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Der Orient · 1849-08-11 · Heft 32 (11.8.1849) · p. Seite 147

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 32 (11.8.1849)
Date
1849-08-11
Page
Seite 147 (sequence 5)
Language
German
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147 geud! — Auö D.Crone haben wir Ihnen erst au: Schlnssc unseres vorigen Berichtes ein schoneö Kuriosum nutgetheilt, dem wir heute weiter Nichts hiuzuznfügen haben. — In Flatow wird derjüd. Lehrer C. vom Rabbiner hart verfolgt, weit er (der Lehrer) eö für keine Sünde halt, am Sabbat mit dem'Stocke zu promcmrcn. . Der Fanatismus dcö orthodoxen Rabbi geht so weit,, daß er cs nicht scheut/ von der Kanzel herunter den stocktragcnden. Magister anzugreifen und schreckliche Bauubullm nach ihm zu schleudern. Welche Verblendung!'— In den Gemeinden des rechten Welchseluferö scheint man schon viel weiter mit dem Zcitgeiste fortgeschritten zu sein, alö in denen des linken. Graudenz j. B. hat schon längst einen würdevollen, geregelten Gottesdienst nebst Chorgcsang. Culm desgleichen, In letzterer Stadt, wo vor einigen Jahren der bekannte Jelvwiez die ,,Sturm-Ncform" predigte,* ist seit Mehrern Monden der talentvolle Dr.- Wolff auö Mestritz^ als Rel.-Lehrer und Prediger allgcstettt, der iw jeder Beziehung seinen Platz würdig auöfüllt. In Schwctz a. d. W. wird durch den Theologen S. Cassel daö Wort Gottes verkündigt. — Thoeir hat den, früher in diesen Blätterw mehrmals geuaiuttei: Dr. Cracancr zum Prediger. Die stabile Orthodoxie bildet Opposition gegen ihn, jedoch — wie man hört ^— ohne Erfolg.— In Elbing ordnungövollcr Gottcsdicnst, Chorgesang und Predigt (Dr. Sommerfeld).'^ — ^lir der westprenßischpoluischen Grenze liegt die Gerneiudc Gollub, 4 reich an Juden und aschgrauen OrthodoriönluS. — Das lieber Hr. Redakter, ist Alles, waö ich Jhlwu heute auö mci- . uem Nachbarlandc rnitzutheilen weiß. W. Hamburg im Juli. (Die moderne Intoleranz.) Seit der Entstehung des herrschenden Glaubens waren die sich Rechtgläubige Nennenden m einer schrecklichen und zugleich lächerlichen Intoleranz befangen, welche daö ganze soeiale Leben bedrohte. Jeder' wähnte iin Besitz des allein scligmachenden Glaubens zu sein und fühlte sich berufen, den Andersdenkenden, statt ihn zu bemitleiden, .zu — verfolgen. Die herrschende Kirche .that dies mit Schwert und Feuer, der ohnmächtige Jude mit Verwünschung seiner eigenen Stammverwandten. Doch als die Zeit die Verblendeten belehrte, daß die Verfolgung zwecklos, daß der freie Wille, der sich nicht fesseln läßt, das einzige Gut auch dcö Schwachen sei, da ließ der Eifer nach. Ein Waffenstillstand trat ein, der eine Aussöhnung, eine Verbrüderung in Aussicht stellte; aber leider scheint cö, als wenn die bis jetzt Verfolgten mit diesen: Waffenstillstände nicht zufrieden feie::. Eine modcrne Intoleranz der Rationalisten will die Religion aus den Schulen verbannen, damit sic bald, gänzlich aufhöre.; sie soll unter Controlle dcö mehreutheilö unwisscu- 1) Vorher in Marienwerder, nachher in Cöslin — jetzt nirgends. 2) Mitarbeiter des LB. 3) Ehemal. Herausg. des Sabbath-Blatteö. 4) Halb polnisch, halb.preußisch. den Vaters gestellt werden. Hier berühren sich die Cx* tvcmcl Mau bedenkt nicht, daß Strcngglauben und Nichtglanbeu nur aus Meinung beruhen, die, wie der alte Hegel sagt, ,,nicht Deinung unb nicht S c innig" ist. Die Freiheit der Meinung, die der Freisinnige durch schwerer: Kampf errungen, will er nun betn Orthodoxen nicht gönnen. Und :vaS ist die Folge da- . von? Der bereits zur Toleranz gelangte Orthcdere kehrt wieder zur früheren Intoleranz zurück, sucht alte längst verrostete Waffen hervor, deren Untauglichkeit er schon längst erkannt hatte, die ihm aber für die einzigen gelten, um Gleiches mit Gleichem zu bekätnpfen. Warum allenthalben und auch hier ein Streben, die Religion zu drangen? Fühlen sich die Helden der Neologie so glücklich, so moralisch vcllkonunen, daß sic der Religion nicht bedürfen, so sollten sie doch bedenken, daß neben ihnen eine minder glückliche Mcnschenklasst stehe, der der Glaube so nöthig ist wie daö liebe Brod.^ Eö vertragt sickschlecht mit dor moralischen Ueberzeugnng, dem niedriger Stehenden fctiuii einzigen Trost in Leiden zu verkümmern. Soll die Jugend oder der stets jugendlicheHanfe bloö mit rationellem Glauben ausgerüstet dastehcn können? Freilich sagen tvir mit Pope: ,,Alles waö da ist, ist ewig recht;" und ist die jetzige Ucberstürzuug eine Folge der frühen:, so in der Politik wie in der Religion. Aber Ihr Männer dcö Tcigcö, glaubt Ihr wirklich, Vertreter des Volkcö zu sein, so haltet daö für ncthwendig, was den: Volke heilig ist und trotz der vielen Mißgriffe heilig bleiben muß, wenn Ihr ihn: nicht einen Abgrund öffnen wellt, vor dem Ihr einst, selbst znrückschandern werdet. Eö ist eine sehr hänsig geniachte Bemerkung, daß die Geschichte die vortrefflichste, aber zugleich die an: schlechtesten befolgte Lehrerin' sei. Noch sollten die Worte der Neligionöschäuder in Pariö 1794 nicht verklungen sein, Worte, die zu den blutigsten Thateu führten; Werte, durch welche eine gemeine Buhlerin alö Göttin der Verminst preklamirt wurde, und die an: Ende den maßlosen Eifer der Bigotten hervorricfeu. Die Religion ans der Schule verbannen, heißt sie für die menschliche Gesellschaft entbehrlich erklären; ein Unternehmen, in welches sich gar bald Politik mischen wird, so daß wir Aussicht haben, zugleich einem politischen und einem religiösen -Fauatiömuö zu unterliegen. Glaubt Ihr aber eine völlige Umwälzung in den geistigen Bestrebungen zu erzielen, so vcrgcßt nicht, daß solche nur durch große Geister (die wir dermalen nicht haben) oder allmalig durch die Zeit gelingen können. Aber,die Zeit will Zeit Habel:. Moseö Mendelson. Der Dorfgeher. SJon Leopold Kompert. (Fortsetzung.) „Schmäh Israel!" rief, die Hände in einander schlagend, Rebb Schimme» „will mir also das eigene Weib und das eigene Kind nicht glauben, daß ich ein armer, geplagter Mann bin? HL'tt' ich denn Rösele nicht schon sechs Mal unter die Haub' gebracht, wenn das wär, kn mein Vermögen gestanden?" „Hast Du mich schon so reden gehört?" sprach dagegen

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