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Der Orient · 1849-07-14 · 28 (14.7.1849) · p. Spalte 445-446

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
28 (14.7.1849)
Date
1849-07-14
Page
Spalte 445-446 (sequence 7)
Language
German
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445 Studien. Literarische Miscellen. 446 überall-hin sieht, bei der Zerstörung von' Sodom (Gen. 18, 21) : ,,kommt, wir wollen hinabsteigel, und sehen, ob sie nach dem Geschrei iu s. w." Hiermit giebter selbst einen Beweis seiner Unwissenheit. In demjenigen was er über Adam sagte (Gen. 3, 22), ,,wir wollen ihn hinanstreiben, damit er nicht seine Hand ausstrecke nach dem Lebensbaum und davon esse, und auf immer lebe", beweist eben dies, ,,damit er nicht" seine Unwissenheit und was er hinzusetzt: ,,esse und auf immer lebe^^ sein n ei' di sch es Wesen. Und wenn es in der Schrift heißt (Gen. 6, 6): ,,da bedachte Gott, daß er den Menschen geschaffen hat", so spricht sich hierin sowohl Neue als Unwissenheit aus. j Und daß er versucht, wie es in der Schrift heißt (Gen.!Z, 22): und der Herr versuchte Abraham, be- .weist, daß er böse ist und den endlichen Ausgang nicht Uveiß."-r Eine Zweite Gruppe ist folgende: Bereschit Nabba, K. 8: "?DN ttb bx asyn'l; nNH din hn rwob rf'npn mk/ nyrancrn'n hn?N NUD 'IN DN DDN , WD DWyi' D'J/BH? D’p'iy D'pna TUN N~ÜN Nb DN? D'NST* D*yEn /iudd D'y^n hw p-n i'bon nnpn my no , udd — /?:>??n-ü? cn'om niD n *)C\'m i'JD Bereschil R a b b a, K. 12: Nn?D DN rnpn nüN :m»3 , 1'nmd rron 'in D'Dnnn mou übiynriNUN jmiN eoa 'IN nn n^n , nDyb bor Dbiyn yxn pnn j -♦D’Qnin mD3i]nnmD3 } Iatkut, Zahl 83: n^y Nb p»vn bo GOl^n nns pi dn? p t'N nnN ob?y DN ddto f — «ob?y ]'N I Ist der Weltfchöpfer auch der Gesetzgeber, sagt ' S i m v n M a g u s in der Hauptstelle, die davon handelt (Hom. 18, 1), so ist er als Gesetzgeber gerecht, ‘a 1 ö g er cch t n i cht g u t. Der Gesetzgeber ka n n nicht -zugleich gut und gerecht sein. Dagegen sucht (Petrus zu zeigen, daß beide Begriffe einander nicht ausffchließen. Die Güte bestehe im Mittheilen, und man [fonttc nicht sagen, daß Gott nur dann gerecht sei, wenn er den Guten Gutes, den Bösen Böses zu Theil werjbcn lasse. Wenn er den Bösen das Zeitliche gewähre, Für den Fall, daß sie sich bekehren, den. Guter? das Klvige, für den Fall, daß sie beharren, so ja seine Gerechtigkeit^ sofern er Allen giebt, denen aber, die sich duszeichneu, seine Gnade schenkt, zugleich Güte. Richtet er aber am Ende, und vergilt er Jedem nach seinem Verdienst, so ist er gerecht. Seiner Natur nach ist basier der Eine Gott und Weltschöpfer sowohl gut als Gerecht, gut, sofern er denen, die ihre Sünden bereuen, sie erläßt, gerecht, sofern er nach der Reue Jedem so vergiebt, wie feine Thaten es verdienen. Siehe Baur a. a. O. S. 314. — Sisri: isnsn dddnö rwy "pnbN fn dn ranm nouN Nin&y 'sb 'di hntd rrnfi. h^hnd w?yn p pm ddiInd nwy nnN bsa /di ni'd pnbN 'n hn HTDD Nbi\ rpHN- DlpDD ilNT? n N~)' DlpDD HDHN “]b — .n^b^ DipDn Aus dem Gegensatz zwischen der Güte und der Ger e ch tig kcit entsteht bei Simon und Marcion der Gegensatz zwischen Liebe und Furcht, oder die Behauptung, daß die wahre Religion nicht in der Furcht, sondern in der Liebe bestehe. Petrus (Hom. 17, 11) engegnet nun: „die Behauptung, daß man Gott nicht fürchten, sondern lieben soll, gebe ich zu, aber dazu kann es Jeder nur durch das gute Bewußtsein dcsRechthandelns bringen, das Rechthandeln aber kommt aus der Furcht. Daß wir ihn fürchten sollen ist geschrieben, daß wir ihn lieben sollen, ist befohlen. Fürchten muß man ihn, weil er gerecht ist, nicht sündigen. muß man aber, sei es aus Furcht oder Liebe. •—- (Fortsetzung folgt.) Literarische Miscellen. Das Arjudeuthum» (Entgegnung.) Eine literarische Notiz über das „P f i n g st- und Ne u ja h rs fe |1" in Nr. 25 des LB., deren spartanische Kürze zu dem Umfange des Gegenstandes einem Armeebefehl gleicht, veranlaßt mich zur Beantwortung einer für die praktische Theologie sehr wichtigen Frage: wie soll sich der israelitische Volkslehrer den Pratensionen der Kritik gegenüber verhalten? Darf die Einheit seines Bewußtseins der Gemeinde gegenüber durch die schwankenden Resultate der Forschung gestört werden? kann ihn der Geschichtsforscher einen Heuchler schelten, wenn er die Syllogismen drr Kritik, die Hypothesen des Antiquars von sich weift? Die Beantwortung dieser Fragen hängt von dem einen Gesichtspunkt ab, daß das praktische Moment der Religion das Bewußtsein der Gemeinde, die Sanktion des Lebens, die Formenbildung der Geschichte, nicht aber das Prius ist, welches die Kritik hypothetisch aufstellt. Was im Laufe der Jahrhunderte die Herzen der Gläubigen anregte, bewegte, nährte, den religiösen Sinn schärfte, stärkte, kräftigte, eine Religionswahrheit anschaulich, eindringlich und fruchtbar machte, das Leben durchdrang, umgab, beherrschte — das ist lebendig, und das hat die praktische Theologie zu berücksichtigen. Die Versuche in der Synagoge und in dev Kirche, dort zum Mosaismus, hier zum Urchristentum zurückzukehren erscheinen mir so verkehrt, wie wenn Jemand den breiten Strom verschmäht und nur in der Mündung sich baden will oder wenn man nur das Morgenroth bewundert, die allmälige Veränderung des Sonnenlichts, das seine Strahlen bald in größern bald in kleinern Dimensionen wirst, nicht mehr gelten lassenwill. Lebendig iß die Tradition, todt ist der Buchstabe, lebensfähig ist das religiöse Bewußtsein,

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