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Der Orient · 1849-07-07 · 27 (7.7.1849) · p. Spalte 427-428

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
27 (7.7.1849)
Date
1849-07-07
Page
Spalte 427-428 (sequence 6)
Language
German
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427 Stuoien. Gnosticismen Schranken der Endlichkeit zu durchbrechen und unsterblich zu werden.55 „Zum glücklich Leben — heißt es in der Schrift de muncli opificia 25 —- führt auch das Anschauen der himmlischen Gegenstände, wodurch der Geist ergriffen, Liebe und Verlangen empfindet nach ihrer Erkenntmß; hieraus entsteht die Philosophie, durch welche der Mensch, ob er gleich von Natur sterblich ckst, unsterblich wirb."56 — Dens Wissen und Erkennen doS menschlichen Geistes ist eine Wirkung des göttlichen loyog; durch ihn bekommt der Geist Kraft und Nahrung, er ist das Manna, mit dem der Geist gespeist wird. „Diejenigen, sagt er,^ welche fragten (in der Wüste) was das sei, was die Seele ernährt, erfuhren, daß dies das Wort Gottes, der göttliche Logos sei, aus dem alle Wissenschaft und Weisheit in einem unerschöpflichen Strome fließet. Dies ist die himmlische Speise, welche gemeint wird in dem Werte Gottes: „stehe, ich lasse euch regnen Bros vom Himmel", denn in der That laßt Gott heradströmen die' himmlische Weisheit auf die gutgearteten und schaubegierigen Seelen." .... „Sichst du nun, heißt es an einem andern Orte, was die Nahrung der Seele sei? Es ist der immer thätige göttliche loyog, der dem Thaue gleich, die ganze Erde erfaßt und keinen Theit von sich unerfüllt läßt." Die göttliche Veriutnst erscheint-und wirkt jedoch blos da, wo der Geist nicht getrübt und gefesselt ist von den Banden der Sinnlichkeit und daher sagt Philo richtig weiter: „aber nicht überall zeigt sich dieser loyog , sondern nur da, wo Leidenschaft und Bosheit fern sind .... Man könnte ihn auch mit dem Augapfel vergleichen. „Wie dieser trotz seiner so geringen Größe alle Zonen der Erde, das unermeßliche Meer und bie smute ^(11^1:0^1111173 des Luftraumes und den ganzen Himmel im Osten und Westen überschaut, so ist auch scharfblickend der Logos und Alles zu schauen im Staude; durch ihn wird Alles geschaut, was des Schaueus würdig ist."^ ^Schluß folgt.) 55) Die Unsterblichkeit der Seele ist so bei Philo, wie bei Dlato, in dem Denken begründet. Insofern das Denken die Substanz, das Wesen des Geistes ist, ist der Geist unsterblich. Vergl. Hegel Geschichte der Philosophie II, S. 206 ff. 56) 7/ dscögia zcov war ovquvov dcp rjg nlr}%d'Eig o yovg eqcozcc %ul noQ'ov eg%e zrjg tovtcqv £7UGTij[irjg, oxtsi> TO cpiXococplag dveßluGTijGE ysvog, dop’ ov y.ulzoi ^vrjzdg tov o äv&Qonog dnu&avL&zcu. Die Philosophie desinirt er folgendermaßen: egxl (ptloGocpla smzridsvGLg aocpiag, GOCpia §£ £7CLGZ7]^7] ftstoOV Y.ul (XV&Q (ßltCvCüV Ktti TCOV ZOVtgjv ultlcov. De congr. qu. mid. gr. 86. Die Philosophie ist ihm etwas Höheres, als in unserer Zeit noch manchem Gelehrten z sie ist ihm die Quelle alles wahrhaft Guten: dya&cov oau nQog dlr}Q£i,ccv dyccd'u 7irjyrj rpiloaocpZcL. De spec. P. 806. 57) De pro fug. 138. Cf. Exod. 16, 4 ff. 58) ogag zrjg ipvyTjg zQoeprjv oiu iazl; Aoyog &eov und Antignosticismeru 428 Gnosticismen und Antignosticksmen. Von Ad. Jelliuek. Jede Religion bildet im Verlaufe der Zeit eine R e l i g i 0 n sp h i l 0 so p h i e aus. Diesen Satz bestätigt die Geschichte aller Religionen. Während man nun & priori auf das Vorhandensein einer religiösen Philosophie zur Vluthezeit der Haggada schließen kann, zeigt die jüdische Geschichte a posteriori, daß die jüdischen Religionsphitosophen sich stets der Philosophie ihrer Zeit anschlossen, sie eigenthümlich verarbeiteten oder bekämpften. Man kann daher mit Gewißheit annehmen, daß die Gnosis einen bedeutenden Einfluß auf die ältesten Deuker des Judeuthums ausübte. Die Spuren dieses Einflusses, der direkt durch die Aufnahme guostischer Ideen, oder indirekt durch die Bekämpfung derselben sich zeigt, sind in der Haggada zahlreich vorhanden« Die Haggada zerfällt nämlich in drei Theile: 1) in Fragmente alter Homilien, 2) in Fragmente des Schulunterrichts und 3) in Fragmente alter Philosopheme, so daß eiu Theil an das Volk, ein anderer an die Jugend und der dritte au die gelehrten Männer gerichtet ist. Wir haben es jetzt mit den dritten Fragmenten zu thun. Hr. Gr ätz hat allerdings das Verdienst, durch seine Schrift über den Gnosticiönius ein für die Kultur- und Religionsgeschichte weites und ergiebiges Feld zuerst bestellt zu haben; seine Schrift ist von Bedeutung, wenn mau den Impuls und die neuen Gesichtspunkte -erwähnt, die durch dieselbe gegeben wurden: allein das Thema ist so reichhaltig, daß noch viele Geister sich an deutselbeu erproben können. Einen Beitrag zu demselben liefern wir hiermit, indem wir einzelne Punkte ntnb Sch lag Wörter herausheben , an die sich das Material anreihen läßt. Adam. Bcrcschit Rabba Kap. 14 leset! wir: □rrm* non uh d"uvn; in Pirke Abot IV- 2. 3 finden wir: ynirb nJ ipi mnd nnn mtpy, ferner 'üi pi)rb d.tdn ijn rm nnn mwy. Die Bedeutung dieser Stellen srappirt uns, wenn wir sie mit dem K'rjQvy^a UivQov (Clemmtinische ERefaßiiiticnen I, 27 —72; Hilgenfeld: die Clement. Neeogn. Jena, 1848, S. 52 ff.) vergleichen. Petrus hebt auch hervor, daß von Adam bis Noa 10 Geuerativueu sind, in der n e u n t e n Generation erstanden die G i g a n t e n, welche durch ihre Frevel die Sündflrtth veranlaßten, nach (>vv£%rjg, iowcog üHosw, uvkIcq tvuguv nsQiEtlricpcdg, y.ul firjdlv fiSQog d{u£zo%ov avvov ecoy. dPaivEzca 6e ov itccvza%ov -o loyog ovzog all3 in £qtj^ov nciftaiv %al y.uy.icov ncä d Q'slog loyog o£vd£QK£zazdg egzco , cdg ndvzu icpoeZvcu £wai>os , w tu ftiocg ä^icc yMzoapovzoct, Leg. all. IH, 172.

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