Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 30 (28.7.1849)
- Date
- 1849-07-28
- Page
- Spalte 471-472 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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471 472 Studien. Die Juden in Spanien. tendste Mann seiner Zeit in Spavien war. Julian war der Sohn von zur Laufe gezwungenen Eltern, wie schon Isidor von Badajoz (colonia jjacensis) in der Mitte des 8. Jahrhunderts bezeugt. Er war auch kirchlicher Schriftsteller. Dieser Julian^ die Seele der Erwig'schen Negierung und der jüdische Abkömmling, mußte r vielleicht wibe.r seinen Willen, eine Schrift gegen die Juden schreiben. Bei den Gewaltbekehrungen hatten die Juden den Muth Einwürfe gegen die Messiaswürde Je!su zu machen. Sie gaben viele Beweise, daß Jesus nicht der Messias gewesen sein könne, und unter diesen war auch der, daß nach der Schrift der Messias erst im sechsten Jahrtausend kommen werde, und da damals erst 4440—47 war, so bewiesen sie, daß Jesus nicht der Messias sei. Die jüdischen Beweise mußten damals gewichtig erschienen. sein, da der Julianischen Schrift nach, viele gläubige Christen dadurch zum Abfall verleitet wurden. Der König Erwig forderte seinen Liebling, den Erzbischof Julian auf, die Behauptungen der Juden zu widerlegen, was er auch in einor eigenen Schrift betitelt: „Erweis von dem sechsten Weltaltor und der Ankunft Christi wider die Juden" gethan.20 Jin ersten Buche beweist er, daß diese Berechnungsweise erst vori den Rabbinen in die Schrift hineingelegt worden, worauf dann die gewöhnlichen christlichen Beweise folgten. Im zweiten Buche werden die Beweise aus dem Neuen Testamente hevgeholt. Im dritten bemüht sich Julian, inkonsequent mit sich selbst, zu erweisen, daß Christus wirklich im 6. Jahrtausend geboren sei. In diesem Buche behauptete er, daß die Jttden den hebräischen Text der Bibel verfälscht, daß nur die LXX die echte Quelle biblischer Zeitrechnung sei, und woraus er mühsam die 6 Weltaller herausbringt, und Jesus soll nm 5200 nach Ersch. der Well geboren worden sein. Allmälig wurde Julian ein Verfolger der Juden. 687—701. Eziza (687—701). Dieser König war ursprünglich nicht gegen die Juden; auch hatte er gleich nach Julians Tod (690) gegen eine Verschwörung der Geistlichkeit zu kämpfen. Auf der 693 abgehaltenen (16.) Reichssynode lautet der' erste Canon,21 daß Juden, die zur Kirche übertreten, Steuerfreiheit genießen und der Rechte des Adels theilhaftig werden sollen, was wenigstens auf eine mildere Gesinnung schließen läßt. Aber die Juden waren schon seit Enger als hundert Jahren so geknechtet und mishandelt, daß ein vorübergehender Strahl der Müde sie nicht versöhnen konnte. Die Juden faßten endlich den Entschluß, durch die mannigfachen Aufstände in den Letzten Jahren ermuthigt, mit den Waffen in der Hand das blutige Joch der westgothischen Tyrannen abzuschütteln, und sie knüpften zu diesem Zwecke Verbindungen mit den Arabern in Afrika an, welche über die Meerenge 20) Diese Schrift heißt: Demonstratio 86Xtas aetatis, sire de Christi adventu adversus Judaeos libri ires. In den Patres Toletani 11, 92 flg. abgedruckt. — 21) Manfo XU, 69. -- hcn'ibcrsetzen und ihnen die Hand reichen sollen. Den Plan umhüllte zwar das tiefste Geheimniß, aber der König erhielt doch davon noch vor der Ausführung Kunde, und er berief eilig im November 694 eine Reichsversammlung ein. Ergrimmt wurden die furchtbarsten Beschlüsse gefaßt. Alle Erwachsene sollten zu Sklaven gemacht, des Vermögens beraubt und unter die christliche Bevölkerung verrheilt werden, damit in Zukunft kein Widerstand mehr möglich sei. Alle Kinder über sieben Jahre sollten ihren jüdischen Eltern entrissen und den Christen zur Erziehung übergeben werden. Haben sie' die Jahre der Mannbarkeit erreicht, so sollen jüdische Jünglinge an christliche Mädchen, und umgekehrt die jüdischen Mädchen an christliche Jünglinge verheirathet werden, damit so die Juden ganz aufhören.22 Zum Glück ist dicsBlutgefetz nicht buchstäblich ausgeführt worden, und auch die Losbrechung der Araber, wegen der Entdeckung der jüdischen Verschwörung, von dem Anführer der gothischen Flotte Theodemir vereitelt wurde. 700—710. Wittiza (701—710), Sohn des Eziza, schon seit 698 Mitregent, mußte schon im Beginn seiner Regierung gegen Empörung des Clerus wie des Adels kämpfen, was ihn zur tiefen Demüthigung derselben führte. Er hatte anfangs keine Zeit für die Juden, dann bediente er sich ihrer als Verbündete gegen den Clerus. Auf einer zu Toledo abgehaltenen (18.) Reichsversammlurig setzte er durch, daß alle wider die Juden früher erlassenen Gesetze zurückgenommen wurden, und daß die bereits ausgewanderten Juden die Erlaubniß zur Rückkehr nach Spanien erhielten. Im Jahre 710 wurde Wittiza durch Roderich vomThrone gestürzt, und er starb. 710-711. Roder ich (710—711), der nun König war, hatte mit den Söhnen Wittiza's, Eba und Sisebut, einen furchtbaren Kampf zu bestehen; der Bürgerkrieg wüthete, und der Graf Julian, Anhänger der Söhne Wittiza's, unterhandelte mit den Saracenen gegen Roderich. Tarik, der damals tapferste Heerführer des afrikanischen Statthalters Musa, unter dem Khalifen Walid I., landete und schlug an einem hohen Felsen des jenseitigen Ufers sein Lager auf; die Anhöhe erhielt den Namen G'ebl el Tank (Gibraltar) und Juden strömten seiner Fahne zu. Bei Xerez de la Frontera, unweit Cadix, kam es den 19. Juli-711 zur entscheidenden Schlacht, die bis zum 27. dauerte. Der König , die Blüthe des Adels und das gothische Volk blieben auf dem Wahlplatzo. Das westgothische Reich hörte auf. Zum Glücke kamen die blutigen Gesetze der Conrilien und des Königs nicht immer zur Ausführung. Die Grafen und Herzöge, welchen die Vollstreckung zukam, ließen es oft bei einer bloßen Brandschatzung und Gelderpressung bewenden, wodurch es den Juden oft möglich wurde, die Kraft des Wi- 22) Manso XII, 101 flg.