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Der Orient · 1849-07-07 · Heft 27 (7.7.1849) · p. Seite 127

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 27 (7.7.1849)
Date
1849-07-07
Page
Seite 127 (sequence 5)
Language
German
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127 — Selbstständigkeit existirenden, noch inniger aber eines durch unheilschwangere Zeitstürme zu Trümmern gewordenen Volkes, ist das heilige, unwiderstehliche Streben, durch Beibehaltung der ihm eigenthümlichen Sprache und Sitten seine Nationalität zu bewahren vor dem Untergänge. Ja, einem unterdrückten und zersplitterten Volte ist seine eigene Existenz der seiner Nationalität subordinirt, und je mehr es auf die Unterdrückung derselben, abgezielt wird, und je größer die Spuren von deren begonnenen Anbrüchigkeit sind, desto stärker äußert sich dann die entgegenstrebende elastische Kraft zur Renitenz. —- Auch beim jüdischen Volke bewährt sich diese Erfahrung, indem es trotz seinem verhängnißvollen Schicksale , aus seinem Lande verdrängt, fast unter alle Völker der Erde zerstreuet zu werden, seine Gesetze, Sitten und die Hebr. Sprache, die Ursprache, in welcher seine geoffenbarte Gesetzgebung es den größern Völkern so glorreich koordinirt hatte, sogar mit Hintenansetzung des eigenen Lebens beizubehalten sich nicht schenkte, weil es diese gleichsam, als den geistigen Reifen betrachtete, die gewaltsam auseinander gerissenen Theile zusammen zu halten. Die Kenntnisse in den Zweigen der Sprache, Gesetze, Sitten und auch der Geschichte seines Volkes find also die wichtigsten Momente, um der Jugend ihre Nationalität nachhaltig einzuimpfen, und giebt es für die jüdische Jugend zu diesem Zecke unstreitig kein besseres Lehrbuch, worin Alles vereint ist, als das alte Testament in seiner Ursprache. Hier ist Gediegenheit der Sprache, in Prosa wie in Poesie, der Schwung erhabener Ideen, Gesetze und die wichtigste Urgeschichte dieses Volkes — Alles in der Unverdorbenheit — anzutreffen. Um aber den Unterricht in einer Sprache, besonders in der höchst mangelhaften, durch Kürze und Erhabenheit ausgezeichneten hebräischen mit gutem Erfolge zu betreiben, sind zur Erreichung dieses Zweckes Gründlichkeit in dem zu erlernenden Inhalte, wie auch richtige und unzweideutige Beleuchtung der einzelnen Ausdrücke unerläßliche Bedingungen, indem diese als Surrogat des Umganges und belebende Seele in dem Embryo des kalten Wortes dienen müssen. — Es ist aber fast kein Weg für die unschuldige Jugend so dornenvoll und schlüpfrig, es enthält fast kein profanes Buch so viel Zündstoff, die Phantasie der Jugend zur Unkeuschheit anzuflammen und deren Sinne reinen Quell zu trüben, als einzelne Kap. im Alten Testament besonders im Pentateuch. Hier sind die unzüchtigen Begebenheiten von der Wiege und Jugendzeit des Menschengeschlechts, wie auch die Gesetze über Unzucht, Blutschande, weibliche Reinigung u. dergl. Aus Muhren, im Juni. Die Taube, die bei jetziger Sündfluth von falschen Nachrichten keinen festen Boden der Wahrheit finden kann, kommt wieder mit einem zerrissenen Blatte im Munde mit der Nachricht, daß während der Anwesenheit der russischen Hilsstruppen in Hradisch, den Israeliten der dortige Aufenthalt über 12 Stunden, wegen des verübten Betruges bei der Geldemwechslung, streng untersagt sei, und daß man auch in dieser Kreisstadt israelitische Spione in Weiberkleidern ergriffen habe. Nicht nur officielle Journale, sondern auch viele glaubwürdige Reisende, die von Hradisch kamen, widersprachen diesem Gerücht, und es ergibt sich, daß eö nur aus der Quelle der Bosheit, deS Neides und des Hasses geflossen ist, und nicht wegen deS Geldes-, sondern wegen deS Standeswechsels — die Emancipation — kann ein solches Gerücht verbreitet werden. Was die zweite Beschuldigung betrifft, so sagt man immer von Spionen, daß sie Juden sein, und will dem MoseS, der dem Spione Hosea ein Jud vorwarf, irrMmlich nachahmen. Die Weiberkleidex aber sind rein erlogen; da die Juden strenge Mannszucht halten, und bedürfen keiner Verkleidung wie die Korrespondenten in ihren lügenhaften Artikeln; und eS wäre unmöglich, daß diese Leute einen Raum in den Spalten für so viele Lügen hätten, wenn sie nicht mit Zwiespalt schrieben. B. Erinnerungen von E. L. 4. Loyale Gesinnung der jüdischen Kammerknechte. Es giedr Leute, die nicht müde werden, von der demokratischen Gesinnung der Juden zu sprechen, es giebt Blätter wie die neue preußische Zeitung, die täglich ihren Lesern Mähr» chen auftischen von den Juden, als den schrecklichsten, gottlosesten Demokraten und Ünterwühlern des christlichen Staats. Da ist keine Revolution, keine Emeute, die nicht von Juden geleitet worden wäre. In Leipzig entstand durch ein „Mißverständniß" ein Putsch mit obligaten Barrikaden und Schüssen gleich kommt die neue preußische Judenfrefferei und sagt: dieser Putsch sei von Meßjuden angelegt worden. Auch in Dresden sollen Juden All.es geleitet haben — sagt die N. P. Zeitung, aber eine offenbare Verläumdung, denn wer die Dresdner Juden kennt, der weiß, daß sie sich an keiner Bewegung betheiligen, geschweige daß sie eine solche leiten sollten! Die deutschen Juden, besonders die Komerzienräthe und Konurzienrathsembryonen, die Hoflieferanten und Hostieferungsaspiranten uttter ihnen, sind geborene Loyale, stete Anhänger des Bestehenden, d. h. dessen was gesiegt hat, und wer das nicht glauben will, der gehe nur nach Wien, Berlin, Dresden oder. anderen Residenzen (zu deutsch „belagerten Städten") und es wird dort wenig jüdische Physiognomien finden die nicht speeifisch schwarzgelb, schwarzweiß, grünweiß, kurz mit den Farben, die gerade da im Lande „bestehenden" sind, kolorlrr wären. Doch wir erinnern uns, daß wir „Erinnerungen" und nicht Apologien schreiben, daß wir von der Loyalität der jüdischen Kammerknechte, und nicht von der der heutigen Juden sprechen wollten. Darum zur Sache! Die Geburt deS ältesten Sohnes Kaiser Karl Vl. von Oesterreich, dem in der Taufe der Name Leopold zu Theit wurde, begeisterte zwei große Judenschaften, die Frankfurter

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