Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1849)
- Date
- 1849-08-18
- Page
- Seite 152 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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152 üva-re. Es ist mS glich.!, 'büff. Ge - S-lralsunder wegen dieser Bemerkung ungehalten auf mich sind; mögen sie. Ich will ja hiermit der Gemeinde zu Sr. keinen Vorwurf machen; sie ist's ja nicht allein; ich hebe es nur hervor, weil ich schon früher einmal Ae.lMches ausgesprochen (Nr. 42,43,44 v.J.); ich will nur sagen, daß der geringste Dorfküster ein besseres Einkommen, wenigstens eine festere Anstellung hat. Doch, vielleicht wird's mit der Zeit besser werden. 'S wäre sehr zu wünschen. In Dem in hat sich ein gewisser Dr. Rosenberg, der dort Hauslehrer ist, durch seine politische Wirksamkeit (er ist nämlich Präsident des demokratischen Klubs) sehr hervorgethan, was die Herren der Aristokratie und Bureau kr a ti e sehr in Harnisch gejagt, aber Hr. R. behauptete sich auf seinem Platze. Die Gemeinde zu D. hat eine gute Synagoge, aber das religiöse Leben ist in den letzten Jahren sehr gesunken; der Jndifferentismus blüht. Besser sieht's in dieser Beziehung en Anclam aus, wo für die Hebung des Gemeinde-, Synagogen- und Schulwesens nach Kräften gewirkt wird. Ueberhaupt ist's erfreulich, daß A. trotz seiner Nähe an Meklenburg von der in M. vorherrschenden destruktiven Richtung im Allgemeinen frei geblieben und es hoffentlich auch bleiben wird. Die Gemeinde zu P a s e wa l k hat seit einem Jahr einen Prediger und Lehrer und fängt an modern zu werden; was wollen Sic mehr? Vor Kurzem sind dort zwei Juden, weil sie der demokratischen Richtung angehörea ^Stadtverordneten gewählt worden, im Gegensatz von Berlin, wo Dr. Veit weil er konservativ, Stadtrath wurde. Stettin, die erste Gemeinde unserer Provinz, ist noch immer eine Mustergemeinde, was sie in Betracht der ihr zu Gebote stehenden Mittel auch sein muß. Näheres über St.'s Verhältnisse zu berichten, bin ich heute nicht im Stande und wünsche ich, daß dies Hr. Dr. Meisel thun möchte. Hr. Dr. M., dessen treffliche Predigten recht viel Gutes wirken, ist, wie ich höre, gegenwärtig mit mehreren, literarischen Arbeiten beschäftigt, und ist es nur zu bedauern, daß jetzt unter den Juden so wenig Sinn für ihre Wissenschaften herrscht und es zu den Errungenschaften. des Märzes gehört, kein Bekmntniß zu haben. In Pyritz, wo der Judenhaß noch zu Hause, ist vor einiger Zeit ein Israelit (Herr Hirschfeld) zuin Rathsherrn erwählt worden. Mit dem Gemeindewesen syll's in P. sehr übel bestellt sein; die Gemeinde ist uneinig und die Schule liegt in den letzten Zügen. Gott beffer's! In Stargar d wollte man im vorigen Jahre einen Prediger und. Religionslehrer engagiren, es sollen zu dem Ende auch mehrere Gast- und Probepredigtea gehalten worden sein, aber Sie wissen ja, wie es bei dergleichen Fällen bei. uns gehr; es kam nichts zu Stande. Wo das Wort poltert, da hinkt die That, hat einmal Ihr Netzdistriktskorrespondent Hr. W.*) gesagt und er hat nicht ganz Unrecht. Jetzt hört man von St. gar nichts und das soll ein gutes Omen sein. Möglich. Nun noch Einiges aus Hinterpommern. Die Gemeinde zu Cöslin, Verlag von C» L. Fritzsche» berühmt durch ihren Rabbiner I., berühmter durch die Abschaffung des 9. Ab und am berühmtesten durch die Adresse an die Rabbinerversammlung, ist noch immer rabbünerlos. Hr. I. ist fort und mit ihm min HJD Dtt TUS rTTH »"US. Von Cöslin weiß ich weiter nichts zu sagen, als daß der, den Lesern des Literaturblattes bekannte Herr Dr. Frankel dort wohnt; möchte sich derselbe bewogen findim, seine interessanten „biographischen Skizzen" fortzusetzen. JnBelgard herrscht eine lobenswerte Ordnung, wozu außer dem Vorstande Hr. M. Lewy viel beiträgt. Auch der Jänglmgsverein verdient Erwähnung. In Polzin, wo am letzten Jom Kippur noch Lärm in der Synagoge gewesen, fängt es schon zu dämmern an; wir wünschen ihm eimen guten Morgen. In Zempelburg mußten vor einiger Zeit einige Personen aus der Synagoge gebracht werden; über das Nähere lassen Sie mich einen Schleier breiten. — Dramburg ist eine ruhige Gemeinde; das Gegentheil davon, ist Falkeriburg, von der man erbauliche Geschichtche» erzählt, die ich heute übergehen muß. In Neu-Stettin herrscht Uneinigkeit, so daß man den Rabbiner Victor, einen tüchtigen jungen Lehrer, die Stelle aufgekündigt und den alten Schlendrian wieder herzustellen suchte. Auch das ist eine vonden Früchten der Freiheit. Anerkennung verdient die Gemeinde zu Stol p, der das Prädikat einer friedlichen im vollen Maaße gebührt; darum gedeihet dort auch Alles so schön! An. der Religionsschule, die mehr als andere der Art leistet, wirken der Dr. Klein und Kantor Fr ie dl an der. Seit dem letzten Pesachfefte ist eine neue Gebetordnung eingeführt, die allgemeinen Anklang gefunden. Hr. Or. Klein hat einen Entwurf einer vereinfachten zeitgemäßen Liturgie nebst Motiven angefertigt, die aus einem allgemeinen Theile, worin über Ursprung, Form und Inhalt der Gebete gesprochen, und einem besondere Lheite, worin die eigentliche G e b e t o r d n u n g , wie sie für die Gemeinde zu Stolp zweckmäßig befunden wurde, beftebt. Es wäre vielleicht im Interesse vieler Gemeinden Pommerns, wenn Hr. Dr. K. sich veranlaßt fühlen möchte, diese Arbeit apart oder auch in diesen Blättern abdrucken zu lassen. Nun genüge für dies mal. W. '*) Ich grüße diesen Herrn, und danke ihm für die Mittheilung in Nr. 31 über das Schulwesen im GH. Posen; obgleich ich für Konfessionsschnlen bin, wie ich nrich schon' anderweitig ausgesprochen, so bin ich gegen alle geistliche Bevormundung d e s L e h r e r s; ja ich weißaus Erfahrung, daß die christlichen Geistlichen, die in der Regel Schulinspektoren sind, ihr Amt oft genug dazu anqewendet und noch anwenden, den Lehrer zu knechten, aber ich weiß auch, daß sich mancher jüdische Lehrer Letztere dennoch lieber zu Schulinspektoren, wünscht alöRabbiner, die selten praktische Schulmänner sind. Ausnahmen giebt'6 freilich. Wo also gar ein hierarchisches Gelüst das Motiv eines Geistlichen ist, die Inspektion der Schule an s.ich zu reißen, da ist es Pflicht, mit allen Mitteln dagegen zu kämpfen. Denn die Zeit des Druckes ist vorüber! Druck von I. H. Nagel.