Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 26 (30.6.1849)
- Date
- 1849-06-30
- Page
- Spalte 411-412 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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412 411 Studien. Pythagoräische und kabbalistische Lehren. NNO rrn# \böa 'ir\y '.nn jND^ro. | Das Begrenzende, Bestimmende ist dem Pythagoras das Thätige, Aktive; das Unbegrenzte, das Leidende, Passive, daher das häufige Vorkommen bei den Kabbalisten von TDp#Die Pythagoräer wendeten arithmetische Formeln und Ausdrücke auf ihre Philosophie an, und übertrugen sie aus dieselbe. Die ungerade Zahl nannten sie die vollkommenedie bestimmte; die gerade, die unvollkommene, die unbestimmte. Die Gründe dafür sind verschieden. Haben wir das «Trs^o-n richtig als die Idee der Zeit und des Raumes anfgefaßt, so konnte man als Grund angeben, weit die Zeit, insofern sie bestimmt wird und begrenzt ist, aus der Trias von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft besteht, und der bestimmte, vollkommene und begrenzte Raum, die drei Dimensionen von Länge- Breite, Höhe oder Tiefe hat. Das Eins aber dachten sie sich als die Wurzel, und Quelle von beiden. Da nun Gott das allervollkommeuste Wesen ist, so glaubte vielleicht der Schar, eine Dreieinigkeit annehmen zu müssen 'n , , 'n, welche drei jedoch Eins sind iriN NH^m, welche Dreieinigkeit drei Attribute der Gottheit bedeuten dürfte, vermöge welcher er Schöpfer- Erhalter und Entwickler der Dinge ist, analog der physischen Zmguugs-, Eruährungs-und Entwickelungskraft bei Thales. 'n charakterisirt Gott als Schöpfer, N1'1.17O5UW; als Erhalter; und weil die Entwicklung eigentlich eine sekundäre Schöpfung ist, darum charakterisirt ihn 'n wieder als Entwickler der Dinge. Einen besondecn Werth hatte dann die Zahl 10 ösjcag bei den Pythagoräern, weil sie nach dem dekadischen System die erste Reihe schließt, und dm Ucbergang zu Eins macht, sie umfaßt alle musikalische und arithmetische Proportionen, und bezeichnet das System der Welt, daher kommt es vielleicht, daß spätere Kabbalisten eine dekadische Vollkommenheit Gottes annahmen, das sind die 10 Sesirot. * So sagt Bu.rtorf im Wörterbuche zu diesem Worte: sunt decem posiliones primae et mysticae, de proprietatibus, notionibus sive altribuiis diyinis, sunlque generalia fundamenla, super quibus tola tlieologia cabbalistica aediilcata esl. Vgl. Reuchliiuis lib. 3. Weil die öenttg durch die Addition der 4 ersten Primzahlen 1, 2, 3, 4, gebildet wird, darum vindieirten die Pythagoräer auch der Tetras eine Vollkommenheit. So spielt auch bei den Kabbalisten unter allen göttlichen Namen das Tetragrammaton die bedeutendste Rolle. Was den bestimmten Gedanken von Gott betrifft, so legen einige freilich den Pythagoräern die Vorstellung bei, das Centralfeuer oder gar die Sonne sei Gott: allein dies ist unrichtig , vielmehr dachten sich die Pythagoräer Gott als die ewige Intelligenz, welche *) Nach Rapaport m d. Biogr. d. R. Nissr'm Anm. 41 bedeuten Sesirot Zahlen. die ihr untergeordneten zwei Naturprinzipien nach mathematischen Gesetzen und Verhältnissen bestimmt, dessen Substanz dem Licht ähnlich (S. Siew. Gesch. d. Philosophie Th. 1. S. 61); die Seele aber ist ein Ausfluß des Centralfeuers, d. i. der lichtähulichen Gottheit. So sagen auch die Kabbalisten (S. Nischmat Adam F. 6): Od O'^2 QV■7n -o wri ’-din -nötM bfncwnD rioett NWi. (Auch im Parstsmuö si'ndet sich diese Idee. 'Die Uranfänge — Feuer — sind Licht. S. Kleukers Zend-Avcsta im Kleinen S. 6?). Die Seele war ferner den Pythagoräern aus 2 Theilen zusammen gesetzt, aus der rationalen, welche im Gehirne wohnt, und der irrationalen, welche die Leidenschaft in sich faßt, und im Herzen wohnt. Die Kabbalisten haben eigentlich 3 Seelen: nDtw nn ist die irrationale; NN' die rationale; nüW) aber bezeichnet keine eigene, sondern die Seele, sofern sie in der Welt der Erscheinungen, als Rcsultireude der beiden Gegensätze nach dem Göttlichen strebt. Daß Hübw bübi bei den Kabbalisten die ^sTE^vicoaig der Pythagoräer sei/ braucht kaum erst erwähnt zu werden. Auch die von Pythagoras angenommene Präexistenz der Seelen sindct sich bei den Kabbalisten. So sagt R. Menasse Ben Israel: niDtwnp Nin D^iyn niDiN njntf D.in djidn:) rböN 'ü'bw , cp rwtOZJ w nm2 tsmw nobw. Die Region der Luft dachten sich die Pythagoräer angefullt mit Geistern, Dämonen und Heroen, welche Menscheu und Thieren Gesundheit und Krankheit erzeugen, und mittelst Träume oder anderer Nittel der Divinatien die Kunde zukünftiger Dinge mittheilen. So heißt es auch in Jalkut Rubeni.unter dem Titel rws l Dentin o^pi 'p mofiyj e»' a'y'pi 'i te":n ot 't inriN.i 7\tibb.t>.) nnm , :dobi nnn didin , niDw rmstM nur qita mm wxw pbn yyi hf» u'miw pWi pnm bncyn...— Der Zweck der Philosophie ist den Pythagoräern, den menschlichen Geist durch Coutemplation zur Anschauug des Geistigen und Göttlichen geschickt zu machen.. Auch den Kabbalisten ist der Begriff npi Erkenntniß, der Wirbel, um den sich fast jede Betrachtung dreht, und das npi entsteht durch die Vermählung von n'EDn und (S. Jost Annalen 1840 Nr. 30.) Denn zur Erkenntniß Gottes gelangt der Mensch nach den Pythagoräern vermittelst der Mathematik, d» h. vermittelst der Bearbeitung der Begriffe von Größe und Verhaltniß, oder des Unbegrenzten, Unbestimmten, und des Begrenzenden und Bestimmenden. riMN im subjektiven Sinne, ist das Vermögen, der Seele, Vorstellungen zu erlangen, aber ohne- Klarheit , unbestimmt und unbegrenzt; sie muß sich daher mit npn vermählen, d. i. das Vermögen, die Vorstellungen von einander zu unterscheiden, zu bestimme!:, zu begrenzen, von der Radix pO. Die Tugend dachten sich die Pythagoräer als