Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1849)
- Date
- 1849-07-07
- Page
- Seite 128 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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128 und die Prager zu dichterischen Produktionen. Die Frankfurter Juden überreichten ein Gratulationsgedicht, in dem u. 2£. folgende interessante Stellen Vorkommenr „Friede, Friede! auf, auf triumphire, Du teutsches Vaterland mit tausend Freuden führe"— „Es lebe Lcopoldus, Erzherzog von Asturien Prinz, Es leb' und florire Karl der Later dem wir Alle sein s ch u l d i a C o n t r i b u t und Ains, Auch das fromme Fürstenhaus, so von der Chur wir kennen, Und sich pflegt von Schönborn ordentlich zu nennen Sammt den übrigen Seelen, so mit uns genießen jetzt der Ruh, So lang der gütige Himmel es uns lasset zu." Nicht ohne innige Rührung vermögen wir die erste, historisch höchst bemerkenswerthe Stelle zu lesen. „Das teutsche Vaterland". Im Jahre 1716 also 132 Jahre vor ihrer gesetzlichen Anerkennung sprechen die Juden schon das aus, was sie 1813 durch die That, was sie Menschenalter hindurch durch kräftiges Wirken, durch geistiges Streben* immer und immer an den Lag legten, sie sprechen vom deutschen Vaterlande! Minder ernst wird den Leser die zweite mitgetheilte Stelle lasten. Man sieht die Juden sind wahre Patrioten. Sie erflehen nicht blos den Segen für einen deutschen Fürsten, unter dem sie gerade stehen, nein solchen Partikularismus kennen sie nicht, sie stellen den Kaiser mit dem Erzherzoge und den Kurfürsten zusammen, also die vielköpfige Einheit Deutschlands unter den Schutz Gottes. — Nein ist der Kaiser Karl gewidmete Wunsch „dem wir schuldig sein Eoritribut und Ains", es scheint fast als ob man den Kaiser segne, weil man ihm zinspslichtig sei. Von der friedlichen Gesinnung der Juden giebt endlich folgende Schlußstelle Zeugniß: „Und weilen aus den traurigen Kriegen mehr Böses als Gutes entspringt, Hergegen alles Guts der güldene Frieden mir Freud' uns bringt, So'soll des Krieges Namen sofort untergehn An desselben statt des Fried mit Freud ohne End bestehn." Darauf kommt folgendes in der damals beliebten Form des Echo geschriebene Gedicht: Wie lange wird wohl glänzen des Prinzen Sonnenschimmer? — Im mer Wem wird wohl sein Ehr und Lugendlauf gefallen? — Allen Wo wird man vor Freuden den lieben Prinzen mehr loben? — Oben Wie sott denn der rechte Name des lieben jungen Prinzen sein, dem das ganz römische Reich ist lieb und hold? — Leopold So wird die Nachwelt von jetzt noch lang ehren seinen Namen — Amen. 5. In Prag veranstalteten die Juden dem neugebornen Prinzen zu Ehren eine Feierlichkeit, wobei sie auch eine Ehcen- *) Freilich die Freisinnigen mehr als die Orthodoxen, die liberalen Gelehrten mehr, als die konservativen Großbürger (Bourgeois)« pforte errichteten, üuf deren verschiedenen Seiten poetische Ergüsse angebracht waren. Auf der Vorderseite stand: „Wie den Jakob Gott gesegnet, also sean' auch Oesterreich, Daß ein Meng der Erb'n ihm regnet, und kein Haus ihm fei gleich, Von diesen Joseph bis auf Rüben steige Kaiser unser Herr, Wie'n Jakob mit Tutzel (12) Buben nach sein Wunsch ihn Gott vermehr. Hohes Haus von Habsburg lebe wie die Stern' und das Getreid, Alle Kronen ihm Gott gebe bis zur Krön' der Ewigkeit. Also wünschen, beten, flehen die Rabbiner und ganz Gemein, Wann wir's nicht recht treu verstehen svll'n wir kein' ehrliche Juden sein." A u f d er R ü ck se i t e: Adonai! Der Prinz soll leben neugeborener großer Held' Gott wird ihm die Stärke geben , wider seine Feind' im Feld Wie der Simson kunnte.zeigen mit Eselsback seine Macht, Krigt der Feind lausend Ohrfeigen (!) das römische Reich darzu lacht. Lang sott leben der junge Kaiser Brechen seinen Feinden Hals und Bein, Drauf in allen dero Häuser werden die Juden Herren sein (!) Dies gicb Gott daß nur bald geschehe all wir Juden beten drum DaßderFürst gnädig ansehe Das bedrängte I u d e n r h u m". Auf einer andern Tafel endlich stand: ,>Ma.u hu, was für große Freuden sein heut in der Judenstadt Jeder thut sich sauber kleiden, und bringt er All's was er hat Neuer Simson ist geboren der bringt den Juden lauter G l ü ck, Was wir sonsten habn verloren hoffen wirs all Augenblick. ' Drum laßt den Prinzen nur lang leben . alt sein wie Methusalem Vielleicht wird er uns w i ed erg eben unsre Stadt Jerusalem (!) ** Bec'l nur fleißig ohn Aufhören für das Haus von Oesterreich, Denn wenn Gott uns wird erhören da kommt Kaisers Gnad zugleich." *) Sollte Jemand den Ausdruck „neugeborner großer Held" hyperbolisch und lächerlich finden, den erinnern wir daran, daß die Prinzen so wie sie geboren, sogleich Ossiciersrang erhielten. "*) Wahrscheinlich eine Anspielung auf den kaiserlichen Titel in partihus: „König von Jerusalem"? Verlag von C. L. Fritz sehe. Druck von H. Nagel.