Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 26 (30.6.1849)
- Date
- 1849-06-30
- Page
- Spalte 409-410 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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409 lich fortsktzte. Im I. 1791 wurde er Professor der Philosophie; entsagte jedoch in seinen letzten Lebensjahren dem Studium derselben und widmete sich einzig und allein dem praktischen ärztlichen Leben. Er starb am 19. Januar 1893 an einem Stickslusse, allgemein betrauert wegen feiner großen Rechtlichkeit, Geschicklichkeit und Thätigkeit. Seine bereits veröffentlichten Schriften sind folgende: 1) Das bereits oben bemerkte Werkchen, betitelt „Versuch über die Ursachen der Verschiedenheit des Geschmacks", welches sein erstes öffentliches literarisches Produkt war und zu Mitau, 1776, 8 erschienen ist. — 2) Briefe an Aerzte, zwei Sammlungen, Berlin, 1777—84, 8. — 3) Grundriß der medicinischen Wissenschaften, Berlin. 1782, 8. — Als vorzüglichstes seiner Schriften ist zu betrachten: 4) Versuch über den Schwindel, Berlin, 1786, 8. — 5) Grundlage zu den Vorlesungen über die Experimentalphysik, Berlin, 1787, 8. — 6) Eine Sendschreiben an die Redaktion der Meassim (o'OOdrv) über das zu frühe Beerdigen der Todten bei den Juden. Diese praktische Schrift ist von einem Anonymus zu Berlin im Jahre 1789 ins Hebräische unter dem Titel pyn — Dip’Wß DrOß übersetzt und herausgegeben worden, wovon der Uebersetzer dem ersten Gemeindevorsteher zu Prag, Hrn. Gabriel Frankel, 50 Exemplare zur Venheilung an die dortigen Israeliten gratis übersandte. Von einem gewissen JosefJablonsky ist diese Schrift zu Warschau auch ins Pelnische übersetzt und herausgegeben worden. — Sämmtliche gedachte Schriften zeichnen sich durch Geist, Scharfsinn und guten Styl aus. Außerdem hat derselbe noch mehre kleine Aufsätze medicimschen, philosophischen, psychologischen und theologischen Inhalts in verschiedenen Zeitschriften, so wie auch in den Meassim veröffentlicht.. — Isaak und Mendel Satnow waren seine intimsten Freunde, die ec auch öfnr in seinen theologischen Arbeiten anführt; auch versah er das ayn mNIET) des letztern mit seiner Approbation und Empfehlung, welche dem gedachten Werke beigedruckt worden ist.' — 4) Ruff. kais. Hosrath und Dr. der Medicin Elrich, ein geborner Preuße israelitischer Religion, der früher zu Wilkomir in Lilhauen als Krons- und Stadtarzt prakticirte, wanderte im Jahre 1770 in Kurland ein und heirathete zu Mitau die Tochter des Kalman Borkum (siehe meine Geschichte der Juden in Kurland im LB. d. Or. 1847 Nr. 9). An dem Tage seiner Verlobung hatte sein Schwiegervater, der gedachte Kalman Borkum, den Grundstein zu der von ihm zu Mitau aus eigenen Mitteln erbauten Synagoge gelegt. ' Dieser Elrich starb als frommer und allgemein geachteter Israelit im Jahre 1899. — ö) Konsulent Wulff, ein prakticirender Jurist, war gleichfalls ein geborner Preuße, der sich in Kurland im Jahre 1789 mederließ und im Jahre 1829 zu Petersburg starb. Derselbe verdient hier insbesondere insofern einer ehrenhaften *) Die Biographie steht schon ausführlich in Carmoly's Histoire des IVledicins juifs, welche Geschichte Hr. W. nicht zu haben scheint. Auch in der Bibliotheca Judaica ist s. v. schon Ausführliches mitgetheilt. Red. 410 Erwähnung, da derselbe bereits im Jahre 1824 in der Schreiberstraße zu Mitau eine öffentliche, gut organisirte israelitische Schule, an welcher 4 Lehrer (darunter auch ein christlicher) fungirten, errichtet, und die unmittelbare Leitung derselben, uneigennützig selbst übernommen hatte. Indessen da damals die israelitischen Schulen sich noch nicht in dem Maße, wie gegenwärtig der Gunst der hohen Regierung zu erfreuen hatten, so scheiterte leider seine löbliche Absicht an der Theilnahmlosigkeit der dasigen Gemeinde, und diese Schule löste sich schon im Jahre 1826 auf. — (Fortsetzung folgt). Literarische Analekten. Die pythagoreische Lehre und die Kabbala. Die Pythagoräer nehmen zwei Ursachen des Wirklichen an, welche sie mit den Worten xo cctveiqov das Unbegrenzte, Unbestimmte und xo tcsqeivqv , das Begrenzende , Bestimmende, bezeichnen. Außer und über den genannten zwei Prinzipien nehmen sie noch ein drittes, höheres Wesen an: d. i. Gott, die erste Ursache, die erste Kraft, welcher das Verhältniß und die Wirkungsweise jener Prinzipien bestimmt, und so den kog~ {iog hervor brachte und bildete (s. Boekhö Philolaus S. 148). Dies scheint auch die metaphysische Idee des Sohar zu sein, wenn er P. Bereschit sagt: „NTHm bw ni *62 nh nd8*> TaynN tnro Nnroi" durch das Wort und durch den Geist ist die Welt entstanden. Nfin ist das Unbegrenzte; niot ist das Begrenzende. Daß ^'s"iN wirklich bei den Kabbalisten das Unendliche, Unbegrenzte bedeutet, erhellt, abgesehen von dem Begriffe des Wortes, aus folgender Stelle in Jalkut Rubeni Nr. 1 unter dem Titel Bcriah: m"pn ^tcr-yn roiD , r^yo toy hi wdj wip nm , pNi dw tNmJ ■map nhrh imp nno nw hx nnn.jö. Das myp j\\% ist das Unbegrenzte, Unbestimmte. Um die Qualität des Stoffes aller Materie kümmerte sich Pythagoras nicht, wodurch sich eben die pythagoräische Schule von der jonischen unterscheidet, aber demThales, zu dessen Schüler einige den Pythagoras machen, war das Prinzip aller Dinge die Feuchtigkeit mW?. Sonach wäre mp rnbnh, die unbegrenzte, unbestimmte, formlose, aus Feuchtigkeit bestehende Materie, deren Ursache der unendliche rin war, und die durch den begrenzenden und formenden "ioi bestimmt ward. Indessen, was Pythagoras eigentlich unter dem Unbegrenzten, Unbestimmten versteht, darüber sind die Meinungen verschieden. Das pythagoräische ceTtngov könnte sonach auch Raum und Zeit sein, als die bekannten infniita, dann wäre das Bestimmende die sich im Raume befindliche geformte Materie. In diesem Sinne heißt es in Bereschit Rabba: pN my TT pD'O ^'linoi^ Studien. Literarische Analekten.