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Der Orient · 1849-07-14 · 28 (14.7.1849) · p. Spalte 439-440

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
28 (14.7.1849)
Date
1849-07-14
Page
Spalte 439-440 (sequence 4)
Language
German
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439 Studien. Die Philonifche Philosophie. 44V Menschen wirkende Macht Gottes, welche seinem sittlichen Leben Sein, Richtung, Ziel und Gedeihen giebt. Er wird daher auch mit dem Namen vd^aog bezeichnet. So de migr. Abr. WO: vopog ää ovösv Spa loyog ^etog, TtQograTTOV cc du %ai ctnayoQEvov a fik] %QYj, Wer nach diesem göttlichen Gesetze lebt, wer sich bestimmen und leiten läßt von der göttlichen Vernunft, der ist frei." »To eksgöcu decfi“ Gott zu folgen, zu leben und zu handeln in Gott — das ist die Bestimmung des Menschen, das ist seine Freiheit. Der Geist hat, wie wir gesehen, Gott zur Quelle; darum ist der Mensch frei. Zur Freiheit aber gehört, das Anfichfein zum Für sich sein zur Realität zu bringen; der Mensch muß daher seine Freiheit verwirklichen, was er seinem Begriffe nach ist, realisiren. Das geschieht, indem er das Sinnliche, Endliche an ihm beherrscht und ganz Gott und dem Göttlichen — in dem allein er seine Wahrheit hat — sich hiugiebt. Das ist denn auch das wahre, unsterbliche Leben, während das Hingegebensein der Sinnlichkeit, dem Bösen nur ein Tod zu nennen ist, weil die Kraft des Geistes erstorben ist, weil der Geist sein Leben nicht bekundet.^ Der Geist ist nur Geist in der Herrschaft über das Natürliche — so sagt ja Philo auch: cpvGti ßoisihöa tyvxrjv06 —, hört 63) De temul. P. 261 sagt er: to irgog dl^siav vo (u(iop ev&vg scziv alcovcov, smsl xczi 6 6Q&Log loyog dg dfj vofiog icziv ov y&aQzog. — Wie die göttliche Vernunft die sinnliche und geistige Welt nach unwandelbaren Gesetzen leitet, spricht sich auch an folge aber Stelle aus. „Wie eine Heerde leitet Gott gleichsam als Hirt und König die Erde und das Wasser, die Luft, das Feuer und Alles, was darin lebt, Sterbliches und Gött liches, den Bau des Himmells, den Kreislauf der Sonne und des Mondes, und die Bahnen der Gestirne, nach Recht und Gesetz, seinem Logos die Sorge dafür übertragend." De agric. 116. Die Leitung und Negierung der Welt durch dße göttliche Vernunft beschreibt er noch sehr schön in der Schrift: qu<jd den« sit immut. p, 11)1. Er sprecht hier von dem Untergange vieler Reiche und wie Alles dem Wechsel unterworfen ist und sagt dann: ,.Zm Kreise bewkgt sich der göttliche Logos, was Viele der Menschen Zufall .nennen z in ewiger Bewegung geht er von Stadr zu Stadt, von Volk zu Volk, von Land zu Land und in verschiedener Zelt ertheilt er dem Einen, was des Andern Eigen war, dam.il die ganze Erde wie Ein Staat die beste Verfassung habe, die Demokratie." 64) 060i voilov fcvglv, eIev^eqoI vofiog öx dtffsv8fjg 6 dQ&og loyog. Quod omnis pr. üb. p. 872. 65) De prüf. 122 sagt er: to /nhv dyaftdv nal ri dQszrj iüzw q ge»?} to ök xauov nal 7] %av.la 6 d'Lavazog ..... f'O(}0g dfrccvazov ßCov xdllcczog ovzog, spoozi %ai cpslia frsov ccaaQKcp ml döoofidzcQ %teZE6%ij6dcit. 66) De vita M. - er heisst auch ro 7jys{.iovL%dv. So fagt er leg. all. 69: cogneq Gcdfiazog tfysfiovmov eozl to %$6gcaTtav, ovxco 'ipvxrjs ijysfiovindv egzlv o vovg. Unter 1\tv%i) haben wir hier die sinnliche, die Lebeneseele zu verstehen, wo hingegen im Texte die vernünftige Seele, welche gleichbedeutend mit vo$g ist, gemeint wird § denn in beiden Bedeutungen kommt bei Philo tpvpj vor. diese auf, so ist der sittliche Tod des Menschen da.. Die Macht der Sinnlichkeit zu brechen und zu dem Sein— Geistigen sich zu erheben — ist für den Menschen die höchste Aufgabe; darin besteht die Jugend, die Gott der Serie zur Bestimmung und zum Gesetze gemacht.^ Der Mensch erreicht aber die Tugend nicht in seiner beschränkten, endlichen Individualität, sondern in dem Durchdrungen sein mit Gott, in dem Erfülltsein mit dem göttlichen Geiste, vor dem seine eigene Persönlichkeit verschwindet. ,,Goit kommt es zu, Tugenden in derr Seele zu Pflegen und zu gründen. Selbstliebend und gottlos aber ist der Geist, welcher Gott gleich zu sein und (selbstständig) zu handeln glaubt, während er mir anfzunehmen im Staude ist. Da Gott allein es bst, der das Gute in der Seele säet und pfleget, so istmiftomrn der, welcher sagt: ich pflanze."^ Asses, Das der Mensch Gutes rmd Schönes schafft, jede sittliche That Hai ihre Quelle einzig und nf(ctn in dein in seinem Innern lebenden und wirkenden göttlichen Geiste,^ das Bose aber entspringt aus dem Fleische, aus seinem endlichen natürlichen Wesen. 70 In diesem Sirme sagt Philo auch, daß dem Menschen und wenn er noch so gut, durch seine Geburt schon, daß Sündigen inhärircn müsse71 —■ cßcit durch das in die Endlichkeit Getreten sein. Dem Geiste aber — dem ans Gott hervor- 67) oqov )'7j%Ev o •O’sog nul vdfiov vfjv dg*szr±v rij tyvxfj. Leg. all, P. 7. I. 306. 68) Leg. all. 72. Wenn man nach diesen Worten, wie Gfrörer (a. a. Q. S. 400) und Andere es thun, behaupten will, daß Philo die menschliche Freiheit, die er selbst ftatuirt, wieder aufhebt, so ist man in einem großen Jrrtkl)ume befangen. Er leugnet nicht die Freiheit des Menschen, er behauptet nur, dass der Mensch als endliches, beschranktes Wesen und in seiner Endlichkeit und Beschränktheit nicht das Gute vollbringe, sondern dadurch, daß er in Gott lebt, daß er ganz aufgegangen ist in dem absoluten Geiste, ber dann allein tn ihm wirkt und schaffet. Und d-as gerade ist die höchste Freiheit, da der göttliche Wille dem Menschen dann nicht ein fremder, ihm gegenüberstehender., sondern ftin eigenes, sein wahres Selbst. Denn das Substantielle an den Menschen ist das „ihnen beiwohnicnde.Moment des Göttlichen." „Das Endliche, Vergängliche in der menschlichen Persönlichkeit umhüllt einen Kern, der eben das Bleibende in dem verschwindenden Scheine ist. So ist die menschliche Seite der Individualitäten ein Selbstloses gegen das absolute Selbst, das in ihnen auf die mannigfaltigste Weise sich äußert." Michele t Epiphanie I, 87. 69) Diesen nennt er oft icvEV{ia ayiov, Ttvwfiaz &eov oder ftziov TtvmiLci. So sagt er auch: öizzov slvcu, yevog dyfigcDTtcDV, to jilv -Os/oj nv£V(j,cizi, %ctl loyiGfico ßlOVVTCOV to 8s ccl{icctl % oti 6<2§N0§ rjdovfj Icovzcov, Quis rer. di v. h. 15. 70) Hiermit ist der Ausspruch der Rabbinen Al vergleichen: jwijj tnpn nra pK'ijj .D’pnsna' no bo Acmch. ist. 71) Ttavrl ysvvEKp nai clv anov8atog fj, naq ocov tjIQ'ev slg ysvs<nv, 6vfj.(pvhg vo dficigrdvov ioziv\ De yi* ta M. 215.

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