Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1849)
- Date
- 1849-08-04
- Page
- Seite 142 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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142 neu, alles Unterrichts, aller geistigen Ausbildung zu entbehren gezwumgen sein! — Die Gemeinden haben sich von Der Schule abgewendet, die Vorsteher haben ihr Den Rücken gekehrt,- und die geistlichen und weltlichen Inspektoren hatten sich um Dieselbe niemals sehr bekümmert. — Nur Einer ist der Schute geblieben., und Das ist Der Lehrer. Er ist nicht wankend geworden, trotz der Stürme, Die über sein Haupt gegangen, er ist nicht schlaff geworden, trotz Der Täuschungen, die ihn getroffen, trotz Der bitten? Erfahrungen, Die er hat machen müssen. — Der Lehrer ist aber nur berufen, für das Innere der Schule (d. h. für den Unton'ich't. die Disciplin :c.) zu sorgen, und diesen Beruf erfüllt er, versteht sich. Jeder nach seinen Kräften imfc Fähigkeiten. Wer ata sorgt für das sog. Acußere der Schule?— Wer?— N ieman d. Hat Das Schulgebäude Reparaturen nothig, sie werden nicht gemacht. Fehlt cs an Lehrmitteln oder Schuluteusilien. sie werden nicht angeschafft. Klugen arme Kinder über den Mangel an Büchern und Papier, Niemand kümmert sich Darum. Wird (was am häufigsten vorkommt) dem Lehrer sein Gehalt nicht pünktlich ausgezahlt, man thut so, als wenn man es nicht wüste. — So und nicht anders, lieber Hr. Redakteur, finden Sie es jetzt fast überall in unserer Provinz, wo nur eine jüdische Schule vorhanden, und wer weiß, wann oder ob es je anders werden wird, so lange das jüd. Schulwesen in. den Händen der Gemeiudm und seine äußere Beaufsichtigung solchen Vorstehem anvertraut bleibt, wie wir sie bis jetzt aufzuweisen das Vergnügen haben. — Ich kann nur nicht begreifen, wie unter so l ch e n Lt m stä nd e n jüd. Lehrer und a 11dere sog. Schulmänner noch g e g e n die S i m u i ta nsch u l e auftrclen und (vom jüdischen Standpunkte ans) der Kon fe ss i o n s s ch n l e das Wort reden können. — Wenn gewisse moderne Rabbium Dies thuu, so kann nur ,,h i er a ech i sch es G e l ü ft" ihr Motiv sein, indem diese Herren glauben, mit Dem Erhalten Der „jüdischen Schule" auf Die Inspektion über Dieselbe einw keu zu konucii. Dahin aber wird es bei uns so leicht noch nicht kommen, trotz der lächerlichen Eingaben mit welchen gewisse Gemeinden Des Netzdistrikts Die Reg. von Bromberg belästigen, und trotz der abgeschmackten, pädagogisch sein wollenden Abhandlungen, mit welchen gewisse Er-Lehrer in gewissen Zeitschriften Parade zu machen versuchen. Sapienli sat. — —L— W— Von der Küddsw, 6. Juli. Mancher wird es nicht glauben wollen, und doch ist es wahr.— Hier in SchneiDemühl besteht seit einem Jahr ein sogenannter ,,Bür g e rr et tun g s-V er ein" , in dessen Statuten der §. 9 also lautet: ,,Dee Verein unterstützt nur wirklich bedürftige und würdige, ch ri stl ich e Einwohner der Stadt Schneidemühl." — Ind e n, hilfsbedürftige Juden, sind also von den Unterstützungen des Vereins ausgeschlossen. — Warum? Komische Frage! Warum anders, als eben weil sie Juden sind? — — Aber in welchem Jahre leben wir denn eigentlich? — Sind wir nicht bald au die Mitte des 19. Jahrhunderts angelangt? und hat die Welt nicht im vorigen Jahre einen neuen Rock angezogen? — O ja, man hat sich sogar von Kopf bis Fuß ganz neu gekleidet, um sich gauz unkenntlich zu machen. Aber man ist es nicht geworden. Denn Eins ist geblieben — ein sicheres untrügliches Kennzeichen: Der Z o p f, Der alte Zopf ist unter Der ueuen Perrnck'e nicht geschwunden. O welcher Jammer! „Er dreht sich links, er dreht sich rechts, -Es tbitt nichts Gur's, er lhur nichtsSchlcchr"s, Der Zopf, der hängt ihm hinten!^ Ich möchte nur gern wissen, warum man im März p. I., als Durch Germaniens Gauen Der Nus erschallt war: ,,D i e P r e ss e i st fr c i! die Censur ist a u fgeh oben!" so eilig war, die große Schcere vom Nagel zu reißen und sie in die Wolken zu schleudern? — Jenes riesenhafte Instrument, Die deutsche Een surscheere, hätte rnan aufbewahren sollen, um damit'die Dicken Z ö p fe und Zöpslein abznschneideu , Die noch nicht anfgchört haben wie Unkraut ans Deutschlands Bodeil zu wuchern. — Der angeführte Paragraph aus Den Statuten Dts erwähnten Vereins ist auch ein allerliebstes Zöpflein und macht dem Gründer Des Vereins alle Ehre. Wer ist dieser? Ein Ober-Gerichts-Affessvr. Also ein Kind an§ dem Schooße der B ü r e a u krat ic. — Was Wunder? — HMZZbnrg, 20. Juli. Jahrhunderte sind dahin gerollt, in denen die heilige Religion in den Händen der Unkundigen durch lächerliche Gebräuche — Mißgeburten einer entfesselten Phantasie— entweiht, und mitunter in wahres Götzenthum verwandelt ward. So schändeten diese Finsterlinge Den reinen Glauben mehr als Der Nationalist, der ruhig seine Straße wandelnd, das nicht verachten nicht verkleinern wollte, woran er nun einmal nicht glauben kann. — Mit dem Beginn des neuesten politischen Weltsturms hat sich das Blatt gewendet. Der Demokrat wähnt, daß kein Friede unter den Menschen zu Staude kommen könne, bis alles was Glauben heißt vertilgt sei; und ist er überhaupt, als Gegner des Staats, der Religion gram, weil sie .vom Staate geschützt werde. Darum gebahrDet sich der Demokrat nicht minder wüthend, nicht minder fanatisch, als der starrköpfigste Bigotte, der noch einigermaßen durch seine Unwissenheit zu entschuldigen ist. Ein merkwürdiges Beispiel, wie sich der heutige Rationalist dom politischen Wahn leiten und blenden laßt, sahen wir in der hiesigen Constituante. In der letzten Versammlung wurde über den Religionsunterricht verhandelt, und solcher gänzlich aus den öffentlichen Schulen abweisend den Privaten überlassen. Ein sehr gebildetes jüdisches Mitglied, gab sich damit noch nicht zufrieden, und schlug vor: ,,den Religionsunterricht gänzlich, sowohl öffentlich als privatim zu verbieten." Zu verbieten! hörst du es lieber Leser, kann der Unsinn noch weiter getrieben werden? Uebcrtrifft er nicht allen Unsinn, den die lächerlichste Bigotterie je zur Schau gestellt hat? Zwar ward dem Antragsteller ein solches Mißfallen, daß er seinen