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Der Orient · 1849-07-07 · 27 (7.7.1849) · p. Spalte 421-422

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
27 (7.7.1849)
Date
1849-07-07
Page
Spalte 421-422 (sequence 3)
Language
German
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431 Studien. HUel der Zteltere. 422 Schriftworte gemäß (Lev. 25, 29 ff.) von der Jubelfeier ganzunabhängig ist. Wir müssen uns daher nach einem andern Leitfaden umsehen, und einen solchen glauben wir in folgender Mittheilung eines Mi sch na-Lehrers gefunden zu haben. Dem Ausspruche der Mi sch na (Rösch Ha-Schana 2a), .,daß das Jubeljahr mit dem ersten Tischri, (dem siebenten in der Reihe der Monate Num. 29, 1) beginnend", wird (ibid. 8b) die Stelle Lev. 25, 9 ff. entgegengehalteu, wonach das Jubeljahr erst mit dem zehnten Tage des siebenten Monats beginnen soll. Dieser scheinbare Widerspruch zwischen Mi sch na und Bibel findet seine Losung durch die Mittheilung des R. Jsmaet, welche lautet, wie folgt^: „Vom Neujahrstag (1.Tischri eines Jubeljahres) dis Zum Versöhnungs tage (Ll). dess.) haben sich die Knechte (die durch das Jubeljahr frei werden sollten), weder als frei,^ noch als leibeigen^ betrachtet, sondern sie schmausten, zechten und jubelten mit bekränztem Haupte, bis der Versöhnungstag herankam und das Gericht die Posaune erschallen ließ, da waren die Knechte frei und die verkauften Stammgüter kamen wieder an ihren ursprünglichen Besitzer zurück." — Daß diese Worte für mehr als ein lustiges Theorem gelten wollen, wird wohl kein Unbefangener in Abrede stellen; die Angabe: „die Knechte schmausten, zechten und jubelten mit bekränztem Haupte" lautet zu bestimmt, als daß sie für etwas. Anderes als einen historischen Bericht betrachtet werden könnte. Offenbar liegt ihr eine Lhatsache zu Grunde, die durch lebendige Tradition zur Kenntniß des R. Jsmael gelangt war." Dies gewinnt um so mehr Wahrscheinlichkeit, wenn man erwägt, daß der Vater dieses R. Jsmael, R. Jochanan ben Beroka, mit R. Josua, dem Augenzeugen der Belagerung Jerusalems durch V e s p a f t a n (Gittin 56 a), Umgang gepflogen." Zu dieser Zeit lebten gar viele Greise, die ihr Vaterland noch in Ruhe und Frieden und seine Institutionen in voller Geltung gesehen hatten. Eine von Augenzeugen ausgehende mündliche Rela- 11) Siehe oben Anm. 8. — 12) „Q'-oy rn omaan dt» njwn tötnö j^din ' jn'jn^b pzayniPD ' prab pödj ♦ Dniwn OU ]vo jn wd jirnnoyi - pnoKn pnHso tmttn ' Dnay nioDJ ' “idieo p rrn iypn nnnn", Rösch Ha-Schana 8b. — 13) Weil die Freiheit erst am 19. vermittelst der Posaune proklamirt wurde. — 14) Weil das neue Jahr im Grunde doch schon mir dem Ersten beginnt. Die betreffenden neun Tage wurden daher als ein Interregnum betrachtet und von den Freiheitskandidaten auf ihre Weise gefeiert. — 15) JNDD (R. Ha-Sch. ib.) kann hier offenbar nur die Bedeutung haben, daß dieser Umstand (nämlich die Aufwerfung der betreffenden Frage), die Veranlassung zur Mittheilung des R. Jsm. geworden- — 16) NDDn in uyVN 'n Npru fl pni' '313 ntyyo 'i3i pjrps3 ycnr? ’m ’JD taprfc lobm, Chag. 3 a,- tton war also zur Zeit des R. Jsmael sehr leicht möglich. Demnach hätten wir hier von dem Stattfinden der Jubelfeier während des zweiten Tempels eine sichere Spur gefunden." Dagegen erhebt sich jedoch eine nicht unbedeutende chronologische Schwierigkeit. Wie wir bereits oben^ nachgewiesen haben, waren die Jahre 163 und 39 ante, wie auch das Jahr 69 post Sabbat-Jahre; das erste Buch der M a kk a b ä e r, 19 Iosefus'" und der Talmud^ liefern die Belege dafür, an deren Glaubwürdigkeit um so weniger Zu zweifeln ist, als sie sämmtlich auf's Genaueste übereinstimmen und so sich gegenseitig ergänzen und bestätigen» Zwischen 163 und 39 ante liegt aber ein Zeitraum von 13Z Jahren, der durch 7 theilhaft ist; dasselbe ist auch mit den 98 Jahren der Fall, die zwischen 30 ante und 69 posfe liegen. Wo aber bleiben die Jubeljahre, deren doch während des gedachten Zeitraumes^ wenigstens vier hätten sein müssen? Diese chronologische Schwierigkeit wird übrigens schon vom Talmud, wenn auch nach einer andern Berechnung,^ jener Angabe entgegengestellt, daß das Jahr 69 post ein Sabbatjahr gewesen sei, und das Resultat ist, daß die fragliche Angabe aus den Ausspruch des R. Jehudcr basirt wird, wonach das Jubeljahr zugleich auch die kommende 17) Die Erzählung des R. Jsm. auf die Zeit des ersten Tempels zu beziehen; wäre mehr als gewagt. — 18) , LB. d. I. Nr. 21. S. 323, Anm. 5. — 19) Daß 1 Mali. 6, 49, 53 das I. 163 ante gemeint sei, geht, abgesehen von unserer Berechnung (LB. 1. c.) vermittelst der Angabe des Josefus (Ant. XV. 1, 2), schon aus ib. 20 hervor, wo ausdrücklich gesagt wird, daß die Einschließung der Festung in Jerusalem durch Juda, was das Heranrücken des syrischen Heeres und die Einnahme Bethsur's zur unmittelbaren Folge hatte, im I. 159 nach d er seleucidischen Aera stattgefunden (.. . hovg nsvTTpioßtov 5idi hctToarov 163 ante). Vgl. ib. 7, 1» — 20) I. c. — 21) 'Arach. 11 d; Ta^anit 29 a; Seder *Olam rabba 30, Wir haben in Bezug auf unsere frühere Bemerkung (LB. 1. e.) hier noch zu bemerken, daß Maimuni's Auffassung von rvy'CW wyiD (ibid ) im Talm. Arach. 12 b ihre nachdrücklichste Widerlegung findet, indem das daselbst ausgesprochene snn WälDrr ronifiW, nur auf das erste Jahr einer Hebdomade bezogen werden kann. Des Maimuni's offenbar gewaltsame Interpretation dürfte vielleicht ihren Grund in dem Umstande haben, daß dem schlichten Wortsinns der fraglichen Stelle nach, die Zerstörung Jerusalems durch Titus in das Jahr 70 fasten würde, also um ein Jahr später als die meisten jüdischen Chronisten anzilnehmen pflegen. Dieser Umstand scheint uns beachtenswerth. — Siehe Rapaport's treffliche chronologische Abhandlung imBusch'- schen Kalender für d. I. d. Welt 5695. S. 243 ff. — 22) 232 I. — Schon innerhalb der 133 Jahre zwischen 169 und 39 ante hätten wenigstens 2 Jubeljahre gefeiert werden muffen; da aber auch diese Zahl durch 7 theilbar ist, so kann während des erwähnten Zeitraumes unmöglich eine Jubelfeier stattgefunden haben. Vgl. De Wette, LB. d. hebr.-jüd. Archäol. (3. A.) S. 197. — 23) 'Arach. 12 d. - 27*

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