Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1849)
- Date
- 1849-07-07
- Page
- Seite 126 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 126 - der selben vollbegriindeten Anspruch habe. In diesem Sinne aber sei es die Pflicht des Vorstandes, dafür Sorge zu tragen, daß den einmal auseinandergetretenen Parteien innerhalb der Gemeinde, einer jeden nach ihrem religiösen Bedürfniß ihre Befriedigung gewährt werde. Und zu diesem Zweck erscheine die Sonderung der Gemeinde in zwei selbstständige und unabhängige Synagogenverbände in so weit angemessen, als es lediglich auf die Wahrung ausschließlich religiöser Interessen ankomme, wogegen die Einheit der Gemeinde in Bezug auf alle andern Institute zu erhalten sei, welche die sonstigen und insbesondere die Humanirärsintereffen derselben beträfen." (Forts, folgt.) Deutschland's vereinigte Staaten. Frankfurt a. d. O., im Juni. Die Leser Ihres Blattes werden es verzeihen, wenn von hier aus einmal ein eigenes Wort über Politik zu ihnen gelangt. Jetzt, wo auch für das Juvenlhum eine Zeit gekommen ist, in welcher dir bedeutungsvolle Trias: Religion, Politik und Socialismuö alle Phasen seines Denkens ausfüllt , wo jene drei Gewalten als die mächtigsten Momente in den Vordergrund des Tagsinteresses traten, jetzt hat die jüd. Journalistik die Aufgabe neben bem blos rationalen, specisifch jüdische», einen höher», oder wenn man will, allgemeinem Standpunkt einzunehmc» und nach jener dreifachen Seite hin, der religiösen, der socialen und der politischen ihre Kräfte zu richten. Meine heutige Relation betrifft die politische Richtung der hiesigen israelitischen Gemeinde. Frankfurt steht allgemein im Rufe der Demokratie; die Wahlen für die zweite Kammer, die stattgcfundcnen und noch stattfindrnden Kongreffe der Demokraten, so wie die hiesige nominell vielfältigere TagcSprcffe geben jener vox populi das Siegel der Gewißheit; doch irrt man sehr, wenn man dies von den hiesigen jüdischen Bürgern behaupten wollte. Die beiden äußersten politischen sind Parteien hier nur in einem sehr geringen Maße vertreten, der bedeutend größere Theil der Gemeinde gehört, wie dies wohl überall der Fall sein mag, dem Centrum, d. i. der konservative» Richtung a». Es fällt mir hierbei das Wort jenes großen Franzosen ein, welches lautete: du sublime au ridicule n’esl qu’un seul pas — erhaben und lächerlich sind allerdings die jetzigen zwei Extreme in der Politik — wobei ich mich der speciellern Bezeichnung enthalte — doch liegt zwischen beiten nicht «in Schritt, sondern eine weite Kluft und diese wird hier von der größer», Masse der gemäßigt Konservativen ausgefüllt. Hr. Dr. L—g, Arzt, ein Mann von genialem Geiste wird hier zu den Koryphäen, dies mit Recht, doch mit : Unrecht, zu den Chorführern der Demokratie gerechnet, er ist weit entferiit der excentrischen Richtung dieser Farbe anzugehören und genießt wegen seine» gemäßigt liberalen Sinnes allgemeine Achtung. — Hr. Dr. 8—n, al« Arzt und Gelehrter gleich geachtet, gehört jener näher bezcichnctcn konservativen Richtung an. Seine journalistische Thätigkeit trägt ganz das Gepräge eines so oft und mit Recht gerühmten jusle milieu an sich, und ich erlaube mir einig« Proben aus derselben den Lesern d.! Bl. vorznführen. I» einem Aufsatze mit der Ueberschrist | „Sind wir frei?" in dem hiesigen Organ für dir demokratisch-konstitutionelle Monarchie, dem Telegraphen, kommen kernige Sätze wie folgende vor: „Ich hörte einst vom alten Hegel: „Meinung kommt von mein, es ist keine Deinung, keine Seinung; es ist eben eine Meinung." — Und was begehrt jetzt daS frei sich gebehrdende Volk? Es »vill auS jeder Meinung eine Seinung machen; eS »virft jeden zu de« Todten, der nicht daS Glück hat feinet alleinseligmachenden Ansicht beizutreten." — Ferner: „Man äußere eine noch so gemäßigte politische Gesinnung, sofort »vird man von der einen Seite für einen wühlerischen, fanatischen Umsturzmenschcn, von der andern für einen kriechenden, frömmelnden Reaktionär erklärt. Und die» nennt Ihr Freiheit? — Ist denn verstummen müssen Freiheit? Ist verketzern Duldung? — „Der Verfasser hat in diesen , so wie in den folgenden und trefflichen Theilen seines Aussatzes vollkommen Recht; doch »venn er dem tyrannischen (!) Volke zürnst: „Gebet doch Gedankenfreiheit"! so ersuche ich ihn bemerken zu wollen, daß die Gedankenfreiheit für jenes edle niedergedrückte Volk der Niederlande allerdings ein Rettungsanker 'der zu erlangenden Freiheit war, daß aber die Gedankenfreiheit in unserer Zeit, die namentlich von einer Seite her daö Recht der Existenz nicht zu erbetteln braucht, da sie unter der Aegide des Zusatzes — die schönsten Blüthen treibt, daß diese Gedankenfreiheit ein stcigewordeneS Volk »vicdrr in den Rachen der Knechtschaft zurückivirst und — sit venia dictis — das Recht her Existenz nicht verdient. — Einen andern Aufsatz liefert der Vers, im hiesigen patriotischen Wochenblatt« unter der Ueberschrist: „Welche Pflichten hat die Presse in jetziger Zeit?" Diese Arbeit verdient die vollste Beachtung und Beherzigung. Ich »vill von den vielen, durchweg trefflichen Gedanken nur einen hervvrheben, er lautet: „Die Freiheit der Presse locke die herrlichsten Blüthen in allen Fächern des Denkens und Wissens hervor ...» nicht hohle Phrasen, nicht schöneWorte, nicht ideale Tränme, sondern Entwürfe, der Wirklichkeit entnommen. Ideen, im Boden keS Lebens wurzelnd, gebe man dem Volte." — Die Leser werden in dieser kurzen Schilderung di« politische Richtung der hiesigen Genieinde kennen gelernt haben; von der socialen und religiösen ei« ander Mal. — Dr. 8. Lewysohn. Tehmiegel, 3. Juni. (Hebr. Unterricht.) Ver- »vebt mit allen Lebensfragen eines in seiner glvrreichen