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Der Orient · 1849-07-21 · Heft 29 (21.7.1849) · p. Seite 135

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 29 (21.7.1849)
Date
1849-07-21
Page
Seite 135 (sequence 5)
Language
German
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135 wenn unsere Emaneipati'en nich; noch so unorganisch, d. h. weder von christlicher noch von jüdischer Seite vorgebildet zu unö gekommen, weil in letzteren! Falle das Nichterweihntsein rjg Ansschließnng angesehen wird. Es haben sich bereits Konflikte herausgestellt und die höhere Behörde mußte schon einige Mal in dieser Angelegenheit behelligt werden. Vor Kurzem ist endlich ein Eirkular erschienen, worin es heißt: Wenn die Judengemeinde mit dem Anschlüsse an die Stadtgemcinde zufrieden ist, so hat die christliche Gemeinde die Verpflichtung, sie anfznnehmen, und eine in diesem Falle verweigerte Aufnahme soll einer schweren Strafe unterzogen werden. Aber trotz dieses Cirkutars giebt es noch viele Wege der Renitenz und wir dürfen es uns auch - gar nicht verhehlen, daß auch viele mährische Jndcugemeinden noch gar nicht die Bedeutung eines geregelten GemeindoverbandeS verstehen. — Der dramatische Dichter der D ob o r a, Hr. M ose n t ha l, ein vaterländischer Israelit, hat sein jüdisches Drama dem Kaiser Ln Olmütz, wo es auch in Anwesenheit des Kaisers und seines Hofes aufgeführt wurde, überreicht, und er erhielt als Zeichen der Anerkennung eine brillantene Busennadel. Wenn auch auf diese Anerkennung von mancher Seite her wenig gegeben werden wird, so verdient doch jedenfalls die Knustanerkennnng, die das Stück bei so vielen Repertoirs gefunden, angemerkt zu werden. Aus Mähren,.- im Juni. Die „Presse" dru ckt noch tüchtig die Inden, und weil sie das schöne Motto: „Gleiches Recht für Alle", hat, vergleicht sie auch in einem Leitartikel die Juden mit den Zigeunern, daß ihnen nämlich keine Reisepässe über die ungarchche Grenze ertheilt werden. Vermnthlich hatte schon der Prophet, der andere vernichtende Gegenstände sah, bei dem Ausrufe: \n b OHtt CWD 'JOD n'pd auch die „Presse'^ ver Augen. B. ZTeifMrchen, 20. Juni. Die angeblich von kommunistischen Tendenzen genährte' und großcrzogene Umsturzpartei, die zur Zeit allenthalben in Europa ihr Haupt frech emporhebt, hat ancb leider in unserer Nachbarstadt Leipnik bedauerliche Symptome ihres Lebens gezeigt, und die Ruhe in der Ungunst dieser kritischen Zeitverhaltnisfe so sehr benothigende Ruhe wird nur noch künstlich erhalten. Um so schrnerzlicher muß der Umstand jeden die Gesetzlichkeit und Ordnung liebenden Patrioten berühren, das diese verwerfliche Partei ihre schnöden. Handlungen durch den Anstrich von Gesetzlichkeit zu beschönigen, auch die öffentliche Meinung zu bearbeiten suche, und so die geachtesten Organe zum Tummelplätze der Lügen anszubenten sich nicht cntblöde. So lesen wir in einem in der Presse Nr. 122 ans Olmütz datirten, voll der Unwahrheiten und Infamien strotzenden Artikel, der bei den dortigen periodischen Ausbrüchen wühlerischer Gährnngen auch den Vorgang am 14. v. M. blos als Faktum momentaner Gereiztheit des Pöbels angeblich in Folge Seitens einiger Spekulanten hervorgebrachter erkünstelter Bertheuerung der Cerealien, an welchen der geschäftige Stadtvorstand sogleich die Justiz übte, hinstellte. Wir, die wir wegen der Nähe genau über die Leipniker Zustände unterrichtet find, können nicht umhin, der strikten Wahrheit ihr ungeschmälertes Recht vindiciren zu können, diese Vorgänge Gii detail zu berichten. Schon bereits voriges Jahr als die unseligen Wirren, die Grundlagen des staatlichen Verbandes der Monarchie zu erschüttern droheten, hat ein dämonischer Geist diese tvdte Masse belebt, und bekundete dessen höllische Abkunft dnrch Abbrennen einiger Scheunen, Häuserdächer , Drohbriefe, Judenverfolgungen, Katzenmusiken der Bürger und Geistlichkeit re. Unzukömmlichkeiten, die vor das Forrnn der Ocffcntlichkcit gelangt, ihnen gleich dnrch die Wiener Zeitung eine derbe aber wohlverdiente Lektion zugezogcn hatte. Die bei allen Anlässen durchaus indifferente und somit die Tragweite und Wichtigkeit ihrer Mission in Bezug ihrer Stellung zum staatlichen Ganzen ganz dcsavonirende Stadtbehörde hat sogleich in demselben Blatte, um sich von der ihr anklebenden Obskurität rein zu waschet?, in pomphafter Geschwätzigkeit die Loyalität ihrer Gesinnungen und unausgesetzte Tüchtigkeit in Anfrech thaltmig der Ruhe zu manisestiren sich abgemühet und erschöpft, aber nur das kräftige unb prägnante Wort des dortigen, wegen seiner Philantropie und Mildthätigkeit bekannten Dekan von der Kanzel herab, unfc die Regniriruug einer entsprechenden Militärabthtilung von Seiten des Oberamtes, lagerten sich wie ein Alp auf diese Wühler, jeden Aufschwung frivoler Gelüste niederhaltend u. fernere E.rcesse verhindernd. Als nun der ungarische Krieg zu diesem Kulminationspunkt gelangt, auch unserer Seits zu deren Besiegung die Aufbietung einer großem Anzahl der disponibel!! Streitkräfte erheischte, und demnach auch die dort distocirt gewesene Militärassistenz ab berufen wurde, fingen auch diese Tnmultauten wieder freier ansznathmen an, Zusammenrottungen fanden fast täglich statt, rohe Willkürlichkeiten gegen Fremde und Einheimische, besonders an den bedeutenden, durch die handeltreibenden Israeliten seit Jahren zum Stapel- und Speditionsplatze gewordene Wochenmarkt, waren an )>a Tagesordnung, bis sie am 14. v. M. ihren eigentlichen Charakter ganz entwickelnd und schärfer ansprägend, zunächst, um die Stadt in beständiger Aufregung und Kalamität zu erhalten, in einen anonymen auf der k. k. Post gelegten Brief diejenigen Bürger bezeichneten, an denen sie ihr Mnthchen kühlen wollten, das k. k. Militär insultirt, natürlich!nit Eljenrnf auf Kossuth, dann in das HauS eines israelitischen Produktenhändlerö drangen, raubten und plünderten daselbst allen Vorrath an Klee- und Leinsaamen, Salz, Obst, Effekten und Utensilien re. nach Herzenslust rein ans, ohne daß von Seiten der

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