Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1849)
- Date
- 1849-07-28
- Page
- Seite 137 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Zehnter Das Abonnement auf für jüdische Geschichte und Literatur. Jahrgang. Von dieser Aeitschri f ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und Herausgegeben erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgcrcchnet, zwei Bogen, allen solid. Bnchdandlungen auf ein Jahr. von Br. Julius l' und zwar an jedem Sonnabend regelmäß rg. eipzig, dc» 28. Juli Inhalt. D e u L sch l cr n d's v e r e i n ig 1 e S t a aL e n Aus Breslau. Kultusreform. Dr. Geiger. Berlin. Oer Treubund. Literarisches. — Dänemark. Kopenhagen. Emancipation der Juden. Das Religionsgesetz. — Der Dorfgeher. Eme Ghetto-Novelle von Leop. Kompert. (Forts) — Personalchronik und Miscellen. Preßburg. Pesth. — LB. d. Or. Deutschland's vereinigte Staaten. Aus Breslau, im Juti. Die friedliche Neugestaltung unserer Kultus-Gemeinde scheint uiigestört von Statten zu gehen,; die Zerklüftung, welche die denkwürdigen Ereignisse des vorigen Jahres in die Kultus-Gemeinde geführt, scheint höchst wohlthätig für alle Parteien gewesen zu sein, da mau dadurch genöthigt wurde, nur den friedlichen Weg der Vereinbarung einzuschlagen. Unser Vorstand, bestehend aus den Herren B.Beyersdorfs, Dr. Friedenihal, M. Schreiber, Dr. Guusburg, S. Goldschmidt, ist wohl tief von der Nothwendigkeit durchdrungen, daß in der Kultusform für die Neuzeit eine Amderung nothweudig sei, aber es wäre gewiß ungerecht, wollte man denselben die Anmaßung aufbürden, nach eigenem Ermessen das Ritual zu reformireu. Der Vorstand hat vielmehr dm Rabbiner Dr. Geiger beauftragt, den Entwurf zu einem Gebetbuche für die hiesige Gemeinde anszuarbellcn, welchen der Vorstand sodann den Mitgliedern dev Gemeinde zu dem Zwecke zuzustellen hat, daß jedes der Glieder, insofern es sich dazu berufen glaubt, seine etwaigen Bemerkungen zur Berücksichtigung zukommen lassen möge. Hr. Dr. Geiger ist diesem Wunsche nachgekommen und hat, deru Vorstande ,,Gnindznge lind Plan zu einem Gebetbuches übergeben, mit der Vorstand üatbcilt nun diesen Plan soeben an die Mitglieder mit dem Ersuchen, ihm die etwaigen Bemerkungen, die gebührend berücksichtigt worden sollen, bis zum 20. August einzusenderi. Im Verein mit dem Attsschusse werden sodann die Kwltusangelegenheitcn, insofern jedem Gemeindegliede die Mitbethäiigung belassen wurde, regulirt werden, und diesen eingeschlagenen Weg farm gewiß Niemand, der es ehrlich meint, tadeln. Ich erlaube mir zu den ,,Grnn.dzügen" iiberzngehen und die Hauptmomcnte derselben zu resnmircn, da ich die Ueberzeugung hege, daß auch sich andere Gemeinden Deutschlands diese eine Anwendung finden könnten. Zuerst girlck Hr. G. unter dem Titel: ,,Allgemeine Grundlage" eine Skizze über den gegenwärtigen Zustand des Kultus, wie er mit den ^Anschauungen der Gegenwart nicht harmonirt und zum großen Theite entlvedcr unwahr oder zum Werkdienst herabgesunken, im Allgemeinen über Inhalt, über die Sprache und die lange Dauer referinnd. Mit Recht bemerkt der Verfasser, daß die ästhetische Form und die Predigt, in denen man bis jetzt das Heilmittel gesucht, dem tieftr liegenden llebel nicht abhelfcu können, und eben so wenig kann man eine völlige Neugestaltung versuchen, da die alte Anschauung in der Gesammtheit noch nicht ganz überwunden ist. Wenn also jetzt eine Reform im Kultus vorgenonunen werden soll, so muß sie sich auf Inhalt, Sprache und ästhetische Fornl erstrecken, ebne jedoch den Zusammenhang mit der Vergangenheit des Jndenchums, mit der Geschichte aufzngeben und ohne die Gcsanmuansch.annng der Jndenheit aus deru Auge zu verlieren. Nach allgemeinen Zügen kommt der Ver- 30