Blätter anderer Tendenz, wenn sie noch so fade, noch so inhaltsleer, nach Kräften unterstützt. Die Ursache dieser Erscheinung liegt tiefer, als daß ich sie hier mit Wenigem anzugeben versuchen sollte. Von den sonstigen Verhältnissen in Stralsund ist nicht viel zu sagen, es geht wie in den meisten her und ist das religiöse Leben ein sehr mattes. Gegenwärtig ist wieder, was zum Nachthei! des Ganzen nur zu oft geschieht, das Kantorat in St. vakant, das jährlich ein fixes Einkommen von — 60 Thlr. gewährt und außerdem noch Mttagstisch, also täglich 5 Sgr. und dafür hat der Glückliche blos fünf Aemter zu bekleiden (die näher zu bezeichnen. Ich für überflüssig halte). Ist das nicht aller liebst? Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen

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