Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1849)
- Date
- 1849-07-21
- Page
- Seite 136 (sequence 7)
- Language
- German
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136 Chargen bet Nationalgarben an letztere ein Ausrückungsapell zur Unterdrückung dieses Attentats erfolgte, und ohne bas; der Magistrat, ber die nahe Ausführung fofe. cher ominöser Demonstrationen wohl wußte, aber wegen der in Aussicht gestellten Einführung der ihn so mißliebigen Gerichtsbezirke so sehr ftappirt ist, auch nur -einige Schritte zur Steuerung dieser himmelschreienden Unbitls eingeleitet hätte, ja er hat vielmehr durch sein ganz passives Verhalten während der vierstündigen Dauer derAusübung dieser That nur zu deutlich konstatirt, daß er dieses lose Treiben nur noch billige und begünstige. Nur das energische Einschreiten des schnell dahin geeilten k. k. Kreishauptmanns und die sofortige Einleitung einer Kriminaluntersuchung gegen die beträchtliche Anzahl der gravirten Individuen, konnte das fernere Weitcrgreiftu dieses ahndungswürdigen in unserer friedlichen Provinz noch unerhörten Skandals, Einhalt Ihun. Es stehet nun mit Zuversicht von der strengen 'Gerechtigkeitspflecze dieser umsichtigen, bis jetzt noch in permanenter Thätigkeit wirkende Behörde unter Mitwirkung des allerdings überwiegenden The.ils der wirklich loyal gesinnten Bürger und Nationalgarde, zu erwarten, daß in Zukunft ähnlichen Erperimcutm nicht nur mit Nachdruck und Entschlossenheit begegnet, sondern noch etwaiger hervorwuchernde Terrorismus gleich im Keime erdrückt werden wird, damit Ruhe und Ordnung wieder endlich faktisch zur Herrschaft gelangen. Leipzig. 12. Juli. Die Wähler Licuel Rot lisch ild'ö in London beharren auf dessen Eintritt in das englische Parlament. Er lvird daher neuerdings .wieder gewählt. — Das Schicksal deö edlen Fisch Hof in Wien ist in ein tiefes Dunkel gehüllt. Nach Einigen sott er blos unschädlich gemacht, nach Andern als Zeuge in einem Hochverrathsprocesse gegen sehr hochstehende Persona, gebraucht werden. Die russisch-österreichische Regierung wird ihre Verfolgungen bis ans den März 1848 ausdehnen. Brieg, 20. Juni. Lange Jahre war es der Wunsch der hiesigen jüdischen Gemeinde, die ganz veraltete Einrichtung der hiesigen Synagoge, dem jetzigen reformirteu Kulms angemessen umzugestalten, der Zwiespalt in der Gemeinde trat aber immer der Erfüllung dieses Wunsches hemmend entgegen und die Anstellung eines Rabbiners gehörte um so mehr in das Reich der unerreichbaren Hoffnungen. Der Thatkraft des seit Neujahr dieses Jahres suugireuden Vorstandes und besonders den außerordentlichen Bemühungen de^ ersten Vorstehers Hrn. Dr. Ehrlich ist es aber gelungen den Zwiespalt in der Gemeinde gänzlich zu beseitigen und dadurch konnte bas , was in friedlichen Zeiten unmöglich schien, während der jetzigen politischen Wirren zu Stande kommen. — Mit Stirnmen - Einhelligkeit ist der als Verlag von C. L. Fritzsche. Talmudist und Redner bekannte Hr. Dr. Land sb erg er als Rabbiner gewählt und bereits angestellt, auch unsere Synagoge ganz neu mit großem Kosten- Aufwand eingerichtet worden. Wir haben vollkommen Ursache uns über dieses Ereigmß zu freuen, denn Hr. Dr. Landsberger versteht cs nicht allein die Gemeinde durch seine wahrhaft gediegenen Vorträge zu erbauen, sondern ist auch unfern Kindern ein liebevoller Lehrer. Die Installation desselben als jüdischer Religionslehrer am Königs. Gymnasirun geschah, in sehr feierlicher Weise in Gegenwart sämmtlicher Lehrer und Schüler des Gymnafli, und wir haben Hoffnung, daß auch die König!. Strafanstalt denselben als Religionslehrer anstellen werde. — Möge der Vorstand nicht erkalten in seinen Bestrebungen, der Dank der Gemeinde wird der schönste Lohn dafür sein. Ungarn. Pesth, im Juli. Der Kultus-Minister Horvath hat durch eine Verordnung bekannt gemacht'-/ daß von nun an die reformirte jüdische Gemeinde als eine besondere von der alten getrennte angesehen und anerkannt werdet, sott, so daß alle Zuschriften an die Israeliten in Pesth von nun an zugleich an die jüdische reformirte Gemeinde noch speciell zu gelangen hat. Alle Dokumente und Zeugt,isse der Gemeinde, wie überhaupt alle Aktenstücke haben eine gleiche Giltigkeit wie die der Stauuugemeinde, kurz sie ist in jeder Beziehung als selbstständige legalisirte Gemeinde zu betrachten. Fragen wir uns, ob diese Bekanntmachung für die Neformgemeilide eilte Wohlthat ist, so müssen wir es leider verneinen. Denn abgesehen davor,, daß nach den ltngarischen Grundrechten eine solche ostensible Anerkennung eigentlich ganz überflüssig ist, so hat sie bei dem noch wüthenden graitsamel, Kriege den Nachtheil, daß, wenn Oesterreich wieder die Obmacht in Buda-Pesth.erhält, dieser Akt schon ans Opposition nicht nurnegirt, sondern sogar verderblich für die resormirten Bekenner aussatten kann. Gebe Gott, daß ich mich täusche. Personalchromk und Miscellen. Berlin. Dur Buchhändler Dr. Mor. Veit wurde in das Stadtraths-Kollegium hier gewählt. Es haben zwar schon öfter Israeliten in diesem Kollegium gesessen, allein diesmal scheint der Konservatismus die Veranlassung zu sein, also ganz gegen die Ansicht der Kreuzzeitung. Preßburg. Hier sind Juden aus Politik erschossen worden, in Pesth hat man dafür als Repressalie wieder Juden aus politischen Gründen erschießen lassen. Die Russen machen sich zuweilen ein Privatvergnügen daraus, eine Judenhatz zu veranstalten. Wahrlich wir leben mitten in der Barbarei und die Phrasen von Gesittung und Bildung scheinen wirklich, nur Phrasen gewesen zu sein. Druck von I. H. Nagel.