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Der Orient · 1849-06-30 · 26 (30.6.1849) · p. Spalte 407-408

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
26 (30.6.1849)
Date
1849-06-30
Page
Spalte 407-408 (sequence 4)
Language
German
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407 Studien. Zur Geschichte der Juden in Kurland. 408 In Betreff des geiftüicn Zustandes der Israeliten in Kurland, stellen sich dem Beobachter vornämlich drei verschiedene Klaffen dar, deren jede von jeder merkwürdigerweise einen besonder,' Ort in Kurland vorzugsweise inne gehabt. Nämlich: 1) strenge Orthodoxen, die zugleich in der Regel nur fedr wenig oder gar keine Bildung äußerten, sind, größtentheils in den knrländischen Städten uiid Flecken Bauske, Jakob stadt, Frivrich sta dt, Po langen, Windau, Pilten und Schub etz (Subbath) anzurrlffcn gewesen. In den zwei erstgenannten Städten Lauste und Jakob stad t sind sogar einige Individuen aus der Sekte der Chassidim ansässig. 2) Individuendie weder zu den Orthodoxen, noch zu den Gebildeten gezäblt werden können, traf man stets in ü b e rw i e g en d er A n za hl in den Städten ,T u ck Lt m, Gro bin, Goldingen und Libau an z es versteht sich jedoch von selbst, daß-hier auch mehre ehrenwerthe Ausnab men Statt gefunden haben und finden. 3) Männer von Bildung und Intelligenz, die auch bald mehr, bald weniger orthodox waren, hat Ha len po th und Mitau vorzugsweise in nicht geringer Zahl aufzuweisen gehabt. — Unter den Männern, welche sich entweder wegen ihres Einflußes auf hohe Personen, oder wegen ihrer literarischen Leistungen einen großen Ruf erworben haben, sind außer denjenigen, welche ich bereits in meiner gedachten Geschichte der Juden in Kurland erwähnt Hube, vorzüglich auch noch nachstehende nachträglich zu bezeichnen. 1) Lipmann (Levi), lebte um 1730. — Der in der Geschichte so sehr berühmt gewordene Herzog von Kurland Ernst Johann Biron verdankte bekanntlich seine Stellung als der mächtigste Mann im Reiche, lediglich der Großmuth der russischen Kaiserin Anna, verwitwete Herzogin von Kurland, deren Zutrauen er sich im hohen Grade erwarb. Zur Vermehrung seiner Reichthümer trug indessen nicht wenig sein Hosjude Namens Lipmann (Levi)' bei, dem der Herzog einen beträchtlichen Theil der Verwaltung seiner Finanzen übertragen und sich seiner, vorzüglich in Geldangelegenheiten bedient hatte. Letzterer ging so weit, dem erstern verschiedene Handelsmonopole ausschließlich zu ertheilen, von welchen er den Nutzen mit diesem theilte. Natülich veranlaßte dieser Umstand, daß die Stände in der Folge nicht blos dem Herzoge, sondern auch der gelammten Judenschaft abgeneigt wurden. (Man vergl. hierüber auch die Note in derAUg. Encyklopadie von Ersch und Gruber ».Seit. Bd. 10. p. 247.") — 2) Die Familie Euchel. Der in der literarischen Welt bekannte Isaak Abraham Eu che!, Vers, der bekannten Übersetzung des Israel. Gebetbuches tu, Übte, ehe er nach Deutschland ging, eine geraume Zeit bei seinem Bruder in Hasenpolh, welcher letztere daselbst, obgleich ein Jude, dennoch das Ehrenamt eines Rathsherrn dieser Stadt bekleidete. ') Seine Nachkommen leben noch gegenwärtig zu Mitau und eine Enkelin desselben ist an den dasigen Kaufmann Behrmamr verehelicht. — Hier war es, wo Erstere.r sich zu seinem künftigen Berufe autodidaktisch auszubilden Gelegenheit fand — Ein dritter jüngerer Bruder, ließ sich später als Kaufmann in Kopenhagen nieder. — 3") Hofrath und Professor Dr. Markus Herz. Diesen berühmten Mann, dessen Biographie ich auch hier bei dieser Gelegenheit größtentheils nach Dr. Huschte gebe," erwähne ich in sofern, da oerselbe ixr Mitau zum ersten Mal öffentlich literarisch ausgetreten war. — Er war am 17. Juni 1747 zu Berlin von armen jüdischen Eltern geboren, sollte Lheolog werden, ging aber im Jahre 1762 als Handlungsditner nach Königsberg, und widmete sich, da er nach einiger Zeit jener Lebensweise überdrußig war, der Philosophie und Medicin, worin sein heller Geist einen großern Wirkungskreis und mehr Nahrung fand. Kant gewann ihn sehr lieb und empfahl ihn bei seiner Rückkehr nach Berlin, bedeutenden Männern. — Ehe er aber hier seine Studien fortsetzen konnte, machte er, um seine VermLgensumstände zu verbessern, erst eine Reise über Kurland nach Polen als Sekretär des Gey.-Raches Ephraim. In Mitau, — wohin er von Berlin an die dortigen Professoren des herzoglichen akademischen Gymnasium sowohl, als vorzüglich auch von Königsberg aus von dem Philosophen Kant an seinen zu Mirau lebenden Bruder empfohlen worden war, — hielt er sich einige Zeit auf, wo es ihm auch gelang, den hiesigen Hofduchdrucker Steffenhagen als Verleger zu seinem ersten, öffentlichen literarischen Produkte: ,,Versuch über die Ursachen der Verschiedenheit des Geschmacks: Mitau, 1776, 8" willig zu machen. Mir Rath und Lhat von hieraus reichlich unterstützt, ging er hierauf nach Halle , vollendele daselbst seine medicinischen Studien, . wurde im Jahre 1774 Doktor, und ließ sich dann in Berlin als praktischer Arzt nieder, wo er auch bald am jüdischen Krankenhause eingestellt wurde.' Im Jahre 1777 fing er an, Vorlesungen zu hallen, sowohl über medicinische Gegenstände, als auch über Philosophie. Die letzteren hielt er gewöhnlich vor einem zahlreichen gemischten Publikum beiderlei Geschlechts mit vielem Beifall'. — Seine übermäßigen Anstrengungen durch das stete Studium der Medicin und .vorzüglich der Philosophie und durch eine sehr ausgebreitete medicinische Praxis, warfen ihn im Jahre 1782 aufs Krankenlager und brachten ihn dem Lode nahe. Noch im Jahre 1785 mußte er deshalb, um seine Gesundheit mehr zu befestigen, eine Badereise nach Pyrmont unternehmen, wo ihn der Fürst von Waldeü zum Hefrath und Leibarzt ernannte. Nach seiner Rückkehr nach, Berlin, begann er nun seine Vorlesungen wieder, die er auch bis wenige Jahre vor seinem Lode jähr- *) Ich hoffe, daß sie dem Leser willkommen sein werde, da auch schon Herr Dr. Zunz in den „Sterbetagen" in Busch's Kalender und Jahrbuch der Israeliten pro 1848, von diesem berühmten Manne mit Bedauern bemerkt, daß ihm de Rossi nur wenige Zeilen unter Maimon und die Konver? sations-Lexika gar keinen Platz einräumen. —

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