Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 30 (28.7.1849)
- Date
- 1849-07-28
- Page
- Spalte 469-470 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8555529-9893953-9893992--6000-3535153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
470 Studien. Die Juden in Spanien. 469 rind Hilarius für die Foneristenz der Opfer sind von derselben Solidität als die Erzählung Sendens aus Gregorins.— (Fortsetzung folgt.) Die Juden in Spanien unter den Westgothen. (Schluß.) 620-631. Swinchila (620—63s). Unter diesem die Macht des Clerus beugenden König der Westgothen, der gegen Clerus smd Adel zu kämpfen hatte, konnten die Juden einigermaßen wieder ausathmen. Wenn der Clerus nicht herrschte, hatten die Juden wenigstens zum Theil Ruhe. 631-636. Sisenand (631—36). Nach der Verdrängung Swinthila's kam Sisenand auf den Thron durch den Clerus geschützt und gehalten. Das Schicksal der Juden wäre ein trauriges, wenn nicht der bereiits erwähnte Erzbischof Isidor von Sevilla, der mild gegen die Juden gestimmt war, das höchste Ansehen und den größten Einfluß genoffen hätte. Er erzwang eine mildere Behandlung der Juden, und auf der 633 zu Toledo berufenen Synode, auf welcher 69 Bischöfe erschienen waren, wurden auch unter den 74 Beschlüssen die Rechte der Juden geregelt unter dem Vorsitze Jsidor's." Zwar war Isidor ein eifriger fanatischer Katholik und schrieb sogar ein Werk über die Bekehrung dev Juden,14 aber; er empfiehlt doch nur die Milde. Isidor starb mit dem Könige Ln einem Jahre. 636—640. Chinthila (636 — 40). Der nun folgende Chinthila, ebenfalls ein Werk der Geistlichkeit, erließ sogleich Befehl <637), daß alle Juden ohne Ausnahme das Reich räumen sollen, da Isidor nicht mehr lebte, um die Geistlichkeit milder zu stimmen. Auf einer 638 abgehaltenen Synode wurde diedieser Befehl, wie auch alle lrühern Beschlüsse der Koncilien, feierlich bestätigt und nochmals dahin ausgedehnt, daß in Zukunft jeder König vor seiner Thronbesteigung, sich durch einen Eid verpflichten solle, die Verordnungen Chintila's gegen die Juden aufrecht zu erhalten.^, Die erwähnte Synode stellte auch den Fluch des Himmels und das ewige Höllenfeuer in Aussicht, wenn irgend ein Nachfolger dagegen zu handeln sich erkühnen sollte. 646—641. Lulga (640—641), Ctzinthlla's Sohn, änderte nichts, da 13) Man so X. — 14) Das Werk heißt: l>6 fiele catholica ex veteri et novo testamento contra Judaeos libri duo in der Arevalo'schen Ausg. Vol. VI. S. 3 flg. — 1b) Canon 3» er unter Kämpfen nur ein Jahr auf dem Throne sich halten konnte gegen seinen Dränger Chindeswinth, der ihm folgte. 641-650. Ehindeswinth (641—650). Unter diesem dem Adel wie dem Clerus widerstrebenden König hatten die Juden Ruhe, da er seine Härte gegen wichtigere Feinde, als die Juden waren, gegen die früher dm Thron beherrschende Geistlichkeit zu richten hatte. Die 646 gehaltene Synode zu Toledo hatte andere Kampfe durchzrimachen. 650—672. Rekkeswinth (650—672), Sohn des vorigen (Chindeswinth), der schon 649 Mitregent war, wurde vom Vater selbst zum Nachfolger ernannt. Die Juden hatten wieder unter der Macht der Geistlichkeit zu leiden» So lange noch der atte Chiadeswinth lebte (bis 652), und bevor die Geistlichkeit die Macht auf der achten Reichssynode zu Toledo (653) wieder gewann, hatte man freilich ihrer nicht in dem Maaße gedacht, wie sonst, obgleich man auf demselben das Kirchengesetz erließ,^ daß jeder neugewählte König beschwören müsse, daß er die Kirche gegen die Treulosigkeit der Juden schützen wolle. Jedoch wurden die strengen Beschlüsse des Loledanischen Concils unter Sisebut bestätigt." Oer Druck muß aber später furchtbar gewesen sein, und selbst die getauften Juden scheinen ein hartes Schicksal erlitten zu haben. Denn in den Akten der achten Synode findet sich eine Eingabe der getauften Juden Toledo's an den König Rekkeswinth,^ in welcher sie feierlich versprachen, in Zukunft ernstlich Christen zu sein, den jüdischen Gewohnheiten und Satzungen zu entsagen, und sie machten sich verbindlich, jeden aus ihrer Mitte, der wieder in das Judenthum Zurückfallen würde, zu steinigen oder zu verbrennen. Eine furchtbare Verfolgung muß diesen Nothschrei hervorgerufen haben. 672-680. Wamba (672 — 680). Dieser König reorganisirte die Kirche Spaniens, hielt die Uebermacht der Geistlichkeit nieder und die Juden hatten Ruhe. Seine 8jährige Negierung wairdte sich anderer Tätigkeit zu. Unter ihm kamen die blutigen Beschlüsse der Concilim Ln Vergessenheit.; 680-687. Erwig (680—687). Dieser durch Verrath gewordene Nachfolger Wamba's berief schon 681 eine Reichssynode., wo der neunte Beschlußalle die blutigen Verordnungen der Konciliem, welche je früher gegen die Juden erlassen worden, wieder in vollkommene Kraft gesetzt wurden. 19 Unter der Regierung dieses Königs bekleidete die höchste kirchliche Würde, dir Erzbischof von Toledo, Julian, durch dessen Veranlassnng Erwig erst König geworden und der auch der bedeu- 16) Canon 10. ibid. 1219» — 17) Canon 12. ibid. — 18) ib. S. 1229. — 19) ib. S. 1054. 30*