Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1849)
- Date
- 1849-07-28
- Page
- Seite 138 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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138 frtffcr t) aus den I n h al t der Gebete zu sprechen, worin er Ln möglichster Kürze alles das zuscnnmenstellt, was man bis jetzt in vielfachen Abhandlungen für nicht zeitgemäß gesunden. Dann folgt 2) über die Sprache, 3) über Dauer und Form, 4) über die Gcbetzeiten, 5) über die mit dem Gottesdienste m Verbindung stehenden Gebräuche, und in jeder Partie erstrebt der Verfasser eine der Allgemeinheit des Judenthums zusagende Reform, ebne Bezug auf individuelle Ansichten und Bildungsgrade und die Versöhnung der Ansichten. Zuletzt folgt denn der speeielle Plan für den Wochengottesdicnst (Morgens und Abends), Sabbatgottcsdienst (Vorabend, Früh- und Nachmittags-Gottesdienst) und endlich für die Feste (Neujahr- und Versöhnungstag). Ich möchte mit dem Verfasser den Wunsch aussprechen, daß es dem nach diesem Plane zu bearbeitenden Gebetbuche gelingen möge, die verschiedenen Uebcrzeugungen naher zu bringen. ,,Nachdem das Bewußtsein einer besondern jüdischen Nationalität geschwunden, sagt der Verfasser, nachdem der gleiche Druck aufgehört, und mit ihm das Leidtnsbaud zerrissen ist, das er gewoben, da auch sonst die verschiedenen religiösen Auffassungen so weit anseinandergebeu, daß die Gleichheit der LebenSsitte gleichfalls aus unserer Mitte gewichen, bleibt die gemeinschaftliche Gottcsverehnmq noch das Einzige, welches die Gcmeindeglieder zusammen halt." Berlin , 16. Juli. Der schwarzwciße Treubnnd geht damit um, gegen die Gleichberechtigung aller Bekenntnisse und somit gegen den eigentlichen Boden unserer Freiheit, in revolutionärer Weise zu agiren, und wenn and) bei dem jetzigen Ministerium noch an keinen Sieg dieser stockprenßiichen Richtung zu denken ist, so fürchtet man doch, es könnte, wenn die Reaktion so fcrtfährt, in Kurzem ein Treubund-Ministerium au die Spitze treten und es mögen daher unsere Glaubensgenossen aus ihrer Hut sein. Was die Neuwahlen für die Israeliten Herausstellen werden, kann mau bis jetzt nicht wissen, aber so viel ist gewiß, daß selbst nach der Kreuz- Zeitung die Demokratie aufgchort hat spceisisch jüdisch zu sein, und daß bei den Wahlen selbst jede Spur einer konfessionellen Scheidewand geschwunden. — Das mit? herausgegebene hebräische Werk von dem hier lebenden Schmor Sachs habe ich noch nicht gesehen und es scheint noch gar nicht cmsgegeben zu sein, wenn es gleich fertig gedruckt scheint, Auch das bekannte Werk Kaftar wa-Ferach, welches cm gewisser Hirsch Edelmann edirt, ist zwar vollständig gedruckt aber keineswegs noch ausgegeben worden. D ä n e m a r k. Kopenhagen, 13. Juli Blicken wir auf Deutschlands neuere Gesetzgebung zunächst und auf die europäische überhaupt, so müssen wir freilich Deutschland das Erstgeburtsrccht nnräumcn, aber unter welchen Geburtswehen ist sie zur Welt gebracht! Nicht nur das) es der Mutter das Leben gekostet, so baß sie als Embryo in die große Wett ausgesetzt werden mußte, sondern sie hat noch das rraurkge Schicksal, daß sie als Zwitter jedem ihrer Pathen das Leben gefährdet. Und während unsere Verfassung, unsere konstitutionelle Freiheit nicht wie im übrigen Europa mit Bruderbluc niedergeschrieben, nicht im Kampfe und Haffe der Parteien proklamirt worden, mußte im übrigen Europa jeder Satz mit Anruhe und Aufständen erkauft, der andern Partei nur abgerungen werden. Traurige Folge dev unehrlichen Politik, die' laut das Eine verkündet, während sie heimlich das Andere beschließt, und schon während sie Jenes unterschreibt, ja sogar mit ihrem Blute versiegelt, sich nicht scheut des geheimen Vornehmens, es wiederum zu brechen, sobald sie wieder die Oberhand gewinnt. Und jetzt wie früher hat das kleine Dänemark der großen Welt gezeigt, was auf dem Wege des Friedens und der Eintracht erlangt werden kann! . Und sei es, daß der unverdiente Krieg und die unverschuldete Feindschaft die deutsche Presse parteiisch und befangen macht, so mag wohl die Zeit nicht mehr fern sein, wo sie frei und unbefangen sich die Frage stellen wird: „Welches Volk verdient wohl größere Bewunderung, das Volk, welches, während eines energischen Kampfes nach außen, doch die Energie besitzt, seine inneren Verhältnisse im Geiste der Zeit zu ordnen,- ohne dabei in Zerwürfnis; und Zerrüttung zu geratben — oder das Volk, das neben traurigen und zweifelhaften Lorbeeren nach Außen, in seinem Innern die endlosesten Wirrsale zeigt, und am Ende weder nach Außen, noch nach Innen etwas erreicht? . . . . Glauben Sie etwa nicht, Hr. Redakteur, daß ich wohl jetzt Däne mit Leib und Seele mein ehemaliges Vaterland, dem ich meine Bildung und Dasein zu verdanken habe, hasse oder verachte; aber abgesehen davon, daß der Jude sowohl als Einzelheit wie die ganze Gesammtheit nie aufhören darf der Träger und Verbündeter der Wahrheit zu sein, wo und wem sie gälte, so blutet das Herz eines jeden wahrheirliebendkn Deutschen in Dänemark, ob der Beschimpfungen und Gehässigkeiten, der Unwahrheiten und Rohheiten, die in deutschen Blättern über unser Vaterland ausqebreitet werden. Was hat man nicht erst ganz neulich gefaselt über die Verwerfung der Konstitution von Seiten uusers Königs, von den Aufständen, die in Kopenhagen zu erwarten, von den Russen, die gegen das Volk zu Hilfe gerufen werden, Alles Unwahrheiten. — Unser König, unser Volk haben Beide nicht im Entferntesten daran gedacht. Wir gehen Alle Hand in Hand, entschlossen dm letzten Blutstropfen und den letzten Pfennig daran zu setzen, Dänemark in seinem Bestände zu erhalten. Doch wozu dieser Versicherungen Alle, wo die in Rede stehende Verfassung selbst davon zeugt, daß sie in Mäßigkeit und auf dauernden Grundlagen errichtet nur das Werk ruhiger wahrheitsliebender Männer sein kann. Und in der That, wir wollten. Nichts in Ueberstürzung und in Hirngespinnften, welche nicht zu verwwklichen sind. Wir sind keine Freunde von Experimenten und hohlen Theorien. Die Zeit war da,