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Der Orient · 1849-08-04 · 31 (4.8.1849) · p. Spalte 491-492

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
31 (4.8.1849)
Date
1849-08-04
Page
Spalte 491-492 (sequence 6)
Language
German
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491 Studien. Die Komposition der Pirke Abot. — Replik- 492 Wesen -es Effä'ismus klar werden. Mit Recht bemerkt Frankel (Zeitschrift III, 450), daß Josefus in der Klassifikation der Sekten nach fremden Schemen gearbeitet habe, und daß wir Effäer und Peruschim nicht so streng von einander sondern dürfen. Mit Berücksichtigung der Widersprüche, die in den Berichten des Josefus und Philo herrschen, denken wir uns das Verhältniß der Essäer folgendermaßen. Zwei Hauptrichtungen bewegten das Judenthum gegen ^Ende des zweiten Tempels: die saddukäische und die essäische. Aus der sadduka'ischen entwickelte sich die Lehre des Simon Magus und der epikurartige Sensualismus. Die Essäer, die doch bekanntlich in verschiedene Grade zerfielen, spalteten sich nach drei besonder» Richtungen: die dialektischen oder pneumatisch-theologischen, der praktisch-moralischen und der mystischen oder religiös-idealen. Der dialektischen Richtung gehört die talmudische Methode, aus welcher Paulus hervorging, an den sich die Gnosis anknüpft, .der moralisch-praktischen die einfache homiletische Lehrweise und die Richtung auf das Leben, aus welcher Petrus sich entwickelte, der mystischen die Lehre von nWTD ntPJJD und rjDD“)D rwyc, deren Jünger Johannes^ war und welche die allegorisch-symbolisch-typische Richtung hervorbrachre. Im Herzen des Essäerthums wogten die Elemente vermischt, sonderten sich aber später zu verschiedenen Gestaltungen. Die mystische Richtung hielt sich an das Cölibat, während die pneumalisch-theologische die Ehe von der Seite der Fortpflanzung und der Fernhaltung von Unzucht betrachtete, in welchem letztern Sinne auch Paulus die Ehe auffaßte. Einen geheimnißvollen Orden konnte nur die mystische Richtung bilden; daher die Vorsichtsmaßregeln der Lehrer (wie sie in Chagiga geschildert werden), die Bemerkung (Bereschit Rabba, K 3) PPhyDW DBO, und nanuy mD1N^ “MSN D’aia, was auf die esotirische Seite möge der eben aufgezählren drei Grundrichtungen derselben, sich nur ein Theil derselben mit den Peruschim vermischte, ein anderer aber sich der Christusbewegung der Zeit anschloß, ein Theil endlich eine kleine Sekte für sich bildete, an welche Elxai mit seiner Pseudoprophetie sich wendete (Epiphanius baer. 19). Auf diesen letztern Punkt kommen wir noch in der Untersuchung über „Gnostisches und Antignostisch es" zurück. 2) Bergt. Mischna Chagiga II, 1: ntfiflbiSa tariDDH HD ntytf? HD , N3 And A ^Nl onai nriN1 2 3? HD) D’Jöb PID, mit Philo, quod omnis probus Über: „den logischen Theil der Philosophie, der nicht nothwendig ist zur Erreichung der Tugend, überlassen die Essäer den Wortklaubern, den physischen Theil, der über der Natur des Menschen ist, denen die sich in höhere Regionen schwingen wollen, mit Ausnahme dessen, was vom Dasein Gottes und den Ursprung alles Seienden handelt." Daher auch der Schlußsatz der Mischna: rj)p. «7^3 fyp on bin C&ljA Na Nbsy b ')N->. 3) Wir werden daher auch mit B a u r die Apokalypse, im Gegensatz zur gewöhnlichen Kritik, als eines der ältesten Stücke des neutestamentlichen Kanons gelten lassen. hin'oeutet. Fassen wir den Essäismus in diesem weitern Sinne auf und lassen wir blos den mystischen Theil in das Dunkel des Ordens gehüllt sein, so gestaltet sich der Geist der ersten zwei Jahrhunderte immer lichter und klarer, wenn wir den Alexandrinismus noch als Agens hinzunehmen. Wir werden daher auch mehr Spuren der Effäer finden, als man gewöhnlich annimmt. Wenden wir uns nun zu den Pirke Abot. Es würde die Grenzen einer Zeitschrift überschreiten, wollten wir bei jeder einzelnen Sentenz den effäischen Hintergrund zeigen; wir beschränken uns blos auf das Charakteristische. Auf die Lehre von einem künftigen Leben wird besonders Nachdruck gelegt. Siehe I, 3; II, 1. 7. 18. 20; UI, 1; IV, 12. 21. 22. 29; V, 23 Die Art, wie man in die Lehre eingeführt wird, stimmt ganz mit den Berichten über die Essäer ein, wie schon Rapaport (Kalir, Anmerkung 20^^emerkte. Siehe VI (m>n pp plQ), 4. 6. 9. Der Satz: n^lNJI NOD TON DESQ 1D1 "ONH fc 'DT nhtyb ist effäisch, indem auch Josefus berichtet, daß „sie schwören, Niemanden die Lehre anders zu übergeben als sie sie empfangen". Daher Edujjot I, 3: >31 Die Eröffnung des Ganzen mit Mose (.1^3 rmn ^Dp) soll nicht den ersten Ring der Traditionskette bilden, sondern beruht darauf, daß die Effäer die größte Verehrung nach Gott vor Mose hatten. Ihnen haben wir auch die haggadischen Aussprüche über Mose zu danken, und aus dieser Concentrirung der Verehrung auf eine Persönlichkeit, bildete sich spater die Auffassung Jesu heraus. Auf dem angeführten Ausspruch des Josefus beruht auch, daß im ersten Abschnitt hervorgehoben wird, wer empfangen hatte und von wem empfangen wurde. Da das Ganze nur Fragment einer effäischen Urschrift ist, so brauchen die Kommentatoren sich nicht zu wundern, wenn die Traditionskette in ihrem Sinne unterbrochen ist. — Der Leser gehe nun die Pirke Abot von diesem Gesichtspunkte aus durch, vergleiche die Relationen des Josefus und Philo über die Effäer, berücksichtige auch, was wir über den gnostischen Theil derselben mitgetheilt haben, und überzeuge sich, daß der essäische Geist durch das Ganze weht. — Doch wollen wir einzelne Aussprüche, deren essäischer Hintergrund nicht so leicht in die Augen fallen dürfte, hier zu erläutern suchen und dann das Resultat dieser Hypothese zusammenfassen. (Beschluß folgt.) Replik. Noch bevor ich zur Ausarbeitung der Fortsetzung meines Aufsatzes im Orient „über die Fortdauer des jüdischen Opferkultus" schreiten konnte, fand ich in Nr. 26 des LB.'s eine Entgegnung auf den ersten Theil desselben, mit der es der Verfasser, Hr. Friedmann, etwas eilig war, da er die

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