Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 31 (4.8.1849)
- Date
- 1849-08-04
- Page
- Spalte 493-494 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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493 Studien. Replik von M. B. Friedenthal. 494 Fortsetzung nicht abwarten zu brauchen glaubte. Aber bevor ich zur Sache selbst komme und mich in wesentliche Erörterungen über die aufgestellte Meinung des Hrn. Friedmann einlaffe, finde ich mich veranlaßt, auf seine Nebenbemerkungen über mein Unternehmen, als hätte ich mich zum Ritter für die Verteidigung der Ansichten des sel. Creuzenach und des Hrn. CHajes aufgeworfen, einzugehen. Nichts lag mir ferner als dies; denn abgesehen davon, daß mein vorgerücktes Alter es kaum zuläßr, Dienste der Galanterie zu übernehmen, so kommt noch der Umstand hinzu, daß ich von Jugend auf das Glück hatte, mit tüchtigen Gelehrten verschiedener Fächer Umgang zu pflegen, und von ihnen lernte, fern von jeder Befangenheit oder leidenschaftlichen Gereiztheit die Wahrheit eines Gegenstandes zu ermitteln, um sie dann in ihrem reinen ungetrübten Glanze erschauen , und erfassen zu können. Wenn es mir nun schien, daß in den durch Rapaporl, Chajes und andere bedeutende jüdische Gelehrte neuerer Zeit angestellten chronologischen und historischen Forschungen über die Bücher und Männer der Tradition, die des Rapaporr sich einer Bevorzugung gegen die des Chajes zu erfreuen hätten, dies mir aber nicht als richtig erschien, so gab dieser Umstand allein Veranlassung zu jenem von Hrn. Friedmann getadelten angeblichen Ritterdienst für Chajes. — Ich schrieb im Dienste der Wahrheit, und nicht in dem der Galanterie, und da war mein Eifer meines Erachtens am gehörigen Platze. Zeigt uns ja der Talmud bei vielen Gelegenheiten, daß auf dem Felde der Wissenschaft weder Vorurtheil noch irgend eine Befangenheit vorherrschen darf (nDNE' HD NH flN *?3p); selbst Rabbi Meir hat sich von dem Atheisten Ach er belehren lassen. Alle Fragen über dunkle Stellen aus der Bibel und derTradition, die die Gelehrten seit mehreren Jahrhunderten ausgestellt, finden wir in unfern Schriften aus den letzten 1860 Jahren. Es ist wahr, daß manche Frage in übertriebenem Eifer für die Religion schlecht beantwortet wurde , die Vernünftigeren ließen die angegebenen Dunkelheiten unerklärt, ihre Lösung der Zukunft überlassend, ohne gleich unseren Neologen mit ihrer Kritik Alles zu zermalmen. Wir baden zwei Bücher Gottes, das eine die Natur, das andere die Bibel. Wenn wir in dem erftern viel Unbegreifliches einräumen müssen, warum gegen das andere strenger und minder günstig verfahren? Den Trost der Männer Gottes bei schwierigen Aufgaben, bei rätselhaften Verkettungen des Schicksals, war die Zukunft, die nur allein den Plan Gottes entschleiern und das Räthsel lösen chird T]2 pqnn D'D'H mnNn (3er. 23, 20). Abraham, Mose, David, Jesaja, Habakkuk bis auf Maimüni haben solche schwierige Fragen zur Ermittelung der Wahrheit ausgestellt, auch wir wollen in deren Fußtapfen treten, und das für die Jetztzeit Unauflösbare der Zukunft überlassen. Wenn sich ferner Hr. Friedmann in Bezug auf meine als Vermuthung aufgestellte Meinung, daß die Stellen in den Kirchenvätern sich auf die Opfer der Samaritaner beziehen (was er übrigens keineswegs durch beigebrachte Citate förmlich widerlegt, vielmehr uns dies erst in Aussicht stellt), die Behauptung erlaubt, daß ich das Lesen der Kirchenväter nicht für angemessen halte, auch ihre Werke nie gelesen hätte, so kann ich ihm die Versicherung geben, daß ich sie und namentlich die des Augustin und Eusebius genau gelesen habe; erstere zum Theil in meiner Jugend, als ich noch der lateinischen Sprache mächtiger war, zum Theil nachher in französischer Sprache, letztere in Uebersetzungen. Ich bekenne übrigens, daß das Lesen dieser Schriften allein nicht hinreichend ist, um mit Erfolg historische Forschungen anzuftellen, was ich einem Zunz, Jost, Fürst u. a. Philologen von Fach überlasse, und deshalb füge ich auch die Bemerkung hinzu, daß ich aus Mangel eines eigenen Studiums die Vermuthung ausgesprochen habe, daß diese Stellen sich auf die Samaritaner beziehen, eine unschuldige Vermuthung, die der Erörterung der Geschichtsforscher überlassen bleibt. Ich werde mich jedoch nicht erkühnen, in der Religiosität höher stellen zu wollen, als Me nasse ben Israel, der in mehreren Abschnitten seines Werkes Nischmat Ha-Adam in historischer und dogmatischer Hinsicht die Schriften der Heiden und Kirchenväter als Citate anführt. Auch ist es sehr befremdend, daß Hr. Friedmann meinen Ausdruck: „daß ich mich niemals mit dem Studium der Kirchenväter befaßt habe, so genommen hat, als wenn ich deren Werke nie gelesen hätte. Zwischen studiren und Lesen ist ein großer Unterschied. ' Das erstere berechtigt, ein gelehrtes Urtheil über deren Inhalt abzugeben, aber letzteres nicht. Ich hatte mich nur erdreistet, in theologisch-dogmatischer Hinsicht über die betreffenden Meinungen mein Urtheil abzugeben. Besonders befremdend ist mir manche' Aeußerung des Hrn. Friedmann, da er mich doch selbst zur Recension aufgefordert hatte, und nach seiner politischen Gesinnung Aufrichtigkeit und der Muth einer Meinung zu den Hauptverdiensten gehört, die jedoch auch anderen Parteien gestattet sein sollten. Bis jetzt hat Hr. Friedmann die von ihm erwähnten Stellen, um meine Vermuthung zu widerlegen, noch nicht angeführt und gedeutet. Wenn ich behaupte, daß die Aussprüche unserer Tradition in diesem Gegenstände den Vorzug verdienen vor denen der Kirchenväter, so findet sich selbst in der Abhandlung der Herren F. und G. ein Beleg hierfür, da letztere sich sehr zu der Meinung der Nichtfortdauer des Opferkultus wegen des Dogma's hinneigen. Keineswegs aber schätze ich die externen Quellen gering, in meinen Schriften habe ich hiervon hinreichende Beweise gegeben, und wenn ich selbst die Meinungen heidnischer Philosophen nach dem großen Vorbilde des Saadja, Jehuda Ha-Lewi, Maimuni re. nach Gebühr würdige, so bin ich auch weit entfernt, die Geschichtsquellen der Christen, die ich gleich Jaabez, Flekeles und Landau als r^n nj) betraute, zu verachten. Daß ich mit echt konstitutioneller Loyalität den Märtyrer Akiba als Empörer betrachte, findet sich weder in meinem Aufsatze noch sonst irgendwo in meinen Schriften, es ist dies eine Beschuldigung, die durch Nichts begründet ist. Und so halte