Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-07-14 · 28 (14.7.1849) · p. Spalte 437-438

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
28 (14.7.1849)
Date
1849-07-14
Page
Spalte 437-438 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9893990--5982-3535125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

437 Studken. Die Philonische Philosophie. 438 Weise ohne Selbstbeschönigungsversuche, gleichsam in puris natural ibus, gu geben; roä&wnb die Patristik, auf welche die Kritik zu allererst ihr Augenmerk richtete, ihre Relativnm lediglich zu polemischen Zwecken heranbri^gt. Noch spricht für die Authenticität talmudischer Aussagen das wichtige Moment, daß sie auf Augenzeugenschaft beruhen und aus dem unmittelbaren Leben gegriffen sind, während andererseits die patristischen Zeugnisse aus einnn Hörensagen abgeleitet sind und dadurch echt geschichtlichen Glaubwürdigkeit ermangeln. Selbst wenn die talmudischen Quellen ein starres Stillschweigen über diese Frage beobachteten und aus ihnen sich weder das pro noch das contra entnehmen ließe, wäre dieses argumentum e silentio geeignet die sprechendsten anderweitigen Beweise für die Fortdauer des Opfeckultus zu entkräften rc." Diese offene Aussprache christlichen Gelehrten gegenüber getilgte, wie es scheint, Hrn. F—l nicht, er beschwört „niemals mit dem Studium der K. V. sich befaßt zu haben", nichts destoweniger glaubte er zur Erklärung der von uns angeführten Stellen aus den K. B. Andeutungen geben zu müssen. „Es ist bekannt, sagt er, daß die Samaritaner das Opferlamm und das Sadbatopfer lange Zeiit nach der Zerst-örung dargebracht haben, es können sich -also diese Stellen a^s den christlichen Schriftstellern älterer Zeilen rheilweile auf die Samaritaner beziehen, und ist daher, eim weitere Erklärung über die Fortdauer des israelitischen O^ferkultus nöthig, da die Opfer der Samaritaner nach der Zerstörung Jerusalems notorisch stattgefunden haben. Dieses ist aber nicht der Fall mit Beweisen aus den jüdischen Tradttlonsbüchern rc " Ich muß.wiederum bedauern, daß mir, der ich dem Studium der patristischen Literatur lange obgelegen, Erklärungen wie die des Hrn. F—l nicht zu Gebote stehen. Abgesehen von Julians Bestrebungen in Betreff der Tempelrestauration und seiner Korrespondenz mit dem jüd. Patriarchen, so überzeugt jede Seite im Julian apud Cyrilluni Alex, die Bekanntschaft Julians mit Bibel und jüdisch-religiösem Leben. Herr F—l hätte dies schon aas unserer Abhandlung S. 360 —66 ersehen können. Gleiches gilt von Justin aus dessen Dialog mit Lryphon wir citirt haben und von Origines, der ebenfalls mit dem jüd. Patriarchen seiner Zeit und andern Rabbinen oft in Verbindung getreten, aus dessen Werken ich im Verlaufe dieser Arbeit Belege für unfern Gegenstand ansilhren werde. Die vornehmen Römer haben freilich Juden, Christen und Samaritaner oft mit einander verwechselt. Den angeführten Kirchenvätern, die keine Mühe scheuten, um mit Rabbiner in Verkehr zu gerathen und aus deren Mitthnlungen sie gelehrig horchten, kann nur derjenige eine so arge Konfündirung zwischen samaritanischer und jüdischer Religionspraxis zumuthen, der ihre Werke nie gelesen. Wir haben übrigens in unserer Abhandlung zur Genüge dargerhan, daß die kirchenväterlichen Notizen gegen die Opserfortdauer sprechen und ich werde dies weiter durch Stellen aus Tertullian und Ocigines noch näher beweisen. Aus dem in Kurzem von mir erscheinenden Buche wird auch hoffentlich die Nützlichkeit der patristischen Studien für Talmud und Midraschim klar heroorgehen. Ich will jedoch vorläufig an Hrn. F—l, der' die externen Quellen so gering zu schätzen scheint, die Frage richten, wie er eine genaue Darstellung der größten Epoche unserer Geschichte seit der Zerstörung, der heldenmüthigen Revolution unseres Volkes unterTrajan und unter Hadrian, ohne Dio Cassius und Eusebius zu Stande bringen möchte? (Fortsetzung folgt). Die Philonische Philosophie, in ihren Hauptmomenten dargestellt, von Dr. M. Wolfst (Schluß.) So ist der mdivivnelle Geist, wie hervorgangen, auch erfüllt und durchdrungen von dem allgemeinen Geiste, dem göttlichen löyog und in diesem Sinne sagt Philo59 ♦ ,,die menschliche Weisheit verhalt sich zur göttlichen, wie das Besondere zum Allgemeinen (r) öiacpepet. yevovg elöog) , oder wie das Abbild zum Urbildc (7} iq^Eximov).'1 ■— Der loyog, als die in teilt Menschen lebende und wirkende Vernunft Gottes, ist mich die sittliche Macht, die sein Leben leitet. „Einem Strome gleich fließt aus der Weisheit der göttliche Logos hervor, um die göttlichen und himmlischen Pstan-. zen und Sprößlinge iugcndliebender Seelen zu bewässern und zu tränken, wie einen Garten. Dieser heilige Logos theilt sich in vier Gebiete, ich meine, in die vier Tugenden, von denen jede Herrscherin ist."^ Der Logos heißt in dieser Beziehung gewöhnlich oQ&og loyog oder dgtfög xijg <pv6eoyg loyog. ' So sagt er61: x ctsvvnog uqexcov 6 QQ&dg loyog und an einer andern Stelle ß2+ xov oq-Q'ov , xrjg opvöE(og idyov, og fiovog söxiv dgexcov ctQyy] nai Ti^yi), Wie der loyog das Gesetz deS All, die das Universum nach innern, nothwendigen Bestimmungen in ewiger Ordnung leitende Vernunft Gottes ist, so sehen wir ihn hier als die im 8) Herr F—! nennt mit echt „konstitutioneller" Loyalität die Revolution, deren Held R. Akiba war, eine „Empörung"! 59) Quis rer. div. h. 30. 60) De sonmiis II, 313. Er symbolisirt an dieser Stelle Gen. 2, 10. Unter den vier Tugenden sind die vier Kardinaltugenden Plato's: cpgovriotg, ccocpQoavvr}} dvdgsLa, dtKcaoGvvr} gemeint. Vergl. Hegel a. a. O. u. B. II/ S. 281. 6!) De plant. N. 168. 62) De vit. M. 125. 28

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.