Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 26 (30.6.1849)
- Date
- 1849-06-30
- Page
- Spalte 413-414 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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413 Studien. Literarische Miscellen. 414 Harmonie dc§ geistigen Lebens, welche durch Beherrschung des Unvernünftigen und Unterordnung desselben unter das Vernünftige gewonnen wird. Dieses Prinzip nennen die Kabbalisten ^iban prf,: die Selbstoernichtung. Noch haben diese ein Prinzip für die Durchdringung des göttlichen Wesens pH , was aber nichts anders bedeutet,, als die Begrenzung und Beherrschung des au sich Unbestimmten, durch Maaß und Gesetz, die Harmonie in der physischen und psychischen Welt. Die Ansicht Des Hrn. Ra siel über DisÖB , rwa , noan , n jn scheint mir sehr gezwungen. — Auch die äußern Momente der Kabbalisten sind denen der Pythagoräer ähnlich. Jene wie diese Hullen ihre Lehren in ein heiliges Dunkel, sprechen symbolisch, machen Ansprüche auf übernatürliche Kräfte. Jene wie diese enthielten sich aller thierischen Nahrung , und beschränkten sich auf Pftauzenspeiseu mit Ausnahme der schwer verdaulichen.' Vgl. Erubin 56 m nrfr wr nn pdL p-p na -py by und weiter S.' 57. Bei jenen wie bei diesen galt das avzog ecpct statt alles Beweises. — Dr. M. Dusch a k, R. in Anssee. Literarische Miscellen. 6. Zur Geschichte der Polemik gegen das Ehristettthum. Die feindselige Stellung, welche Juden und Christen gegen einander ein nahmen» hinderte die wisscnschastliche Eckemuniß vieler Literaturepochen..Die Feindseligkeit rächte sich auf beiden Seiten. Die christliche historische Theologie ist noch immer auf einem schwankenden Boden errichtet, weil sie die jüdische Literatur nicht ihrer vollen Aufmerksamkeit würdigte. Aber auch das Verständnis; jüdischer Denkmäler war bei den Juden getrübt, weil sie um die Gestaltung und Entwickelung des Christenthums sich wenig kümmerten. Unsere Geschichtschreiber schneiden den Faden der jüdischen Geschichte mit dem Tode Jcsu ab, während das Neue Testament, die ersten christlichen und gnostischeu Sekten einen'Theil der jüdischen Literatur- und Religionsgeschichte/ ausmachen. Die Geschichte der Juden wird lückenhaft bleiben, so lange wir nicht die neutestamentlichen Urkunden und die christliche Sektendildung vom jüdischen Standpunkte aus behandeln. Das Petrmische Christenthum, der Ebionitismus, der älteste Gnostitismus muffen ebenso wie die Sekten der Chasidim, Sabbaräer und wie der Sohar behandelt werden. — Jetzt ist es uns nur darum zu chun, dunkle Stellen, durch die Folie des Christenthums aufzuheUen. In unserer „Einleitung zu Pirk e Abot" haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, wie dieses literarische Monument von allen Kommentatoren misverstanden wurde, weil ihnen die geschichtliche Unterlage fehlte. Als schlagendes Beispiel möge Folgendes dienen. Pirke Abot 111, 11 lesen wir im Namen des N. Elasar aus Modem — des von Bar K o ch b a getödteten Frommen —: nnyion riN tod.d D’EHpn riN l^nort U'3N D.TON ln'ID “iDDHl D'O-Q N'2N \JD p^Dni min n'3 kw o'ys nfiro miro d'Jd h^ddi fOH D1?)^ ppn )V l'N D’31D D’LJ'yD). Für vie Kommentakoren ist das Hervorheben gerade dieser Vergehen eine ci'ux interpretuin .ünt> man, liest bei Wessely (Jen Lebanon) die wunderlichsten Dinge darüber. Diese Stelle ist aber nur eine Polemik gegen die Apostel, die Ebioniten und die ersten Gnostiker, welche gerade der aufgezahlten Uebertrerungen sich schuldig machten. Wir lassen, hier die Erläuterung der einzelnen Punkte folgen: D^Tpn HK ^non. Nach den clementinischen Necognitionen (vergl. Hilgelfeld's Schrift darüber, S. 53) hatte Petrus den Opferkultus — wie Maimüni —* als eine von Moses dem Heidenthum gemachte Koncession betrachtet, die natürlich keinen Vorzug, sondern nur eine Schattenseite des Mosaismus bilden mußte. Daß diese Auffassung der Opfer, dieselben entweiht, sie ihres Heiligseins entkleidet, braucht nicht erst bewiesen zu werden. —, nnjnon ns ntaoni. Die christliche Symbolik hob auch dir Feste, welche zum Theil eine nationale Bedeutung haben, ganz auf. Der valentinische Gnostiker Ptolemäus sagt (bei Epiphanius Här. 33, 3vergl. Baur, die christliche Gnosis S. 204): „Der typische Theik des Gesetzes betrifft Alles, was ein Bild des Geistigen und Höhern ist. Dahin gehören die Opfer, die Beschneidung, der Sabbat, die Fasten, das Pascha, und anderes was auf gleiche Weise ungeordnet ist. Alles dies hat, da es nur Bild und Symbol sein sollte, nach der Offenbarung der Wahrheit (t>. h< nach der Erscheinung Christi) seine Natur verändert, in Hinsicht des Aeußerlichen und Körperlichen ist es aufgehoben." >— D'DiD -non -Os Jinbom. Diese Stelle kann sich nur auf die öffentlichen Disputationen und die Bekehrungssucht der Apostel beziehen, welche gegen den Glauben, gegen das was so Wielen heilig war, zu Felde zogen. — nmaN bv irn-ia isom. Paulus sagt in dem Brief an die Römer 11, 28; „Nicht wer es im Aeußern ist, ist ein Jude, noch die es im Aeußern, am Fleische ist, ist die Beschneidüng, sondern wer im Innern ein Jude ist, und die Beschneidung des Herzens im Geiste, nicht im Buchstaben." Apostelgesch. XV. wird uns erzählt, wie Petrus, Jakobus und die Aellesten die Beschneidung für die Heidenchristen aufhoben. Der Ausdruck bw UVH 3 soll die Verbindlichkeit der Beschneidung urgiren. n'w minn d’Jd n^vni. Das Gesetz würde durch das Christenthum aufgehoben. Paulus polemisirt besonders gegen das'Gesetz. Besonders war es die allegorische Deutung, durch welche man das Gesetz, die Halachcr, abrogirte. Die jüdisch-christliche Gnosis hatte ihre älteste Wurzel in der Allegorie. Baur, a. a. O. S. 87. Der bereits angeführte Ptolemäus sagt: „Es giebt einen